Die Klima-Ziele der Airlines hinken denen der Politik hinterher

In regelmäßigen Abständen weisen Klimaschützer darauf hin, dass die CO2-Reduktionsziele im Verkehrsbereich bei weitem nicht ausreichen, um das Zwei-Grad-Ziel bis 2050 zu erreichen. Eine Übersicht der Ankündigungen von Iata und wichtigen europäischen Airlines.

Eurowings-Flugzeug und Solarzellen am Flughafen Stuttgart © Flughafen Stuttgart

Die CO2-Reduktionsziele in Europa orientieren sich grundsätzlich an der Vorgabe des Pariser Klimaabkommens, bis 2050 die Erderwärmung auf bestenfalls 1,5 Grad zu begrenzen ("Zwei-Grad-Ziel") und bis dahin treibhausneutral zu leben und zu wirtschaften. Hierfür soll der gesamte CO2-Ausstoß in Europa bis 2050 um mindestens 80 Prozent unter dem Wert von 1990 liegen. Mit diesen Zielen als maßgeblichen Horizont haben sich die Mitgliedsländer der EU Zwischenziele gesetzt.

Deutschland habe sich gemeinsam mit seinen europäischen Partnern auf ein Verfahren geeinigt, in Europa den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 zu verringern, schreibt die Bundesregierung in ihrem "Klimaschutzprogramm 2030". Die Emissionen des innereuorpäischen Luftverkehrs sollen dabei über den EU-Emissionshandels (EU-ETS) gesteuert werden und bis 2030 um 43 Prozent gegenüber 2005 sinken. Ob der EU-ETS für den Luftverkehr jedoch unter dem bald einzuführenden Corsia-Regime, dem globalen Offsetting-System der UN-Luftfahrtbehörde ICAO, fortgeführt werden kann, ist weiterhin unklar.

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Nur mit Zwang wird es im global umkämpften Luftfahrtmarkt ohnehin nicht gelingen, die Reduktionsziele überall zu erreichen. Nationale Interessen und Schwerpunktsetzungen würden wohl schnell zu massiven Wettbewerbsverzerrungen führen, wie auch der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) nicht müde wird zu betonen.

Umso mehr fordern Wissenschaftler und Klimaschützer ernstzunehmende Eigenanstrengungen der Wirtschaft auch auf freiwilliger Basis, insbesondere von der Luftfahrtbranche, die in aufgeregten Klimadiskussionen gerne als Prügelknabe herhalten muss.

Die meisten Airlines, Flughäfen und Reiseveranstalter reagierten und veröffentlichten eigene Ziele für ihren Beitrag zum Klimaschutz. Doch reichen diese aus, um die staatlich beschlossenen Klimaschutz-Ziele in Deutschland und Europa zu erreichen? Hier ein Blick in die öffentlichen Verlautbarungen.

Iata

Der in Montreal beheimatete internationale Dachverband der Fluggesellschaften hat sich bereits 2009 eine "Emissionsstrategie" im Konsens mit den Mitgliedern auferlegt. Diese sieht ein CO2-neutrales Wachstum des internationalen Flugverkehrs ab 2020 vor und eine Gesamtreduktion der CO2-Emissionen bis 2050 um 50 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2005 vor.

Große Hoffnungen setzt die Iata dabei in das globale Kompensationssystem Corsia, dass nach Beschluss der UN-Luftfahrtorganisation Icao in den kommenden Jahren implementiert werden soll. Die Airlines der Icao-Mitgliedsländer, was so gut wie alle Staaten der Welt sind, sollen dann Projekte finanzieren, mit denen die von ihnen gegenüber dem Basisjahr 2020 zusätzlich ausgestoßenen CO2-Emissionen an anderer Stelle eingespart werden, so soll das CO2-neutrale Wachstum erreicht werden.

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Die Klimaschutz-Ziele der Iata sind also erwartungsgemäß weniger ambitioniert als die der EU und der Bundesrepublik. Ein Punkt, der auch mit Blick auf Corsia Konfliktpotenzial hat. Schon mehren sich auf europäischer Ebene Stimmen, die den beschlossenen Anspruch der Icao, Corsia zum einzigen CO2-Ausgleichssystem für die weltweite Luftfahrt zu machen, nicht hinnehmen wollen, schlicht weil die Ziele zu wenig ambitioniert wären.

Lufthansa

Die Lufthansa Group jedoch scheint sich mit dem Iata-Fahrplan grundsätzlich wohl zu fühlen. Man unterstütze die "anspruchsvollen Ziele" der Iata, teilt der Konzern in seiner "Umweltstrategie" mit.

Im Herbst erklärte der Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr auf dem Iata-Kongress "Wings of Change" in Berlin, dass die Branche ihre Umweltschutzbemühungen offensiver kommunizieren müsse. "Wir sprechen immer nur über die Probleme. Wir sollten uns aber nicht schämen, sondern mit Selbstbewusstsein agieren."

Für Airlines sei es alltäglich, so effizient wie möglich zu operieren, schon allein, weil rund ein Viertel der Kosten auf Kerosin entfallen würden, so der Lufthansa-CEO. Es gebe viele andere Branchen, die in Sachen Effizienzsteigerung weit weniger geleistet hätten und trotzdem in der Allgemeinheit in Sachen Klimaschutz besser beurteilt würden.

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"50 Prozent Reduktion der CO2 Emissionen bis 2050 sind ein großes Ziel für die Luftfahrt, aber wir sollten nicht 30 Jahre warten.", sagte Spohr, der auch im Iata-Vorstand sitzt, den Delegierten aus aller Welt: "Die Menschen erwarten schon heute Taten."

Daher müssten Fluggesellschaften weiter an ihrer Effizienz arbeiten, so Spohr. Wichtig seien dafür aber auch Rahmenbedingungen wie eine effizientere Organisation von Flugsicherung, die Entwicklung neuer Technologien für Flugzeuge sowie synthetische Treibstoffe und die möglichst breite Umsetzung von Corsia.

Ryanair

Auch Ryanair bekennt sich einerseits zu den Vereinbarungen der Branche: "Wir befürworten das IATA-Ziel, uns bis zum Jahr 2050 uns für einen Luftverkehrssektor einzusetzen, der im Vergleich zu 2005 netto 50 Prozent weniger CO2 ausstößt." Als Fluggesellschaft wolle man seinen Teil beitragen, den Treibstoffverbrauch der Flotte weiter zu reduzieren.

Helfen sollen dabei in diesem Jahrzehnt die großflächige Einflottung der 737 Max und weitere Effizienzsteigerungen, etwa durch eine weitergehende Erhöhung der Auslastung und die Aufrechterhaltung des Direktflug-Netzwerkes.

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Ryanair hat sich im Einklang mit der EU auch ein Emissions-Zwischenziel für 2030 gesetzt. Dieses bezieht sich nicht auf eine absolute Emissionsmenge, sondern auf eine Minderung pro Passagierkilometer. In zehn Jahren wollen die Iren nicht mehr als 60 Gramm CO2 pro Passagierkilometer emittieren. Dies würde eine Reduktion von 10 Prozent gegenüber dem heutigen Wert bedeuten. Damit würde Ryanair auch die 43-Prozent-Reduktion gegenüber 2005 schaffen,d ie der EU-ETS vorsieht.

Ryanair bezeichnet sich bereits jetzt als "grünste" Airline Europas. Man emittiere schon jetzt 23 Prozent weniger CO2, wiederum pro Passagierkilometer, als der Durchschnitt der vier größten europäischen Konkurrenten.

Easyjet

Einen anderen Ansatz, mit der Emissionsproblematik umzugehen, verfolgt Easyjet. Die Low-Cost-Airline berichtet allgemein, dass man die eigenen CO2-Emissionen seit 1990 um mehr als ein Drittel gesenkt hätte. Diesen Weg wolle man forstetzen, ein Bekenntnis zu konkreten Emissionsmengen gibt man jedoch nicht ab.

Stattdessen will die Airline seit neuestem sämtliche CO2-Emissionen ihrer Flüge kompensieren. "Wir sind die einzige große Fluggesellschaft, die auf allen Flügen im In- und Ausland die CO2-Emissionen aus dem von ihr verbrauchten Treibstoff ausgleicht," verkündet Easyjet.

© AirTeamImages.com, Matthieu Douhaire Lesen Sie auch: Easyjet wehrt sich gegen Greenwashing-Vorwürfe

Um das zu schaffen sollen Aufforstungs- und Walderhaltungsprojekte rund um den Globus gefördert werden, genauso wie erneuerbare Energien. Zudem sollen Menschen in Entwicklungsländern darin unterstützt werden, ihre Emissionen zu reduzieren.

Dies alles seien jedoch nur vorläufige Maßnahmen, bis sich Easyjets langfristige Pläne für Hybrid- und Elektroflugzeuge verwirklichen ließen. Als einzige große Airline glaubt Easyjet weiterhin fest an den Durchbruch des elektrischen Fliegens und fördert entsprechende Start-Ups. Auch eine eigenes Elektroflug-Projekt mit Airbus wurde angekündigt.

Air France-KLM

Die beiden großen Airlines der Gruppe bekennen sich ebenfalls zu den Iata-Zielen. Ein wichtiger Zwischenschritt war für beide ihre Emissionen zwischen 2011 und 2020 um 20 Prozent zu reduzieren, was ausweislich der Zahlen von 2019 annährend gelungen sein sollte. Bis 2030 will KLM den CO2-Ausstoß um weitere 15 Prozent gegenüber 2005 reduzieren, was wesentlich weniger wäre als die Ziele des EU-ETS vorsehen.

Air France wiederum kündigte im Herbst 2019 an, ab dem 1.1.2020 sämtliche CO2-Emissionen von Inlandsflügen selbständig zu kompensieren. Ähnlich wie Easyjet sollen weltweit Projekte gefördert werden, die Emissionen im gleichen Umfang wie der Ausstoß der Inlandsflüge einsparen.

IAG

Die Konzernmutter von British Airways und Iberia setzt einerseits auf das CO2-neutrale Wachstum ab 2020, dass die Iata mit Corsia anstrebt und bekennt sich ebenso zum 50-Prozent-Ziel für 2050. Darüberhinaus fordert IAG die Politik auf, ein Null-Emissionen-Ziel für 2050 auch für die Luftfahrt festzuschreiben.

Für British Airways ein untrügliches Zeichen, dass man auf dem Weg sei, "die nachhaltigste Airline-Gruppe der Welt zu werden." Man werden in den kommenden Jahren neue, effiziente Flugzeuge für 6,5 Milliarden Euro einflotten und habe eine führende Rolle beim Design von Corsia gespielt. Auch British Airways will künftig sämtliche Emissionen ihrer Inlandsflüge, deren Gesamtzahl in Relation zum ganzen Netzwerk recht gering ist, selbständig kompensieren.

© Adobe Stock Nr.: 256231884, Lesen Sie auch: "Fuel Tankering" schadet der Umwelt, aber nicht dem Geldbeutel Hintergrund

Von: dk

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