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Ein Flugzeug mit Kondensstreifen. © AirTeamImages.com / Alexander Mishin

Leipziger Wissenschaftler haben zusammen mit Forschern des Imperial College London und des Instituts Pierre-Simon Laplace Paris während des weltweiten Corona-Lockdowns zwischen März und Mai 2020 die Auswirkungen des reduzierten Flugverkehrs auf das Klima erforscht.

Ihre Studie belege "eindeutig, dass die durch Flugzeuge verursachten Kondensstreifen zu zusätzlichen Zirruswolken führen und Einfluss auf die Erderwärmung haben", sagte Johannes Quaas, Professor für Theoretische Meteorologie der Universität Leipzig.

"Die Auswertung der erhobenen Daten zeigt, dass während des weltweiten Lockdowns neun Prozent weniger Zirruswolken entstanden, die noch dazu zwei Prozent weniger dicht waren", sagte Quaas. Der weltweite Luftverkehr lag zu dieser Zeit bei durchschnittlich Minus 80 bis 90 Prozent.

Weniger Einfluss als modellbasierte Schätzungen

Die Veränderung der Zirren zeigte der Untersuchung zufolge aber einen geringeren Einfluss der Zirren auf den sogenannten Netto-Strahlungsantrieb, als bislang angenommen, heißt es in der Ausführung. "Unsere Schätzung des Netto-Strahlungsantriebs (...) ist etwas niedriger als die Schätzung (...), die der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen im fünften Sachstandsbericht für das Jahr 2011 angegeben hat". Die Ergebnisse seien zudem wesentlich niedriger als modellbasierten Schätzungen, die andere Forscher zuvor vorgenommen hätten.

Das Ausmaß des Klimaeffekts bliebe somit weiter ungewiss, schreiben die Forscher in ihrer Veröffentlichung. Die sehr starke, nahezu globale Reduzierung des Flugverkehrs als Reaktion durch die Corona-Pandemie habe aber eine "beispiellose Gelegenheit gegeben, den anthropogenen Beitrag zur beobachteten Zirrusbedeckung und -dicke zu identifizieren" .

Die Studie kann laut Quaas helfen, die Simulation dieser Effekte in Klimamodellen zu verbessern. Unter Beteiligung seines Teams würden die Auswirkungen des Flugverkehrs auf die Erderwärmung derzeit in europäischer Kooperation erforscht. "Um den erwärmenden Effekt auf das Klima zu lindern oder gar zu vermeiden, könnten Flugrouten in Zukunft so angepasst werden, dass eine Zirruswolkenbildung vermieden wird, beispielsweise durch eine Entzerrung der Flugkorridore."

Wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt bereits erhoben hat, beträgt der CO2-Anteil der globalen Luftfahrt rund 3,5 Prozent der menschengemachten Klimaerwärmung. Rund 1,5 Prozent entfallen dabei auf direkte CO2-Emissionen, der Rest auf sogenannte Nicht-CO2-Effekte. Kondensstreifen-Zirren gelten gemeinhin als bedeutendster Faktor der sogenannten Nicht-CO2-Effekte in Sachen Klimawirkung des Fliegens.

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