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Eine Antonow 124 steht auf dem Vorfeld des Flughafens Leipzig/Halle © dpa / Jan Woitas
Eine Antonow 124 steht auf dem Vorfeld des Flughafens Leipzig/Halle © dpa / Jan Woitas
Eine AN-124-100 wird in den neuen Hangar der Volga-Dnepr Gulf in Scharschda/VAE geschleppt. © Volga-Dnepr
Eine AN-124-100 wird in den neuen Hangar der Volga-Dnepr Gulf in Scharschda/VAE geschleppt. © Volga-Dnepr
Eine Antonow AN-124, steht in einem Hangar der Volga-Dnepr am Flughafen Leipzig/Halle. © dpa / Jan Woitas
Eine Antonow 124 steht auf dem Vorfeld des Flughafens Leipzig/Halle © dpa / Jan Woitas
Eine Antonow 124 steht auf dem Vorfeld des Flughafens Leipzig/Halle © dpa / Jan Woitas

Der Zahn der Zeit nagt sichtbar an der rund 50 Einheiten betragenden Flotte von Antonows 124. Der aus Sowjetzeiten stammende Lastenesel, mit dem ursprünglich vor allem Militärgüter befördert werden sollten, der aber längst für zivile Transporte eingesetzt wird, ist in die Jahre gekommen. Moderne Elektronik in der Pilotenkanzel? Fehlanzeige. Stattdessen überall Schalter, Hebel und Knöpfe.

Keine Frage, dieser Großfrachter ist nicht mehr zeitgemäß. Unverzichtbar ist er trotzdem, besetzt er doch eine wichtige Nische im Chartersegment, um schwere, sperrige oder überlange Sendungen zu den Kunden zu bringen. Lange wurde diskutiert zwischen dem russischen Herstellern Volga-Dnepr und seinem ukrainischen Pendant Antonow Design Bureau, ob es sich lohnte, eine modernisierte Version der An-124 zu bauen. Aus Kostengründen kam das ambitionierte Projekt, obwohl vom russischen Militär befürwortet, nicht recht voran.

Statt länger zu warten, hat hinter den Kulissen nun Volga-Chef Alexej Isaikin die Initiative ergriffen. Auf dem kürzlich veranstalteten parlamentarischen Abend in Berlin kündigte er in seiner Präsentation unter dem Tagesordnungspunkt „Ausblick“ die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens mit den zu Airbus gehörenden Elbe Flugzeugwerken an. Ziel dieser Initiative ist es nach Aussage Isaikins, die existierende Flotte der Großfrachter zu modernisieren, um sie für ein zweites Leben fit zu machen.

Weitere Details will der Manager auf der kommenden ILA in Berlin bekanntgeben. Grundsätzlich bestätigt wurde dieses Vorhaben von Ildar Iliyasov, dem Geschäftsführer der in Leipzig/Halle ansässigen Volga-Dnepr Technics GmbH. Die Dresdner Elbe Flugzeugwerke kämen deshalb für das Projekt infrage, weil sie über jahrelange Expertise im Umbau von Flugzeugen verfügten. Iliyasov meinte, dass einige der dort tätigen Ingenieure für den Umbau der An-124 temporär nach Leipzig überwechseln könnten, um Teil des Projektteams zu werden. Läuft alles wie geplant, werde Volga-Dnepr Technics die Kapazität des heutigen Flugzeughangars verdoppeln, um genügend Platz für die Modernisierung von jeweils einem der Großfrachter vorzuhalten.

Demgegenüber erklärte Sprecher Christopher Profitlich von den Elbe-Werken, dass an den Plänen eines Gemeinschaftsunternehmens trotz der unzweideutigen Ankündigung von Volga-Chef Isaikin „absolut nichts dran“ sei. „Wenn wir beauftragt werden (von Volga-Dnepr) technische Dienstleistungen zu erbringen, kann man darüber reden“, sagte Profitlich wörtlich.

Ungeachtet dessen verwies Manager Iliyasov zudem darauf, dass für die Modernisierung der An-124-Flotte der ukrainische Flugzeugentwickler Antonov Design Bureau mit ins Boot geholt werden solle. Die Gespräche darüber seien im Moment aber wegen der angespannten politischen Lage in der Ukraine eher schwierig.

Sollten die Großfrachter – ob im Rahmen eines Joint Ventures oder in Form einer engen Zusammenarbeit – von Isaikin angekündigt am Leipziger Flughafen modernisiert werden, brächte dies einen kräftigen Schub für den sächsischen Luftfahrtstandort. Neben dem Expressverkehr von DHL und deren zusammen mit der Lufthansa Cargo betriebenen Tochter AeroLogic wäre die im Fachjargon als Maintenance, Repair, Overhaul (MRO) bezeichnete Flugzeugwartung und -überholung ein zweites starkes Standbein. Ergänzt werden beide Bereiche um die Einsätze der An-124 im Rahmen von Salis, dem von Volga-Dnepr und Antonow Design Bureau ebenfalls in Leipzig gegründeten Joint Ventures. Darin haben sich beide An-124-Betreiber verpflichtet, mindestens zwei, erforderlichenfalls aber bis zu sechs An-124 in Leipzig/Halle zu stationieren, um bedarfsweise Güter im Auftrag europäischer Länder oder von Mitgliedern der NATO zu strategisch wichtigen Einsatzgebieten wie Afghanistan, dem Kongo oder anderen militärischen respektive politischen Hot Spots zu fliegen. Ähnliches gilt für die Beförderung von dringend benötigten Hilfsgütern im Falle von Naturkatstrophen.