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Kaum Nachfrage für CO2-Kompensationsmöglichkeiten bei Lufthansa

Nur sehr wenige Kunden nutzen das neue Lufthansa-Angebot zur CO2-Kompensation ihrer Flüge. Vor allem für PTL-Zumischungen will kaum ein Kunde extra bezahlen. Andere Fluggesellschaften gehen in Sachen Kompensation einfachere Wege.

Lufthansa-Kompensationsplattform Compensaid. © Lufthansa

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat das geringe Interesse von Flugreisenden an einer Klima-Kompensation beklagt. Die von der Lufthansa angebotene Option, einen Ausgleich für die Kohlendioxidemissionen bei innerdeutschen und interkontinentalen Flügen zu zahlen, werde bislang zu wenig genutzt, sagte Spohr bei einem "Welt"-Wirtschaftsgipfel, wie das Blatt in seiner Donnerstagsausgabe berichtet.

Die Lufthansa-Kunden können seit einiger Zeit freiwillig einen Aufschlag auf den Ticketpreis zahlen, um die durch ihre Reise entstehende Klimabelastung zu kompensieren.

Nur etwa ein Prozent machten von der günstigsten Kompensationsmöglichkeit Gebrauch, bedauerte Spohr. Die teurere Variante werde von so wenigen Kunden genutzt, dass er diese alle "per Handschlag begrüßen" könnte.

Kompensation nicht direkt im Buchungsprozess

Allerdings hat Lufthansa Komensationsmöglichkeit bislang noch nicht derart tief in den Buchungsablauf integriert wie etwa den Abschluss einer Reiserücktrittsversichtung oder das Hinzubuchen kostenpflichtiger Gepäckservices. Stattdessen werdenlediglich Banner angezeigt, die dann auf die Kompensationsplattform "Compensaid" verlinken. Dort können Kunden dann selbst per Schieberegler definieren, auf welche Art sie kompensieren wollen - per herkömmlicher Methoden oder speziell für den Zulauf von synthetischem Kerosin.

Für einen Flug zwischen Berlin und Frankfurt fallen so bei Lufthansa im günstigsten Fall 1,50 Euro an - bei der Kompensation über 100 Prozent "Power to Liquid"-Kerosin sind es derweil pro Sitzplatz mehr als 30 Euro.

Die Lufthansa hatte gerade eine entsprechende Liefervereinbarung mit Shell in San Francisco unterschrieben, um den CO2-neutralen Flugtreibstoff zu deutlich höheren Kosten einzukaufen. Die Entwicklung nachhaltiger synthetischer Kraftstoffe steckt nämlich noch in den Kinderschuhen, eine marktreife Lösung ist nicht in Sicht.

© AirTeamImages.com, Mario Aurich Lesen Sie auch: Lufthansa Group tankt teilweise Öko-Sprit in San Francisco

Dabei ist die Beimischung von synthetischen Treibstoffen technisch bereits problemlos möglich. Allerdings mangelt es an der Verfügbarkeit. Im November hatte der Haushaltsausschuss des Bundestages daher erstmals Mittel für die Förderung und Entwicklung von synthetischen Kraftstoffen im PTL-Verfahren (Power to Liquid) im Bundeshaushalt eingeplant. Diese Förderung sieht zunächst jeweils 100 Millionen Euro für die Jahre 2020 und 2021 vor. Als Ziel der Förderung nannten Vertreter von Regierungsparteien, die Anschubfinanzierungen für alternative und klimafreundliche Kraftstoffe anzustoßen.

Easyjet und Air France kompensieren Flüge selbst

Mit Kompensationsangeboten auf freiwilliger Basis haben auch schon andere Airlines schlechte Erfahrungen gemacht. Easyjet hatte sich daher im vergangenen Jahr dazu entschieden, die Kompensationszahlungen selbst in die Hand zu nehmen und die CO2-Emissionen aller Flüge zu kompensieren. Auch Air France kompensiert automatisch die Emissionen ihrer Flüge - zumindest diese auf innerfranzösischen Routen.

© AirTeamImages.com, Matthieu Douhaire Lesen Sie auch: Easyjet wehrt sich gegen Greenwashing-Vorwürfe

Von: dh mit AFP

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