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Flugzeuge auf der Paris Air Show 2017. © dpa

US-Flugzeugbauer Boeing hat seinen europäischen Rivalen Airbus auf der Pariser Luftfahrtmesse Le Bourget weit hinter sich gelassen. Der US-Konzern sammelte Bestellungen und Vorverträge über 571 Verkehrsflugzeuge ein - von Auftragsflaute keine Spur. Die Europäer kamen nur auf 326 Maschinen, nachdem sie die Amerikaner in den Vorjahren vielfach übertroffen hatten.

Während der scheidende Airbus-Verkaufschef John Leahy insgesamt von einem Tiefpunkt im normalen Auftragszyklus sprach, sah sein Kollege Ihssane Mounir von Boeing keinen Grund zur Klage. Laut Preisliste haben Boeings Verträge aus Le Bourget einen Gesamtwert von 74,8 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 66,9 Milliarden Euro). Airbus kommt auf 39,7 Milliarden Dollar (35,6 Milliarden Euro).

Mittelstreckenjets gefragt

Punkten konnten beide Hersteller mit ihren modernisierten Mittelstreckenjets - dem Airbus A320neo und der Boeing 737 MAX. Deren Produktion ist auf Jahre hinweg ausgebucht. Weniger gefragt waren die größeren und teureren Langstrecken-Maschinen, von denen Boeing 56 Stück und Airbus gerade mal 20 Exemplare los wurde. Beim weltgrößten Passagierjet A380 hält die auftragslose Durststrecke an.

Die weltgrößte Luftfahrtmesse, die alle zwei Jahre am Flugplatz Le Bourget bei Paris stattfindet, lief für Boeing auch deutlich besser als die letzte Veranstaltung an dieser Stelle im Jahr 2015, als die Amerikaner nur 331 Maschinen losgeworden waren.

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Bei der Farnborough Air Show nahe London, die sich jährlich mit der Paris Air Show abwechselt, kam Boeing 2016 sogar nur auf 140 verkaufte Flugzeuge - gerade mal halb so viel wie Airbus.

Airlines wollen Boeings Langversion

Nicht eingerechnet in Boeings aktuelle Zahlen sind Bestellungen für 214 Mittelstreckenjets in der neuen Langversion 737 MAX 10, bei denen die Käufer lediglich bestehende Aufträge in solche für die gestreckte Version umwandelten. Boeing hatte die Einführung der MAX 10 zu Beginn der Luftfahrtmesse am Montag offiziell bekanntgegeben.

Der Flieger soll bis zu 230 Passagiere fassen und damit zehn mehr als die MAX 9. Boeing versucht so, zu Airbus aufzuschließen, dessen A321neo bis zu 240 Fluggäste befördern kann. In Le Bourget holten die Amerikaner auch wirkliche Neuaufträge und Vorverträge über 147 Exemplare der MAX 10 herein.

Größter Einzelauftrag für Boeing war die Bestellung einer ungenannten Airline über 125 Mittelstreckenjets vom Typ 737 MAX 8 im Wert von 14,1 Milliarden Dollar (12,6 Milliarden Euro). Der Flugzeugfinanzierer Aer Cap orderte auf einen Schlag 30 "Dreamliner" Langstreckenjets für 8,1 Milliarden Dollar (7,3 Milliarden Euro).

Iran ordert bei Airbus

Airbus wurde 100 Mittelstreckenjets vom Typ A320neo an den Flugzeugfinanzierer des US-Mischkonzerns General Electric los (Listenpreis 10,8 Milliarden Dollar, 9,7 Milliarden Euro). Kurz vor Ende der Messe kamen zwei Aufträge aus dem Iran über insgesamt 9,4 Milliarden Dollar (8,4 Milliarden Euro) herein. Behörden müssen den Iran-Deals aber noch zustimmen.

Die größte Order für Airbus' jüngsten Langstreckenjet A350 kam aus Afrika: Ethiopian Airlines orderte zehn Jets des Typs im Wert von 3,1 Milliarden Dollar (2,8 Milliarden Euro).

So könnte die A380plus von Airbus aussehen. Foto: © Airbus

Für die Riesenflieger Airbus A380 und Boeing 747-8 (Jumbo-Jet) sieht es weiter trübe aus. Beide Hersteller haben die Produktion wegen der dürren Auftragslage deutlich gedrosselt. Boeing baut beim Jumbo auf die Frachterversion.

Airbus will den weltgrößten Passagierjet A380 mithilfe riesiger abgeknickter Flügelspitzen ("Winglets") sparsamer machen. Neuerungen in der Kabine sollen Platz für 80 zusätzliche Fluggäste schaffen. Insgesamt soll der Spritverbrauch pro Sitzplatz in der sogenannten A380plus um 13 Prozent sinken.

© dpa, Arne Dedert Lesen Sie auch: Boeing-Prognose: US-Konzern sieht immer weniger Zukunft für Riesenjets

Airbus setzt darauf, dass mit dem wachsenden weltweiten Flugverkehr zwangsläufig auch der Bedarf an riesigen Maschinen mit mehr als 600 Sitzplätzen wie der A380 zunimmt. Bisher haben sich diese Erwartungen allerdings noch nicht in neuen Aufträgen gezeigt.