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Annalena Baerbock, Bündnis 90/Die Grünen, MdB, (links), und Stephan Bischoff, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, (rechts) © Deutscher Bundestag / Marc-Steffen Unger

Trotz der wichtigen politischen Entscheidung im Herbst ist der Deutsche Aktienindex in Partylaune und erklimmt ein Hoch nach dem anderen. Etliche Analysten erwarten, dass der Dax weiter zulegt. So hat Christian Kahler von der DZ Bank gerade seine Dax-Prognose per Mitte 2022 auf 16.500 Punkte angehoben; dass die Aktienmärkte auch 2022 steigen können, hat nach Ansicht des Strategen vor allem einen Grund: "steigende Unternehmensgewinne".

Und die UBS empfiehlt Aktieninvestoren als Ergebnis einer umfassenden 42-seitigen Studie zur deutschen Bundestagswahl: "Stay overweight Germany". Denn Deutschland habe das größte Exposure zu derzeit von den UBS-Analysten favorisierten Themen: zyklische Ausrichtung, Value und Autos.

Wie kann das sein? Spielen Bundestagswahlen inzwischen für Investoren überhaupt keine Rolle mehr? Nein, das Gegenteil ist der Fall. In Deutschland haben die politischen Grundentscheidungen das Abschneiden des Aktienmarktes stets maßgeblich beeinflusst. Politik hat sozusagen für den Dax sehr lange Beine, und keine kurzen.

So hat die marktwirtschaftliche Ausrichtung unter Kanzler Konrad Adenauer und Wirtschaftsminister Ludwig Erhard dafür gesorgt, dass die deutsche Wirtschaft prosperierte und heimische Aktien überdurchschnittlich zulegten. Verluste gab es hingegen durch die Wirtschaftspolitik unter Kanzler Willy Brandt. Unter Helmut Kohl legte der Dax dank seines marktwirtschaftlichen Kurses knapp 15 Prozent pro Jahr zu. Und unter Gerhard Schröder begannen die Kurse nach oben zu tendieren, nachdem dieser in seiner Agenda 2010 die Marktwirtschaft in den Vordergrund stellte; umgesetzt übrigens mit Regierungsbeteiligung der Grünen. Die Ernte aus Reformen wie Hartz IV konnte dann Merkel in Form eines Rückgangs der Arbeitslosigkeit, wirtschaftlicher Prosperität und steigender Aktienkurse einfahren.

Nur die unwahrscheinliche grün-rot-rote-Regierung würde belasten

Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage würde nun die CDU/CSU unter Kanzlerkandidat Armin Laschet 25 Prozent der Stimmen erhalten, wenn heute schon Bundestagswahl wäre. Knapp dahinter mit 24 Prozent folgen die Grünen mit Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock. FDP und SPD kommen in der Umfrage jeweils auf 14 Prozent der Stimmen, auf die AfD entfallen neun Prozent und auf Die Linke 6 Prozent.

"Eine Grün-rot-rote-Regierung ist derzeit die einzige Regierungskonstellation, die als belastend gesehen wird", sagt DZ-Bank-Stratege Kahler. Doch zeigt allein die aktuelle Umfrage, dass eine neue Bundesregierung unter Beteiligung der als wirtschaftsfeindlich empfundenen Linken sehr unwahrscheinlich ist. Erst einmal muss diese Partei im September die 5-Prozent-Hürde nehmen, und auch dann würde es mit den Grünen und der immer mehr schwächelnden SPD aller Wahrscheinlichkeit nach wohl nicht für eine Mehrheit reichen.

Hinzu kommt, dass die FDP derzeit massiv im Aufwind ist, so dass eine Regierungsbildung ohne FDP oder CDU/CSU derzeit kaum möglich erscheint. Darüber hinaus sind die Grünen unter Annalena Baerbock und Robert Habeck zu einer Partei der bürgerlichen Mitte avanciert. Sie verfolgen einen gänzlich anderen Kurs als die grünen Fundis früherer Tage und wollen weder die Marktwirtschaft noch die Nato abschaffen. Vor diesem Hintergrund hat Baerbock auch keinerlei Interesse, eine Regierungskoalition mit den Linken einzugehen. Dass sich der frühere Siemens-Chef Joe Kaeser gerade für Annalena Baerbock aussprach, zeigt den Wandel auf. Baerbock erinnert Kaeser zudem "sehr an unsere heutige Bundeskanzlerin".

Doch auch wenn Deutschland nach der Wahl, sei es dann unter Kanzler Laschet oder unter Kanzlerin Baerbock, weiter marktwirtschaftlich ausgerichtet bleibt, wird sich einiges ändern. Denn mit der zu erwartenden Regierungsbeteiligung der Grünen rückt die Klimapolitik noch mehr in den Vordergrund. Nach Meinung der UBS dürfte es auch zu Veränderungen am Wohnungsmarkt sowie zu verstärkten Investitionen in Infrastruktur kommen. Positiv wäre dies laut den Analysten des Instituts für Werte wie Infineon, Siemens, Siemens Gamesa, VW und Wacker Chemie. Hingegen könnten Covestro, Lufthansa und Rheinmetall durch die Wahl negativ beeinflusst werden.

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