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Interview Lauda will billiger produzieren als Ryanair

Zum Jahresabschluss spricht Lauda-Chef Andreas Gruber im Interview über Kritik an den Arbeitsbedingungen, den Vorteil einer Einheitsflotte und warum es wichtig wird, billiger zu produzieren als Konzernmutter Ryanair.

Andreas Gruber. © Lauda Motion, Montage: airliners.de

Der österreichische Billigflieger Lauda hat auch im zweiten Jahr seiner Unternehmensgeschichte den Expansionskurs fortgesetzt. So wuchs die Flotte von neun auf 23 Maschinen mit denen die Ryanair-Tochter bis Ende des Jahres rund 6,5 Millionen Passagiere transportiert hat. Dennoch wird die Airline das Geschäftsjahr mit einem Millionendefizit abschließen. airliners.de sprach mit Lauda-Chef Andreas Gruber über die Pläne für 2020, den Wirbel um die Arbeitsbedingungen bei den Österreichern und warum man künftig billiger produzieren will, als Konzernmutter Ryanair.

airliners.de: 2019 geht zu Ende. Wie bewerten Sie das zweite Jahr der Unternehmensgeschichte?
Andreas Gruber: Zuerst einmal unglaublich spannend. Es ist schon Wahnsinn, was wir in 2019 alles erreicht haben. Neben unserer zehnmillionsten Buchung haben wir auch eine neue App sowie neue Uniformen eingeführt. Das wichtigste war sicherlich unser deutliches Wachstum. Unsere Flotte haben wir von neun auf 23 Maschinen ausgebaut und konnten dementsprechend unser Streckennetz deutlich ausbauen. Ganz wichtig ist auch für uns, dass wir natürlich die Legende von unserem Gründer Niki und seinem Spirit weiterführen. Wir sind damals angetreten, um im DACH-Markt für mehr Wettbewerb zu sorgen und ich glaube, das ist uns gelungen.

In Wien ist Lauda bereits die Nummer zwei. Wann werden Sie die Nummer eins sein?
Wir sagen immer ganz klar: Wir wollen Österreichs Airline Nummer eins werden. Wenn man bedenkt, dass unsere Konkurrentin Austrian 13,9 Millionen Passagiere befördert und wir schon im kommenden Jahr über zehn Millionen Passagiere haben werden, dann wird schon ganz klar, wo die Reise hingeht. Und natürlich möchten wir auch in Wien weiter wachsen.

Werfen wir einen Blick auf die Finanzen. Den Break Even haben Sie 2019 noch nicht geschafft. Wann verdient Lauda Geld?
Der Break Even war auch nicht für das zweite Jahr avisiert. In diesem Geschäftsjahr werden wir Verluste von rund 80 Millionen Euro ausweisen, das gehört zur Wahrheit dazu. Ziel für unser drittes Geschäftsjahr ist definitiv den Turnaround zu schaffen – dafür werden wir unsere Firma noch zukunftsfähiger aufstellen, um den Break Even im dritten Jahr zu schaffen.

Vita

Der Manager: Andreas Gruber Geschäftsführer bei der Ryanair-Tochter Lauda. Während des Studiums des Tourismusmanagements arbeitete er am Flughafen Wien. Danach war er unter anderem bei Niki und ab 2012 bei Air Berlin tätig. Ein Jahr später ging er erneut als Verantwortlicher für die Netzplanung zurück zum österreichischen Ferienflieger Niki.

Produziert Lauda billiger als Mutter Ryanair?
Wir arbeiten daran, aber noch sind wir es nicht. Das ist eines unserer Ziele, um unsere Firma noch wettbewerbsfähiger aufzustellen.

2019 gab es auch sehr viel Kritik von Mitarbeitern über die Arbeitsbedingungen bei Lauda. Warum erkennen Sie Gewerkschaften nicht an?
Wir erkennen Gewerkschaften sehr wohl an. Wir haben natürlich Kontakt und haben auch eine ganz klare Einladung ausgesprochen, Betriebsratswahlen durchzuführen. Diese müssen allerdings ordnungsgemäß stattfinden und das ist dieses Jahr nicht geschehen. Wir sind jedoch nach wie vor in engem Kontakt mit den Verantwortlichen, um ordnungsgemäße Wahlen durchzuführen.

Gibt es schon einen Termin?
Nein, den gibt es nicht. Wir warten derzeit auf eine Rückmeldung der Verantwortlichen.

Dann haben die Beschäftigten aktuell keinen Betriebsrat?
Aktuell gibt es keinen, weil die Wahl nicht ordnungsgemäß stattgefunden hat.

Bleiben wir bei der Kritik. Lauda soll Leiharbeitern in der Kabine einen Nettolohn unter 1000 Euro bezahlen. Halten Sie das für ein angemessenes Gehalt?
Nein, das stimmt überhaupt nicht. Das sind irgendwelche haltlosen Medienspekulationen gewesen. Wir sind die Low-Cost-Airline in Wien, die ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am besten bezahlt. Es ist ganz klar festzustellen, dass es keinen Gehaltsunterschied gibt zwischen einem Crew-Link-Vertrag und einem direkten Lauda-Vertrag. Unsere Mitarbeiter in der Kabine verdienen um die 29.000 Euro pro Jahr. Das sind nicht unter 1000 Euro pro Monat.

Neben dem Personal gab es in letzter Zeit eine Reihe kleinerer technischer Probleme mit ihrem Fluggerät. Rächt sich jetzt, dass die Flotte aus älteren geleasten Maschinen besteht?
Nein, überhaupt nicht. Wir arbeiten alle in der Branche mit technischen Geräten und mit denen kann immer etwas sein. Aber genau deswegen investieren wir massiv in mehr Ersatzteile, in die Aufstockung unserer Technik und natürlich auch in die Vorhaltung von entsprechenden Ersatzkapazitäten. Wir haben zwei Flugzeuge, die wirklich nur als Backup dienen. Bei einer Anzahl von 23 Flugzeugen ist das schon ein hoher Wert.

Gibt es denn Bestrebungen, auch das Triebwerksmuster ihrer Flotte zu vereinheitlichen? Aktuell sind zwei verschiedene Typen im Einsatz.
Wir setzten in Zukunft auf einen Einzeltyp und zwar auf CFM-Triebwerke. Dazu möchte ich noch sagen, dass wir eine klare A320-Einheitsflotte anstreben. Es werden keine A319 oder A321 für Lauda im Einsatz sein. Wir setzen auf A320-Jets und bestuhlen diese mit 180 Plätzen.

Kürzlich hieß es, die österreichische Luftfahrtbehörde Austro Control habe sie unter genaue Beobachtung gestellt.
Wir stehen mit der Austro Control in sehr gutem und regelmäßigen Kontakt. Jede Airline steht unter der Aufsicht einer Behörde. Wir operieren nach den absolut höchsten Sicherheitsbestimmungen, so wie jede andere Airline in der Europäischen Union das auch tut.

Sie haben vorhin erwähnt, im kommenden Jahr mit 38 Maschinen zu operieren. Wann stoßen die ersten Maschinen zur Flotte?
Die nächsten Flugzeuge kommen ab Januar und sollen bis Juni eingeflottet sein. Wir werden mit den Maschinen unser Netzwerk überall weiter ausbauen. Natürlich kommen einige Jets an unsere neue Basis in Zadar, aber auch in Wien stocken wir deutlich auf und zwar von 12 auf 19 Maschinen. Palma stocken wir um sieben weitere Jets auf dann neun Flugzeuge auf.

Im Frühling gab es Gerüchte, dass es neben Düsseldorf und Stuttgart bald noch eine dritte Lauda-Basis in Deutschland geben könnte. Wie ist der Stand?
Wir stehen natürlich mit einigen Airports in engem Austausch, allerdings nicht nur in Deutschland, sondern europaweit. Die Flughäfen sehen natürlich auch, welches Wachstumspotenzial wir haben. Und was ein essentieller Punkt ist, wir halten immer das, was wir ankündigen. Daher gibt es Gespräche und sobald diese abgeschlossen sind, werden wir wieder etwas kommunizieren.

Sie müssen ja nicht sagen in welcher Stadt, aber wird es 2020 eine dritte Lauda-Basis in Deutschland geben.
Wir sind in Gesprächen, aber es gibt noch nichts Konkretes. Wir freuen uns auf 2020. Erstmal eröffnen wir im März unsere Basis in Zadar.

Herr Gruber, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Von: br

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