Die Luftverkehrsbranche könnte gezwungen sein, ihre Kapazitäten weiter zu kürzen, wenn die erhöhten Treibstoffpreise bis 2027 anhalten. Das sagte Latam-Airlines-Chef Roberto Alvo am Rande der IATA-Jahreshauptversammlung in Rio de Janeiro gegenüber "Reuters".
"Wenn sich das länger hinzieht, denke ich, dass die Branche die Kapazitäten weiter anpassen muss", sagte Alvo. "Das ist letztlich der einzige Weg, das Gleichgewicht in der Branche wiederherzustellen."
Airlines mit soliden Bilanzen und einem höheren Anteil an Premiumreisenden seien besser aufgestellt, den Treibstoffschock zu absorbieren, sagte Alvo. Carrier mit schwächeren Finanzen oder einer stärkeren Abhängigkeit von besonders preissensiblen Kunden – etwa Ultrabudgetairlines – stünden vor größeren Herausforderungen.
Steigende Finanzierungskosten
Die höheren Treibstoffkosten schlagen sich bereits in den Anleihekursen börsennotierter Airlines nieder, da Investoren auf den Treibstoffschock reagieren, sagte Alvo. Halte der Effekt des Iran-Kriegs länger an, werde sich die Lage nicht verbessern.
Latams Treibstoffabsicherungen schützen die Airline nicht vollständig, da die aktuellen Preise über dem durch diese Kontrakte abgesicherten Bereich liegen. Hedging könne Margen im Zeitverlauf glätten, einen plötzlichen Treibstoffpreisanstieg aber nicht vollständig abfedern, erklärte er.
Lieferketten bleiben ein Problem
Alvo erwartet, dass Probleme in der Flugzeug- und Triebwerkslieferkette noch zwei bis drei Jahre eine Herausforderung bleiben und Airlines dazu zwingen werden, ältere Maschinen länger im Betrieb zu halten.
Hersteller und Triebwerksproduzenten hätten ihre Zusagen nicht erfüllt, sagte er. Gleichzeitig hätten Triebwerkshersteller durch Engpässe Preissetzungsmacht gewonnen, während Airlines die Kosten durch verzögerte Flugzeug- und Triebwerkslieferungen selbst tragen müssten.
"Wir sitzen auf bezahlten Bestellungen, auf die wir noch immer warten – und tragen die Kosten dafür allein", sagte Alvo.