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Le Bourget 2013: Kleine Flugzeugbauer vs. Airbus und Boeing

Neben dem Duopol von Airbus und Boeing scheint es kaum Platz für andere Flugzeughersteller zu geben. Doch Brasilianer, Kanadier, Russen und Chinesen arbeiten sich mit großen Schritten heran.

Bombardier CSeries-Prototyp © Bombardier
Die neue Embraer E-Jet-Familie © Embraer
Die Boeing737-MAX-Familie © Boeing
Illustration des russischen Jetprojekts MS-21 © OAK
Model des COMAC C919 © dpa
Das Modell eines Airbus A320neo vor einer US-Flagge © dpa / Dan Anderson

Der Markt ist gigantisch: Bis 2032 werden nach jüngsten Berechnungen des US-Herstellers Boeing allein im Mittelstreckenbereich mehr als 24.000 Flugzeuge ausgeliefert. Berechnetes Umsatzpotenzial: etwa 1,72 Billionen Euro. Die Passagierzahlen sollen jährlich um fünf Prozent zulegen. An diesen fetten Topf wollen nicht nur die beiden großen Player Boeing und Airbus heran. In Wartestellung lauern gleich mehrerer potenzielle Konkurrenten der Zukunft.

Die beiden Marktführer erwarten längst nicht mehr, das Massengeschäft mit den Mittelstreckenjets dauerhaft unter sich ausmachen zu können. «Da ist sicher Platz für einen dritten Anbieter im Markt», sagt der Chef der Boeing-Verkehrsflugzeugsparte, Ray Conner. Ähnliche Töne gibt es auch bei Airbus.

Flugzeugbauer aus Brasilien, Kanada, Russland und China rüsten sich bereits mit neuen Modellen zum Angriff. Sie wollen der Boeing-737- sowie der Airbus-A320-Familie Aufträge im Segment über 120 Sitzplätzen streitig machen.

Noch sind auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget von den Herausforderern jedoch nur Modelle oder begehbare Ausschnitte zu sehen. So locken die Russen mit Cockpit und Passagierkabine der Irkut MS-21 in Originalgröße. Der Flieger steckt noch in der Entwicklung, für 2017 ist die erste Auslieferung der geplant. Die MS-21-200 hat eine Kapazität von 150–162 Sitzplätzen, die größere -300 kann bis zu 198 Passagiere befördern. Die chinesische Comac C919-200 dagegen soll eine Kapazität von 156-168 Sitzplätzen haben.

Bombardier hebt zuerst mit Getriebefan-Technologie ab

Besonders weit ist Bombardier, der kanadische Anbieter für Regionalflugzeuge. Der Erstflug seiner CSeries ist für die kommenden Wochen angekündigt. Mit Plätzen für 100 bis 149 Fluggäste soll er Boeing und Airbus mit modernen Getriebefantriebwerken sowie dem Vorteil eines komplett neuen Layouts gefährlich werden.

«Das wird ein Non-Ereignis in der Luftfahrtgeschichte», lästerte zwar jüngst Airbus-Verkaufschef John Leahy. Dennoch haben die Branchenriesen längst reagiert: Die A320 und die 737 bekommen sparsamere Nachfolger. Die A320neo und die 737MAX setzten dabei ebenfalls auf die neue Triebwerksgeneration. Das ist aber wahrhaftig kein Alleinstellungsmerkmal mehr: Für Bombardiers CSeries und die MS-21 von Irkut sprechen die selben verbrauchsarmen Getriebefantriebwerke. Für die Runderneuerung seiner Verkehrsflieger hat sich nun auch Embraer für diesen Antrieb entschieden.

Der brasilianische Hersteller möchte von 2018 an mit der E2-Familie, der in Paris vorgestellten zweiten Generation ihrer überaus erfolgreichen EJets, auf der Mittelstrecke punkten. Während der Pariser Flugschau sicherten sich die Brasilianer schon mal ein fettes Stück vom künftigen Kuchen: Aufträge für mehr als 200 Flugzeuge, die Hälfte davon als feste bestellte Jets für einen Listenpreis von 3,5 Milliarden Euro. Mit bis zu 132 Passagieren liegt die größte Variante im begehrten Maß für Mittelstreckenjets.

Der Erfolg ist nicht verwunderlich, denn wirklich neue Flugzeuge sind genau das, was sich die Fluggesellschaften wirklich wünschen. Im Kern basieren nämlich sowohl die A320 von Airbus als auch die Boeing 737 auf jahrzehntealten Entwürfen. Nicht zuletzt deswegen schauen die Fluggesellschaften wie etwa easyJet auch auf die kleineren Hersteller.

Ihren neuen Konkurrenten wollen Airbus und Boeing daher immer einen Schritt voraus sein. Sparsamer, zuverlässiger, komfortabler, lautet der Anspruch. Getriebefan-Technologie soll die alten Muster nochmal auf Effizienz trimmen. Doch auch die Neuen sind nicht unbedingt von gestern. Erstmals abheben wird ein Getriebefan an einem Mittelstreckenjet von Bombardier. Ein «Non-Ereignis in der Luftfahrtgeschichte» wir dieser Erstflug also doch nicht.

Alle Meldungen zur Paris Air Show inklusive Bestellübersicht finden Sie auf der airliners.de-Themenseite Le Bourget 2013

Von: dpa, airliners.de

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