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Zahlreiche Blumenkränze liegen am 04.07.2002, zwei Tage nach der Flugzeug-Katastrophe am Bodensee, bei Überlingen zum Gedenken an die Opfer neben einem Trümmerteil. © dpa / Stefan Puchner
Das zertrümmerte Heck der Tupolew, die über dem Bodensee mit einer Boeing 757 zusammengestoßen war, auf einer Straße bei Überlingen © dpa / Mario Gaccioli
Trümmerteile werden am 04.07.2002, zwei Tage nach der Flugzeug- Katastrophe am Bodensee, bei Überlingen zum Abtransport vorbereitet. © dpa / Stefan Puchner

Am kommenden Sonntag (1. Juli) jährt sich das Unglück bei Überlingen am Bodensee zum zehnten Mal. 71 Menschen sind bei dem Zusammenstoß einer Tupolew 154 der Bashkirian Airlines mit einer Frachtmaschine vom Typ Boeing 757 der DHL ums Leben gekommen.

Das Unglück - so wird die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) 2004 rund zwei Jahre später in ihrem Abschlussbericht feststellen - geht auf technische Mängel und menschliche Fehler bei der Schweizer Flugsicherung Skyguide zurück. Um 23.30 Uhr fliegen beide Maschinen auf 36.000 Fuß (11.500 Meter) Höhe über dem Boden. Bei Überlingen am Bodensee sollen sie kreuzen - eigentlich Routine.

Zu diesem Zeitpunkt sitzt im Zürcher Kontrollzentrum ein einziger Fluglotse. Er ist allein für den Luftraum über Süddeutschland zuständig, wegen Wartungsarbeiten stehen ihm Radar und Telefon nur eingeschränkt zur Verfügung. Das drohende Unglück bemerkt er erst, als es zu spät ist: Um 23.35 Uhr und 32 Sekunden kollidieren die beiden Flugzeuge. Wrackteile der Flugzeuge stürzen über dem nordwestlichen Bodenseeufer ab, die Trümmer liegen kilometerweit verstreut. Für seinen folgenschweren Fehler wird der Fluglotse später mit dem Leben bezahlen. 2004 ersticht ihn einer der Hinterbliebenen.

Skyguide ist bei Sicherheitsthemen sensibler geworden

Die Schweizer Flugsicherung Skyguide sieht sich zehn Jahre nach dem Flugzeugunglück in ihren Sicherheitsbemühungen besser aufgestellt. «Sicherheitsmanagement und -kultur von Skyguide haben große Fortschritte gemacht und werden laufend weiter verbessert», heißt es bei dem Unternehmen. «Heute kümmern sich rund 40 Mitarbeiter um die Analyse von sicherheitsrelevanten Daten, sie werten alle Vorkommnisse akribisch aus.»

Das Unglück von Überlingen gehöre zur Geschichte von Skyguide, sagte der Sprecher der Schweizer Flugsicherung, Roger Gaberell. «Wir verstehen es als Pflicht, daraus zu lernen und auch als Auftrag, alles zu unternehmen, dass sich ein solcher Unfall nie mehr ereignet.»

Ein «Nullrisiko» werde es aber nie geben, sagte Gaberell. Das zeigen auch zwei Beinahe-Kollisionen in den letzten Jahren – zuletzt kreuzten sich am 8. Juni 2009 wegen eines Fehlers der Schweizer Flugsicherung im Luftraum über Schaffhausen zwei Passagiermaschinen mit einem Höhenunterschied von nur 221 Metern. «Jeder Zwischenfall hat ganz unterschiedliche Ursachen und es wäre fast schon unverantwortlich, anzunehmen, dass in einem so komplexen System wie der Fliegerei keine Fehler vorkommen könnten.» Ziel sei es daher, dass ein Zwischenfall keine dramatischen Konsequenzen hat. «Da sind wir in der Fliegerei entschieden vorangekommen.»

Überlingen-Prozess kann noch Jahre andauern

Das Revisionsverfahren zum Flugzeugunglück bei Überlingen, bei dem es um eine mögliche Haftung der Bundesrepublik geht, kann noch Jahre andauern. «Wir können keinen Zeitrahmen nennen», sagte eine Sprecherin des Oberlandesgerichts Karlsruhe. Die Akten seien im Februar 2011 an einen Sachverständigen weitergeleitet worden, der ein Gutachten erstellen sollte. Gegenstand sei das Verhalten der Flugzeugbesatzung und des Fluglotsen, die Bedeutung des Kollisionswarnsystems und die Frage der Vermeidbarkeit des Unfalls, heißt es beim Gericht. Das Erstellen werde einen «längeren Zeitraum» in Anspruch nehmen.

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Das Landgericht Konstanz hatte in einem Urteil am 27. Juli 2006 der Klage der Bashkirian Airlines gegen die Bundesrepublik stattgegeben.

Es entschied, dass Deutschland für das Unglück haften muss, weil es die Schweizer Flugsicherung Skyguide rechtswidrig mit der Kontrolle des entsprechenden Luftraums beauftragt habe. Deshalb müsse der Bund für Schäden eintreten, die durch Fehler der Schweizer Fluglotsen entstanden sind. Skyguide solche hoheitlichen Aufgaben zu übertragen, verstoße zudem gegen die Verfassung, meinten die Richter. Gegen das Urteil hatte der Bund Revision beim Karlsruher OLG eingelegt. Skyguide gilt als Hauptverursacher der Katastrophe.