Kein erweitertes Nachtflugverbot am Hauptstadt-Flughafen BER

Sie hatten Studien dabei, Grafiken und Präsentationen. Doch überzeugt haben die Flughafen-Anwohner im Abgeordnetenhaus nur Parlamentarier, die ohnehin weniger Nachtflüge wollen. Der Senat bleibt hart. Nicht nur gegenüber den Anwohnern.

Ein Flugzeug landet vor dem hell erleuchteten Flughafen Berlin Brandenburg (BER) © dpa / Patrick Pleul

Der Berliner Senat hält trotz Protesten von Anwohnern an Nachtflügen vom neuen Hauptstadtflughafen fest. «Wir wollen ein internationales Drehkreuz», sagte Senatskanzleichef Björn Böhning (SPD) am Mittwoch im Bauausschuss des Abgeordnetenhauses zur Begründung. Das von Mitternacht bis 5.00 Uhr geplante Flugverbot werde der Senat auch in den Gesprächen mit Brandenburg nicht ausweiten. Er rechne nicht damit, dass sich die Meinung Berlins bis zu einer Landesplanungskonferenz beider Länder am 25. März ändere, sagte Böhning. Brandenburgs Landesregierung dringt auf ein schärferes Nachtflugverbot.

Ein ausgedehntes Nachtflugverbot würde den neuen Hauptstadtflughafen nach Betreiberangaben wirtschaftlich schwer schädigen. Nachteile im dreistelligen Millionenbereich seien zu erwarten, wenn von 22.00 bis 6.00 Uhr nicht geflogen werden dürfe, sagte Flughafen-Betriebsleiter Elmar Kleinert heute. In welchem Zeitraum die genannten Einbußen anfallen würden, sagte er im Bauausschuss des Abgeordnetenhauses nicht.

Die Parlamentarier diskutierten die Forderung einer Volksinitiative, das ohnehin geplante Flugverbot in den Randstunden noch weiter auszudehnen.

Nach Kleinerts Angaben starteten oder landeten 2013 von den Flughäfen Tegel und Schönefeld 16.000 Maschinen zwischen 22.00 Uhr und 6.00 Uhr. Davon entfielen 4000 Flüge auf die Air-Berlin-Gruppe, 2500 auf die Lufthansa-Gruppe, 3500 auf Easyjet und 1200 auf die Condor-Gruppe.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin warnte ebenfalls vor weiteren Flugbeschränkungen in der Nacht. Die IHK erinnerte daran, dass es am bestehenden Flughafen Schönefeld gar kein Nachtflugverbot gibt.

Brandenburgs Landtag hatte ein Volksbegehren für mehr Nachtruhe übernommen und fordert ebenfalls ein Flugverbot von 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr. Böhning lehnte das ab. «Wir wollen ein internationales Drehkreuz, wir wollen auch die Steigerung der Fluggastzahlen.» Offen sei Berlin aber für lärmmindernde Betriebsabläufe.

Laut Böhning kommen Vertreter Berlins und Brandenburgs am 25. März zu einer gemeinsamen Landesplanungskonferenz zusammen. Thema sind dann auch die Nachtflüge.

Von: dpa

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