O'Leary: "Passagiere werden die 737 Max lieben"

Ryanair-Chef Michael O'Leary ist nach wie vor überzeugt von der Boeing 737 Max und bleibt bei der bisherigen Flottenplanung. Gegenüber dem Hersteller macht er allerdings Druck. Boeing müsse endlich vorankommen, um das Grounding zu beenden.

Michael O\'Leary, CEO Ryanair © dpa / Julien Warnand

Der Chef des Billigfliegers Ryanair, Michael O'Leary, ist von Boeings Problemflieger 737 Max nach wie vor überzeugt. Die "Passagiere werden das 737-Max-Flugzeug lieben", so O'Leary während einer Telefonkonferenz mit Analysten zu den Ergebnissen des ersten Geschäftsquartals. Das Flugzeug ist integraler Bestandteil von Ryanairs Wachstumsplänen und wirbelt durch das Grounding die weitere Planung des Billigfliegers durcheinander.

Ryanair setze die Sicherheit immer an erste Stelle, so der Ryanair-Chef weiter. Wenn die Max wieder zugelassen werde und alle Behörden die Sicherheit des Flugzeugs bestätigt hätten, werde sie das am meisten geprüfte und untersuchte Flugzeugmodell sein.

Flottenstrategie bleibt unangetastet

Abseits des aktuellen Groundings lobte der Ryanair-Chef das Modell in höchsten Tönen. Die Max sei ein hervorragendes Flugzeug mit großartiger Kabine und Performance. Zum Vergleich der spezielle Ryanair-Variante namens 737-Max-200 und der Konkurrenz von Airbus sagte O'Leary, "the Max-200 kicks the A321 out of the park", auf Deutsch etwa: "die A321 kann einpacken, wenn die Max-200 kommt".

Für Ryanair ist die Max ein wichtiger Baustein der Flottenstrategie, da sie erhebliche Treibstoffeinsparungen verspricht und gleichzeitig acht Passagiere mehr befördern kann als die bei Ryanair derzeit genutzten Boeing 737-800 mit 189 Sitzen. Europas größter Billigflieger hat 135 Max-Flugzeug fest bei Boeing bestellt und Optionen für 75 weitere Jets.

Boeing 737 Max 200

Foto: © Boeing

Boeing hatte die 737 Max 200 speziell für Low-Cost-Carrier entwickelt. So bietet die Maschine dank kleinerer Bordküchen und angepasstem Sitzabstand bis zu 200 Passagieren Platz. Dazu ist ein weiterer Notausgang in der Mitte installiert worden. Außerdem bietet die Maschine leicht vergrößerte Gepäckfächer sowie eine bessere Belüftung und Schallisolierung. Die Reichweite der Maschine liegt bei 6670 Kilometern; sie wird von CFM Leap 1B-Triebwerken angetrieben.

Dem CEO zufolge plant Ryanair aber keine besonderen Marketingmaßnahmen, um das lädierte Vertrauen in den Flugzeugtyp bei Passagieren und Crews wieder herzustellen. Eine generelle Umbenennung seitens der Airline, über die zwischenzeitlich diskutiert worden war, steht demnach nicht an. O'Leary bezeichnete das Modell während des Calls abwechselnd als "Gamechanger" und als "Max".

Auch könne man den Passagieren im Vorhinein nicht unbedingt sagen, ob sie in einer 737 Max oder dem Vorgängermodell NG fliegen werden, da die Zuteilung der Maschinen nicht schon Monate im Voraus feststehe.

Boeing need to get their shit together

Michael O'Leary

Angesprochen auf das Verhältnis zu Boeing äußerte sich O'Leary deutlich. Der Hersteller müsse die Dinge endlich regeln, um die 737 Max wieder in die Luft zu bekommen. Wörtlich sagte er: "Boeing need to get their shit together".

Ryanair arbeite allerdings mit Boeing zusammen und sei auch mit den zuständigen Behörden im Gespräch. O'Leary bestätigte auch erneut, dass Ryanair mit Boeing in Verhandlungen über eine neue Bestellung sei, nannte aber keinerlei Details.

Ursprünglich hatte Ryanair mit 58 der neuen Single-Aisle-Flugzeuge für kommendes Jahr gerechnet. Nun kämen bis Juni im besten Falle 30 der neuen Jets in die Ryanair-Flotte, vielleicht aber auch nur 20 oder nur zehn, im schlimmsten Falle gar keiner. Wegen dieser Unsicherheit seien genauere Planungen für die kommende Sommersaison schwierig.

© AirTeamImages.com, EstevezR Lesen Sie auch: Ryanair-Gewinn bricht um 20 Prozent ein

Ryanair wolle nur im Zeitraum Januar bis Juni neue Flugzeuge einflotten. In der dann folgenden Sommerreisewelle sei das Unternehmen zu beschäftigt, zumal es sich bei der Max auch noch um einen ganz neuen Flugzeugtyp handele, was natürlich mehr Arbeit bedeute. Mehr als sechs bis acht neue Maschinen pro Monat sind laut dem Airline-Chef aus internen Gründen nicht möglich. Ab Herbst könne man dann wieder neue Flugzeuge in die Flotte integrieren.

Von: hr

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