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Die untergehende Sonne ist hinter einer Passagiermaschine im Anflug zu sehen. © dpa / Boris Roessler

Im vergangenen Jahr hatte die Europäische Union die halbe Welt gegen sich aufgebracht. Die EU wollte Fluggesellschaften für die klimaschädlichen Abgase ihrer Maschinen zahlen lassen. Doch sie erntete so heftigen Gegenwind, dass sie letztlich zurückwich - der sogenannte Emissionshandel für die Luftfahrt wurde im April dieses Jahres weitgehend ausgesetzt. Allerdings knüpfte die EU dies an eine entscheidende Bedingung: Für das Abgas-Problem müsse eine Lösung gefunden werden. Das soll auf einer internationalen Konferenz geschehen, die nächste Woche in Kanada beginnt.

In Montréal treffen sich ab dem morgigen Dienstag, 24. September, die Mitglieder der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation ICAO. Dann sitzen die Europäer ihren Gegnern im Streit um den Emissionshandel gegenüber: die USA etwa, China, Indien und Russland.

Erheblicher wirtschaftspolitischer Druck auf die EU

Die Gegner hatten heftigen Widerstand gegen den Luftfahrt-Emissionshandel geleistet. Die Chinesen etwa, warnte der europäische Flugzeugbauer Airbus im vergangenen Jahr, wollten Vergeltung üben und Aufträge für Airbus-Maschinen absagen. Die damalige US-Außenministerin Hillary Clinton warnte die EU vor "angemessenen Maßnahmen" der Vereinigten Staaten. Auch in diesen Tagen noch "wird erheblicher wirtschaftspolitischer Druck auf die EU ausgeübt", sagt Martin Kreeb, Professor für Umweltmanagement der Universität Hohenheim.

Nach dem Willen der EU sollten die Airlines genau das tun, wozu Industrie und Energiebranche schon seit 2005 verpflichtet sind: mit Emissionszertifikaten für ihre Abgase zahlen. Der Emissionshandel ist ein Vorzeigeprojekt, weil er Umweltschutz mit Marktwirtschaft verbindet. Die Zertifikate werden gehandelt. So kann jedes Unternehmen überlegen, ob es preiswerter ist, beispielsweise die Abgase durch neue Technik zu mindern oder lieber Zertifikate zuzukaufen.

Kompromissvorschlag liegt auf dem Verhandlungstisch

Die Crux beim Luftfahrt-Emissionshandel: Bezahlt werden sollten auch Abgase außerhalb der EU, zum Beispiel die Strecke über dem Meer bei einem Transatlantikflug. Das wollten sich die Gegner nicht bieten lassen. Jetzt liegt in Montréal ein Kompromissplan auf dem Tisch. Danach dürften die Europäer ihren Emissionshandel in abgespeckter Version weiterführen. Und zugleich würde ein globales Abkommen vorbereitet, das ab 2020 Flüge auf der ganzen Welt umfassen soll.

"Ich gehe davon aus, dass das bestätigt wird", sagt der Experte Gerd Pontius von der Luftfahrt-Beratungsfirma Prologis in Hamburg. Allerdings erwartet Pontius von der Einigung auf ein künftiges globales Abkommen nur, dass "alle Gesichter gewahrt werden". Ähnlich sieht es Greenpeace. Ein echter Klimapakt werde in Montréal bestimmt nicht herauskommen, befürchtet die Umweltorganisation.

Auch der CDU-Umweltpolitiker Peter Liese glaubt nicht an den großen Wurf, was das globale Abkommen angeht. Dennoch findet er es höchst wichtig, dass China und Co. wenigstens das EU-System in der abgespeckten Version akzeptieren. Alle Airlines müssten dann für jede Tonne Klimagas zahlen, die sie über dem EU-Territorium ausstoßen - auch solche aus Nicht-EU-Ländern.

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Kosten pro Passagier halten sich in Grenzen

Die Kosten pro Passagier halten sich laut EU-Kommission ohnehin in Grenzen: 70 bis 80 Cent wären es für einen Flug nach Rom, so eine aktuelle Schätzung der Kommission. Allerdings machen die Unternehmen zum Teil andere Rechnungen auf. Und europäische Airlines klagen über Wettbewerbsnachteile: "Eine weltweit gültige Regelung ist zwingend notwendig, um einen Flickenteppich (...) zur Reduzierung der CO2-Emissionen zu verhindern", heißt es in einem aktuellen Lufthansa-Papier.

Möglicherweise können sich die Streithähne in Montréal überhaupt nicht einigen. Dann sollte die EU ihr System wie ursprünglich geplant durchziehen, meint CDU-Mann Liese aus dem Europaparlament. Aber er macht sich für den Fall wieder auf heftigen Gegenwind gefasst. "Dann wird's krachen."