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Tuifly bricht Corona-Tarifgespräche mit Piloten ab

Tuifly will aufgrund der Corona-Pandemie die Flotte halbieren. Arbeitgeber und die Vereinigung Cockpit verhandeln seit Wochen über Zukunftsperspektiven für die Piloten. Nun hat die Airline die Gespräche ergebnislos abgebrochen.

Eine Boeing 737-800 der Fluggesellschaft TuiFly am Flughafen Hannover. © dpa / Julian Stratenschulte

Tuifly hat die Gespräche mit der zuständigen Tarifkommission der Vereinigung Cockpit (VC) ergebnislos abgebrochen. Das geht sowohl aus einem Schreiben von Tuifly-Chef Oliver Lackmann an die Belegschaft als auch aus einem Brief der Pilotengewerkschaft an ihre Mitglieder hervor. Beide Schreiben liegen airliners.de vor. Nach airliners.de-Informationen beschäftigt Tuifly rund 520 Piloten.

Nach einigen Zugeständnissen auf beiden Seiten sind die Verhandlungen letztlich an der Forderung der Piloten gescheitert, beim Abbau der Stellen auf Fluktuation zu setzen. "Der entscheidende Punkt, der schließlich zum Abbruch der Gespräche führen musste, ist die Weigerung der Tarifkommission Cockpit, zu akzeptieren, dass nicht auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet werden kann", bestätigte ein Tuifly-Sprecher auf Anfrage von airliners.de.

Bei Tuifly könne man zwar den Ansatz der Gewerkschaft verstehen, allerdings lasse sich diese Forderung vor dem Hintergrund der notwendigen Flottenreduzierung und der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens nicht erfüllen, heißt es in dem Schreiben der Airline an die Mitarbeiter.

Der Ferienflieger hatte Anfang Juni mitgeteilt, aufgrund der Corona-Pandemie künftig nur noch 17 eigene Flugzeuge zu bereedern. Vor der Pandemie bestand die Flotte aus rund 40 Maschinen.

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Gewerkschaft mit Zugeständnissen

Die Gewerkschaft betont, dass man sich in den vergangenen Wochen stark auf die Geschäftsleitung zubewegt habe. Neben einer "unkomplizierten" Verlängerung des "Tarifvertrags Corona", habe man auch weitere Zugeständnisse bei Ruhezeiten, Blocktage-Regelungen und weiteren produktionssteigernden Maßnahmen gemacht. Man sei auch zu einem weiteren Entgegenkommen bereit gewesen, allerdings nur, wenn Tuifly im Gegenzug auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet hätte.

Laut dem Gewerkschaftsschreiben hätte sich Tuifly sogar auf den Erhalt einer größeren Flotte eingelassen, allerdings nur unter der "bedingungslosen Erfüllung all ihrer Forderungen". Das wäre mit einer Veränderung für alle geltenden Tarifverträge einhergegangen und hätte zu einer starken Absenkung der Gehaltsstrukturen geführt.

Besonders schwer hätten hier die vom Arbeitgeber geäußerten Forderungen zur Absenkung Altersversorgung und Übergangsversorgung gewogen. Hier entstehen laut Gewerkschaft Versorgungslücken großen Ausmaßes. "Diejenigen, die gehen müssten, wäre doppelt gekniffen", hieß es.

Zudem stoßen sich die Piloten an den langen Laufzeiten. Erst 2026 hätte man wieder neu verhandeln können. In dem Tuifly-Schreiben heißt es dazu, dass dieser zeitliche Rahmen nötig gewesen wäre, um die Bedingungen nachhaltig wettbewerbsfähig gestalten zu können. Außerdem würden "alle Wettbewerber die Arbeits- und Vergütungsbedingungen in diesen schweren Zeiten" anpassen.

Gewerkschaft fordert neues Setting

Die VC bewertet den Abbruch der Gespräche als "unverantwortlich" und fordert eine Änderung des "Gesprächs-Settings". So müssten der Konzernvorstand, der letztlich die strategischen Entscheidungen trifft und auch die Politik, die den Reisekonzern in der Krise finanziell stützt, an den Gesprächen beteiligt werden.

Tuifly will sich nach dem Abbruch der Gespräche auf die Verhandlungen zu Interessensausgleich und Sozialplänen auf Basis des bekannten Restrukturierungskonzepts mit einer Tuifly-Flotte von 17 Flugzeugen konzentrieren, heißt es in dem Mitarbeiterschreiben. Zur Zahl der akut bedrohten Arbeitsplätze gab es zunächst keine Angaben - zuletzt war von möglicherweise bis zu 900 Vollzeitstellen die Rede: 720 beim fliegenden Personal, davon 280 Piloten-Vollzeitstellen, sowie 280 beim Bodenpersonal, in der Technik und Verwaltung.

Besonders übel stößt es der Gewerkschaft auf, dass Tui nach der Reduzierung der eigenen Flotte zukünftig mit externen Partnern zusammenarbeiten will. In einem Interview hatte Tui-Chef Friedrich Joussen im August das Ziel angegeben, die teuren Flugzeuge als Anlagegüter aus der Tui-Konzernbilanz zu entfernen. Tui brauche zwar Zugriff auf Airline-Kapazität, was aber nicht zwangsläufig bedeute, dass die Flugzeuge auf der Bilanz sein müssten, erklärte der Vorstandschef.

© Tui Group, Lesen Sie auch: Tui sucht externe Partner als Ersatz für eigene Flugzeugflotte

Tuifly steht schon lange auf der Tui-Sparliste

Die Fronten zwischen Belegschaft und Unternehmensführung gelten bereits seit Langem als verhärtet. Bereits mehrfach hatte das Management angesetzt, die deutsche Fluggesellschaft deutlich zu verkleinern. Zuletzt kam es 2016 zu Verwerfungen um den Zukunftskurs und Bummelstreiks der Belegschaft.

Zuvor kam es 2009 und 2014 zu teils heftigen Auseinandersetzungen mit den Beschäftigten, die sich im Endeffekt aber immer durchsetzen konnte und einen deutlichen Abbau von Kapazitäten bei Tuifly verhindern konnte.

© BDF, Lesen Sie auch: Tuifly plant mit Hälfte der Vor-Corona-Kapazitäten

Von: br

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