Krise bei Laudamotion erzwingt massiven Sparkurs

Laudamotion steckt in einer existenziellen Krise, Unternehmenschef Gruber kündigt tiefgreifende Sparmaßnahmen an. Seine Airline muss dringend profitabel werden, denn ansonsten will Mutter Ryanair selbst in Wien übernehmen.

Michael O'Leary und Andreas Gruber. © APA/dpa / Herbert Pfarrhofer

Laudamotion-Chef Andreas Gruber kündigt in einem Brief an die Belegschaft, der airliners.de vorliegt, tiefgreifende Sparmaßnahmen an. Aus dem Schreiben geht hervor, dass Lauda in einer existenziellen Krise steckt. Man müsse schnell aus der Verlustzone kommen und eine vergleichbare Effizienz wie die Mutter Ryanair erreichen. Sollte dies nicht gelingen, würde das Unternehmen scheitern.

Offenbar stehen derzeit zahlreiche Cockpit-Jobs bei Lauda auf dem Spiel. CEO Gruber setzt für den Sparkurs seine Mitarbeiter massiv unter Druck und fordert unter anderem feste Dienstpläne. Sollte sich der Betriebsrat nicht bis zum 14. August mit der Unternehmensführung auf Änderungen zur Effizienzsteigerung einigen, müssten bis zu 30 Cockpit-Crews abgebaut werden.

Eine Garantie für die Piloten gibt Gruber allerdings auch im Falle einer rechtzeitigen Einigung nicht. Der Lauda-Boss schreibt lediglich, er hoffe, diese Jobverluste abwenden oder begrenzen zu können. Alle Angestellten müssten sich daran beteiligen, Kosten zu sparen und Effizienzen zu steigern. Die harte Arbeit starte jetzt und Laudamotion könne die Konkurrenz nur durch niedrigere Preise schlagen.

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Während Gruber seine Belegschaft unter Druck setzt, versucht er die Unternehmensführung aus der Schusslinie zu nehmen. Das neue Management-Team arbeite "rund um die Uhr", um die notwendigen Änderungen herbeizuführen und das Geschäft weiter wachsen zu lassen.

50 Millionen Euro Minus

Für dieses Jahr peilt die österreichische Airline einen Verlust in Höhe von bis zu 50 Millionen Euro an. Im Vorjahr hatten noch knapp 140 Millionen Euro Minus in den Büchern gestanden, die komplett durch Kredite der Mutter Ryanair abgedeckt wurden. Die Verluste im laufenden Jahr seien auf hohe Kerosinpreise, sehr tiefe Ticketpreise, erheblichen Gehaltssteigerungen und Ineffizienzen der Crews zurückzuführen.

Gruber schreibt, dass die Homebase Wien Verluste schreibe und das Wachstum mit einer Stationierung von vier Flugzeugen am Standort auf dem Spiel stehe. Wenn es nicht gelänge, am Standort kostendeckend zu arbeiten, werde Ryanair selbst das Wachstum in Wien übernehmen und vier Boeings vor Ort stationieren, die zu geringeren Kosten als Lauda-Maschinen fliegen könnten.

Daneben kündigt der Lauda-Chef an, einige Geschäftsfunktionen an Ryanair auszulagern. In den kommenden Wochen und Monaten würden unter anderem der Vertrieb sowie "EU216" – gemeint ist die EU-Fluggastrechteverordnung – an die Konzernmutter übertragen, wo diese Funktionen durch Skaleneffekte günstiger gemanaged werden könnten. Außerdem werde Laudamotion eine mit Ryanair vergleichbare Struktur von Basen umsetzen. Wo der Unterschied zu den aktuell vorhandenen Basen liegen soll, schreibt Gruber nicht.

Nicht der erste Sparkurs

Lauda hatte bereits im Juni wegen dem Millionenverlust des ersten Geschäftsjahres einen Sparkurs angekündigt. Man sah sich gezwungen, die Kosten "in sämtlichen Bereichen zu überprüfen". Der Billigflieger hatte unter anderem angefangen bei den Kosten für die Mitarbeiterparkplätze an der Konzernzentrale sparen. Die finanzielle Belastung der Parkplatzmiete in Höhe von monatlich rund 30.000 Euro könne Lauda nicht mehr in Gänze tragen.

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Lauda war 2018 gestartet und hat seitdem vier Basen aufgebaut, neben Wien sind das Düsseldorf, Stuttgart und Mallorca. Nach Angaben der Konzernmutter fliegt Lauda im derzeitigen Sommerflugplan mit 20 Airbus A320. Beim Datenanbieter "CH Aviation" sind zusätzlich noch ein inaktiver A320 sowie vier Boeing 737-800 im Wet Lease aufgeführt, womit Lauda momentan über eine aktive Flotte von 24 Flugzeugen verfügt.

Ryanair-Konzernchef Michael O'Leary hatte im Frühjahr angekündigt, dass die Tochter Lauda bis Ende 2020 mit einer Flotte von 40 Airbus-Maschinen operieren werde. Ob dieses Ziel nach wie vor steht, darf angesichts der schlechten Zahlen von Ryanair und der noch schlechteren von Lauda wohl bezweifelt werden. Im Schreiben von Andreas Gruber ist nur davon die Rede, dass die von Lufthansa geleasten Flugzeuge zurückgegeben wurden und kostengünstigere Leasingverträge über 23 Airbus A320 geschlossen worden seien.

Von: hr

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