Kabinen-Dachverband fordert Absetzung von Ryanair-Chairman

Der europäische Kabinendachverband ETF fordert die Ryanair-Aktionäre auf, Chairman Bonderman abzusetzen. Der Low-Coster hätte die Transformation ins 21. Jahrhundert verpasst.

Ryanair Geschäftsführer David Bonderman (l-r), der Vorstandsvorsitzende Michael O'Leary und Geschäftsführer Kyran McLaughlin während der Hauptversammlung der Fluggesellschaft am 21.09.2017 in Dublin. © dpa / Niall Carson/PA

Einer der Dachverbände der europäischen Kabinengewerkschaften, ETF (European Transport Workers' Federation), fordert zusammen mit seiner internationalen Schwesterorganisation, ITF, die Absetzung von Ryanair-Verwaltungsratschef David Bondermann. "Wir sind der festen Überzeugung, dass Ryanair für die Weiterentwicklung als wichtige europäische Airline, ihre Corporate Governance überarbeiten muss", heißt es in einem Brief an die Aktionäre des Low-Costers. Das Schreiben liegt airliners.de vor.

Die Verbände rufen die Anteilseigner daher dazu auf, Bonderman bei der Hauptversammlung am 20. September die Gefolgschaft zu verweigern. "Die Streiks von Flugbegleitern und Piloten hätten verhindert werden können, wenn sinnvolle Verhandlungen stattgefunden hätten."

Eine Ryanair aus dem 21. Jahrhundert verdient eine Führung aus demselben Jahrhundert.

Schreiben von ETF und ITF

Ryanair hat erstmals zu Jahresbeginn Gewerkschaften anerkannt und verhandelt seit dem in vielen europäischen Ländern über Tarifverträge. Doch die Gespräche kommen nur schleppend voran, weswegen sowohl Flugbegleiter als auch Piloten schon mehrfach streikten.

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Der jetzige Kurs sei nicht mehr angemessen für ein Unternehmen dieser Größe. "Sowohl seine Mitarbeiter als auch seine Investoren wollen das Unternehmen gedeihen und wachsen sehen, aber dies kann nur mit den richtigen Strukturen und passieren."

Bonderman sträube sich gegen Neuordnung

Gleichzeitig sehe sich der Billigflieger immer mehr mit Compliance-Problemen konfrontiert, die ein unabhängiges Gremium erforderten. Doch gegen eine Neuordnung hätten sich die langjährigen Kontrolleure Bonderman und Senior Independent Director Kyran McLaughlin immer versperrt.

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Die Verbände kritisieren zudem, dass die Low-Cost-Modelle die Luftfahrt für alle zugänglich gemacht hätten und es andere Billigflieger auch zu verstehen wissen, eng mit Personalvertretern zusammenzuarbeiten. "Das garantiert für die Passagiere das beste Produkt und für die Arbeitnehmer die besten Bedingungen." Bis heute sei es Ryanair nicht gelungen, eine solche Beziehung zu Arbeitnehmern und Gewerkschaften aufzubauen.

"Vorsitzender aus dem letzten Jahrhundert"

US-Milliardär Bonderman ist seit 22 Jahren Verwaltungsratsvorsitzender bei Ryanair. Darüber hinaus ist er über seinen Fonds TPG Capital auch bei Billigflieger Norwegian investiert.

Es ist Zeit für Herrn Bonderman, zu gehen. Ein Unternehmen kann sich nicht weiterentwickeln, wenn sein Vorsitzender im letzten Jahrhundert festsitzt.

Eduardo Chagas, ETF-Generalsekretär

In der ITF sind rund 700 Verkehrsgewerkschaften weltweit zusammengeschlossen, in der ETF über 200 aus Europa - unter anderem die britische Unite und die deutsche Verdi. Die konkurrierende Flugbegleitergewerkschaft Ufo hingegen ist Mitglied der 2014 gegründeten Eurecca.

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Von: cs

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