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Luftfahrtjournalist und Vielflieger Andreas Spaeth mit Beobachtungen und Erlebnissen aus der weiten Welt der Luftfahrt. © airliners.de

Der Brief datiert vom Oktober 1989, und er kam aus dem Europa-Center mitten in West-Berlin, abgeschickt ziemlich genau einen Monat vor dem Mauerfall. Geschrieben hat ihn der ehemalige PR-Europadirektor von Pan American World Airways, besser bekannt als Pan Am. Empfänger war ich, damals Student und dabei, meine ersten Gehversuche als Luftfahrtjournalist zu machen. Der Brief war ein Meilenstein, darum habe ich ihn aufgehoben. Er enthielt nämlich mein erstes Freiticket als berichtender Journalist, und zwar nach New York. Dazu schrieb mir die amerikanische Fluggesellschaft: „Pan Am erwartet, dass Sie in korrekter Kleidung – Herren mit Sakko und Krawatte, Damen in Kostüm oder Rock und Bluse – zum Flug einchecken. In Jeans oder ähnlich salopper Kleidung einschließlich Turnschuhen, können Sie mit diesem Freiflugschein nicht in Erster oder Clipper Klasse reisen.“

Natürlich wollte ich nicht gern in der Holzklasse landen, also staffierte ich mich aus, so gut es meine bescheidenen studentischen Mittel zuließen. Ich schälte mich in mein Jahre altes Konfirmationsjackett und ließ meinen Vater mir eine Krawatte vorbinden – ich selbst kann das bis heute nicht und brauche es auch zum Glück äußerst selten.

So also begab ich mich zum Flughafen und saß im Airbus A310 nach JFK tatsächlich in der Clipper Klasse, die heute Business heißen würde. Allerdings kam ich mir dort ziemlich dämlich, weil verkleidet vor. Gerade die amerikanischen Passagiere liefen trotz Spätherbstes in Shorts oder Jogginghosen auf, ich war offensichtlich ein Fremdkörper. Das bestätigte sich gleich mit der ersten Frage, die mir die Stewardess (die hießen damals noch so) stellte: „Are you working for Pan Am?“ Das war mir nun richtig peinlich. „Nicht wirklich“, stammelte ich und versuchte, mir unauffällig die Krawatte abzunehmen.

Genützt hat Pan Am die damals schon antiquierte Kleiderordnung nicht viel, denn die Zeit war offensichtlich schon Ende der achtziger Jahre darüber hinweg gegangen. Nirgendwo in den Kabinen sah es mehr so aus wie auf den Werbefotos der Airlines seit den 1930er Jahren, wo die Passagiere stets dasaßen wie heute im besten Fall eine Hochzeitsgesellschaft. Und gut zwei Jahre später war Pan Am pleite – was sich in wenigen Wochen zum 20. Mal jährt.

Heute muss Kleidung beim Fliegen vor allem bequem und praktisch sein – zumal Reiseprofis oft nur mit Handgepäck unterwegs sind. Auf Langstrecken sind selbst in Business Class Anzug und Krawatte die absolute Ausnahme und sogar in First findet man sie eher selten. Die Klage über in Shorts, T-Shirt oder Bikini und Flip Flops reisende Zeitgenossen sind von Flugbegleitern wie Vielfliegern seit langem zu hören, die darin manchmal einen Verfall der Sitten sehen wollen.

Immer wieder gibt es Skandale um das Thema Kleidung an Bord. Besonders kurios war der von Kyla Ebbert, einer jungen blonden Texanerin, der 2007 von Southwest Airlines der Mitflug verwehrt wurde, weil ihre nackte Haut angeblich zu knapp bedeckt war. Und das ausgerechnet bei jenem Billigflieger, der 35 Jahre zuvor seine Stewardessen in heiße Stiefel und Hotpants gesteckt hatte und sich aus heutiger Sicht grob sexistischer Marketing-Methoden bedient hatte. Kyla Ebbert jedenfalls nutzte ihre plötzliche Bekanntheit für erotische Fotos im „Playboy“. Solche Ehren wurden dem Sänger der Band „Green Day“ nicht zuteil, der erst vor wenigen Tagen von Southwest des Fliegers verwiesen wurde – Grund: seine angeblich „zu tief sitzende Hose.“

Der Inhaber des Erfurter Reisebüros OssiUrlaub dagegen landete einen Flop, als er sich 2008 mit dem ersten FKK-Flug in der Luftfahrtgeschichte verewigen wollte. Der sollte zwischen Erfurt und Usedom verkehren (Ausziehen nur während des Fluges!) – doch die Fluggesellschaft OLT bekam kalte Füße und verweigerte schließlich das Verchartern ihres Flugzeugs. Nachdem die Regionallinie jetzt vor der Pleite steht, sollte man sich dort nochmal überlegen, ob das nicht doch eine lukrative Marktnische sein könnte, das Fliegen von Passagieren ohne Kleidung.

Doch selbst bei den Royals ist die Kleiderordnung im Flugzeug nicht mehr, was sie mal war. Der erste Staatsbesuch von William und Kate nach ihrer Hochzeit führte sie kürzlich nach Kanada. Die Langstrecke flog das britische Thronfolgerpaar per Linie mit British Airways. Mitreisende berichteten, wie „herrlich normal“ beide doch seien: Nach dem Start waren sie in die bereitgehaltenen Pyjamas geschlüpft. „Shocking“ fand das niemand, die Zeiten haben sich eben geändert seit Pan Am.

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