Kurz vor Fristende: Mehrheitsaktionär von Avianca will Alitalia

Im seit 2017 andauernden Poker um die marode italienische Airline Alitalia sind wieder neue Namen möglicher Investoren aufgetaucht. Am 15. Juli läuft mal wieder eine Angebotsfrist ab. Diesmal soll es definitiv die letzte sein.

Flugbegleiterinnen der Alitalia. © Telenews

Nachdem die italienische Regierung die Frist zur Einreichung eines verbindlichen Angebots zur Teilübernahme von Alitalia um einen Monat bis zum 15. Juli verlängert hat, scheint die Zahl der möglichen Investoren auf den letzten Metern noch einmal zu wachsen.

So soll der südamerikansiche Milliardär German Efromovich, Mehrheitsaktionär von Kolumbiens Fluggesellschaft Aviancan, erklärt haben, die marode Airline retten zu wollen. Im Raum steht der Erwerb von 30 Prozent der Anteile an einer sanierten Alitalia. Das berichtet die österreichische Nachrichtenagentur Apa

„Wir wollen uns an der Alitalia-Verwaltung beteiligen, um die Airline umstrukturieren“, sagte der Unternehmer im Interview mit der Wirtschaftszeitung „Sole 24 Ore”. Eine Beteiligung von 30 Prozent an Alitalia würde Efromovich zunächst jedoch mindestens 240 Millionen Euro kosten, so die Mailänder Zeitung.

Mögliche Investoren beanspruchen Chef-Posten

Efromovich verband seinen Vorstoß auch mit der Forderung, der CEO der neuen Alitalia zu werden. Zur Begründung verwies er auf seine Ergebnisse als Vorstandsvorsitzender der kolumbianischen Airline Avianca. Dort musste er jedoch seinen Posten auf Druck von United Airlines im Frühjahr räumen, nachdem Kredite nicht bedient wurden.

Neben Efremovich hatte zuletzt auch der römische Unternehmer Claudio Lotito, Eigentümer des Fußballklubs Lazio Rom, sein Interesse für einen Einstieg bei Alitalia bekundet. Er wird in italienischen Medien mit dem Satz zitiert: "Wenn ich EUR 300 Mio. bezahle und Delta EUR 100 Mio., ist klar, dass ich das Sagen habe".

© AirTeamImages.com, Daryl Chapman Lesen Sie auch: Alitalia-Zukunft erneut bis Juni vertragt

Die italienische Regierung versucht sich seit anderthalb Jahren an der Rettung der größten Fluggesellschaft des Landes mit derzeit noch rund 11.600 Beschäftigten auf die Fahnen geschrieben. Gesucht werden investoren, die bereit sind zwischen 15 und 30 Prozent an der Fluglinie zu übernehmen.

Als sicherer Investor gilt die staatliche Eisenbahngesellschaft Ferrovie dello Stato (FS), die auch die informelle Führung des Konsortiums übernehmen soll. Dort wollte man zuletzt jedoch noch an den Details der Übernahme arbeiten. Und auch US-Airline Delta wird wohl einsteigen. Auch die Familiendynastien Toto und Benetton werden immer noch als Kandidaten genannt, wobei Benetton das Interesse dementiert.

Lufthansa hat von einem Einstieg zuletzt Abstand genommen. Interesse habe man nur an einer restrukturierten Alitalia ohne Staatsbeteiligung, heißt es aus dem Konzern.

© epa ansa Telenews/ANSA/dpa, Lesen Sie auch: Immer neue Namen im Sanierungskrimi um Alitalia

Von: dk

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