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Kommentar Die Quadratur des Kreises der Lufthansa-Strategie

Lufthansa-Chef Spohr gibt sich trotz dem Rekordminus zuversichtlich und will mit Urlaubsflügen aus der Krise fliegen. Lufthansa ist in dem Sektor gegen Ryanair und Co jedoch kaum konkurrenzfähig, kommentiert Lisa Schmelzer von der Börsen Zeitung.

Lufthansa-Flugzeuge im Corona-Storage am Flughafen Berlin. © AirTeamImages.com / Markus Mainka

Die Lufthansa hat im vergangenen Jahr Verluste von 6,7 Milliarden Euro angehäuft und verbrennt nach wie vor jeden Tag 10 Millionen Euro. Und dennoch ist Konzernchef Carsten Spohr zuversichtlich. Denn die Impfungen gegen Covid-19 werden zusammen mit einer ausgeweiteten Teststrategie ab Sommer vermutlich zu einer anziehenden Nachfrage führen.

Das gilt sicher für Urlaubsflüge, doch die Entwicklung im Geschäftsreisendensegment ist nach wie vor mit vielen Fragezeichen versehen. Der Reisemanagement-Verband VDR schätzt, dass das Geschäftsreisenvolumen allein schon deshalb um rund 25 Prozent sinken dürfte, weil sich Videokonferenzen in der Krise bewährt haben. Lufthansa rechnet ebenfalls mit einer rückläufigen Entwicklung und setzt deshalb verstärkt auf Privatreisende - und das nicht erst seit der Coronavirus-Pandemie.

Während sich allerdings bei Geschäftsreisenden mit besonderem Service oder einer hohen Konnektivität punkten lässt, schauen Urlauber vor allem auf den Preis. In diesem Segment konkurriert Lufthansa aber mit Anbietern, die ihre Kostenstrukturen über Jahre auf schlank getrimmt haben. Auf den Kurz- und Mittelstrecken sind Billiganbieter wie Ryanair unterwegs, mit deren Aufwandspositionen die deutsche Netzwerk-Airline kaum mithalten kann.

Auch Wettbewerber Condor hat die Kosten im Zuge des Schutzschirmverfahrens noch einmal nach unten geregelt. Derweil hat Lufthansa hier noch enormen Nachholbedarf. Mit den Piloten etwa, die für einen gewichtigen Kostenblock stehen, wurde noch keine langfristige Einigung erzielt.

Eurowings Discover ist ein Tropen auf den heißen Stein

Bei den Verhandlungen verhaken sich die Parteien vielmehr unter anderem an dem neuen Lufthansa-Ableger "Eurowings Discover", der ab 1. Juni Urlaubsflüge zu günstigeren Kosten anbieten soll. Dabei geht es zunächst um drei Flugzeuge ab Frankfurt, im Winter sollen vier weitere dazukommen. Bei einer Gesamtflotte von 800 Maschinen vor der Krise echte "Peanuts", um die aber auf Biegen und Brechen gerungen wird.

Zu den mit Geschäftsreisen erzielten Renditen schweigt die Lufthansa. Indes warf dieses Segment in Vor-Corona-Zeiten bei einem Passagieranteil von unter 30 Prozent fast 45 Prozent der Umsätze ab, auch weil häufig Business- oder First Class gebucht wurde. Diese Flugklassen werden nun eingedampft, da scheint Renditenschwund programmiert.

Die Rückkehr zum Vorkrisen-Ergebnisniveau bei anhaltendem Druck auf die Preise und im Vergleich zu den Wettbewerbern nach wie vor hohen Kosten - das Lufthansa-Management hat sich womöglich die Quadratur des Kreises vorgenommen.

Von: Lisa Schmelzer

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