Medien: Lufthansa will Delta offenbar bei Alitalia-Einstieg überbieten

Lufthansa ist offenbar bereit, einen "beträchtlichen Betrag" in Alitalia zu investieren. Damit werden die Karten um Alitalia neu gemischt. Lufthansa fordert offenbar die Ausarbeitung eines Geschäftsplans, der weiteren Stellenabbau und eine reduzierte Flotte vorsieht.

Ein Flugzeug der Lufthansa. © AirTeamImages (Montage: airliners.de) / Mario Aurich

Lufthansa zeigt verstärktes Interesse an einem Einstieg bei Alitalia. Das berichten verschiedene italienische Medien. Die Tageszeitung "La Republicca" zitiert aus einer E-Mail, die das Lufthansa-Management am 29. Oktober dem italienischen Wirtschaftsminister und der Eisenbahngesellschaft Ferro vie dello Stato geschickt habe.

Darin heißt es, dass der Konzern bereit sei "einen höheren Betrag als den von anderen möglichen Partnern vorgeschlagenen" in Alitalia zu investieren. Laut "Reuters" soll die Summe zwischen 150 und 200 Millionen Euro liegen.

Konkurrentin Delta Air Lines erklärte in der Vergangenheit, für zehn Prozent der Anteile etwa 125 Millionen Euro bezahlen zu wollen. Mit einem Einstieg von Lufthansa würden die Karten im Alitalia-Deal neu gemischt.

Frankfurt fordert Geschäftsplan

In Frankfurt knüpft man die Investition allerdings an zahlreiche Bedingungen. So fordert Lufthansa in der E-Mail unter anderem: eine deutliche Senkung der Kosten für Flugzeuge und Besatzungen, eine marktgerechte Anpassung der Flotte und des Netzwerks, eine Steigerung der Produktivität sowie eine vorherige Vereinbarung des Plans mit den Gewerkschaften.

Die Zeitung "Corriere della Serra" beruft sich auf interne Quellen und nennt konkrete Zahlen. Demnach fordert Lufthansa den Abbau von rund 4000 Stellen. Der Flugzeugbestand soll von aktuell rund 116 Maschinen auf 90 bis 100 verringert werden. Konkret geht es um die Ausflottung von 15 Embraer-Jets, fünf älteren Airbus A321 und einer Boeing 777.

Damit wären die Einstiegskriterien zwar immer noch hoch, aber nicht mehr ganz so stark wie in der Vergangenheit. Damals forderte der Konzern immer den Abbau von gut 6000 der rund 11.000 Arbeitsplätze. Auch die Flotte sollte in der Vergangenheit deutlicher auf rund 75 Maschinen schrumpfen.

Lufthansa will offenbar doch "Mehrheitsaktionär" werden

Darüber hinaus heißt es in der E-Mail, dass Lufthansa zunächst eine Geschäftspartnerschaft anstreben würde. Später würde der Konzern dann verstärkt in das Unternehmen investieren, um zusammen mit Atlantia "Mehrheitsaktionär" zu werden. Das war auch in der Vergangenheit immer Ziel des Konzerns.

Ein Lufthansa-Sprecher wollte die Spekulationen nicht kommentieren und verwies darauf, dass das Unternehmen seit langem die große Bedeutung des italienischen Marktes für die Lufthansa hervorhebe und auch stets Interesse an einer restrukturierten Alitalia bekundet habe.

Die italienische Regierung hatte Ende Oktober die Frist für eine Übernahme der angeschlagenen Alitalia abermals verlängert. Die Investoren sollen nun bis zum 21. November ein verbindliches Angebot auf den Tisch legen.

Von: br

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