LGW will Mitarbeiter mit finanziellen Anreizen zum Umzug bewegen

Die Maschinen der LGW fliegen hauptsächlich für Eurowings von Düsseldorf und Stuttgart aus. Genau wie der neue Eigentümer Zeitfracht kommen viele Crews jedoch aus anderen Regionen - jetzt sollen sie umziehen.

Ein Aufkleber "Operaded by LGW" an einer Dash-8 Maschine. © LGW

Der Berliner Logistikkonzern Zeitfracht will einen Großteil der Mitarbeiter seiner neu erworbenen Tochter LGW zum Umzug bewegen. Das bestätigten Gewerkschaftskreise gegenüber airliners.de. Das Angebot soll zunächst auf Freiwilligkeit setzen.

LGW entstünden erhebliche Kosten aufgrund einer ausgeprägten Fehlstationierung der Mitarbeiter, bedingt durch die turbulente jüngere Geschichte der Fluggesellschaft, inklusive einem Flottenwechsel und mehrerer Eigentümer-Wechsel.

Zuerst hatte die Wirtschaftswoche berichtet. Demnach sollen zunächst 130 Mitarbeiter Angebote für Umzüge auf freiwilliger Basis erhalten. Diese seien bisher zumeist in Berlin, Dortmund und Nürnberg stationiert, fliegen aber aktuell im Einsatz für Eurowings von Düsseldorf und Stuttgart. Das Personal müsse daher stets aufwändig zu den Einsatzorten pendeln.

Laut dem Bericht kostet das Pendeln das Unternehmen pro Schicht und Mitarbeiter pro Tag zum Teil weit über 100 Euro für die Flüge, Übernachtungen und Tagegelder. Mit der Neustationierung wolle man sowohl die Kosten senken als auch den den Aufwand für die Mitarbeiter reduzieren, berichtet die Zeitschrift. Zeitfracht habe den Umzug bestätigt und erklärt, dass man die "Fehlstationierungen" nicht nur im Sinne des Unternehmens, sondern auch im Sinne der Mitarbeiter korrigieren wolle.

Umzugsangebote von Lufthansa stießen auf wenig Gegenliebe

Den Angaben nach sollen vor allem Flugbegleiter umziehen. Piloten hingegen könnten gegen Gehaltsabzüge von bis zu 1000 Euro im Monat pendeln. Die LGW fliegt derzeit mit ihren Bombardier Dash 8 Q400 im Wet-Lease für Eurowings. Zeitfracht, zu dem auch der rumänische Billigflieger Blue Air und die Kölner WDL gehören, hatte die ehemalige Air-Berlin-Tochter LGW zum 1. April von der Lufthansa gekauft.

Arbeitnehmervertreter sehen ein Umzugs-Angebot jedoch skeptisch. Schon im Zuge des LGW-Verkaufs hätte Lufthansa den LGW-Crews ein gutes Angebot für einen Wechsel des Standorts inklusive Wechsel zum Lufthansa-Konzern gemacht, das jedoch kaum angenommen worden wäre.

Damals sah eine Vereinbarung zwischen Arbeitnehmervertretern und der Unternehmensführung eine Prämie von bis zu 18.000 Euro brutto für eine freiwillige Umstationierung vor. Zudem verpflichtete sich die LGW, betriebsbedingte Kündigungen bis zum 31.10.2019 auszuschließen.

© dpa, Valentin Gensch Lesen Sie auch: "Die LGW-Piloten wünschen sich eine Rückkehroption" Interview

Wer einen Wechsel zur Lufthansa ausschlage, um nicht umziehen zu müssen, werde jetzt auch kaum auf das Zeitfracht-Angebot eingehen, zitiert die Wirtschaftswoche einen Arbeitnehmervertreter. Vor allem die im Vergleich zu Berlin ungleich höheren Lebenshaltungskosten in Städten wie Frankfurt und Düsseldorf würden abschrecken. Nun würden die Arbeitnehmer befürchten, dass Zeitfracht sich daher in Zukunft doch zu mehr Druck bei der Neustationierung oder gar betriebsbedingten Kündigungen gezwungen sieht.

© WDL, Lesen Sie auch: LGW und WDL stellen gesamte Flotte auf Embraer E190 um

Von: dk

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