Ju-Air darf keine kommerziellen Flüge mehr anbieten

Die Schweizerische Ju-Air darf nach einem Absturz keine Ju-52-Flüge mehr verkaufen. Das zuständige BAZL entzog die Genehmigung für den kommerziellen Flugbetrieb. Auch in Deutschland gibt es keine Ju-52-Rundflüge mehr.

Die Flotte der Ju-Air in der Luft. © dpa

Die Ju-Air in der Schweiz darf künftig keine Flüge mehr mit ihren Oldtimer-Maschinen vom Typ Ju-52 für zahlende Passagiere anbieten. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL werde der Fluggesellschaft die entsprechende Genehmigung entziehen, teilte die Behörde am Dienstag mit.

Nach dem Absturz einer Ju-Air-Maschine im Sommer 2018 sei die Behörde zu dem Schluss gekommen, dass ein kommerzieller Weiterbetrieb mit historischen Flugzeugen die heutigen Sicherheitsanforderungen nicht mehr erfülle.

Die Ju-Air könne aber unter technischen und betrieblichen Auflagen weiterhin für ihre Vereinsmitglieder im privaten Rahmen Passagierflüge anbieten, hieß es. Ju-Air erklärte, die Weisung des Bundesamts bedeute für Flüge in der Schweiz keine wesentliche Änderung. Bereits jetzt seien fast 100 Prozent der Passagiere in der Schweiz Vereinsmitglieder.

Die Airline bereite sich jedenfalls auf einen langfristigen Weiterbetrieb ihrer Ju-52 vor und investiere in deren Zukunft. Dazu würden die 70 und 80 Jahre alten Flugzeuge komplett demontiert und grundüberholt. Für die umfassendsten Arbeiten in der 36-jährigen Geschichte der Ju-Air müsse der Flugbetrieb im Sommer 2019 und 2020 reduziert werden, teilte die Airline weiter mit.

Schon im November war ein vorläufiges Flugverbot verhängt worden. Bei der Untersuchung des Wracks der abgestürzten Maschine waren Risse und Rost am Hauptholm, dem tragenden Element des Flugzeugflügels, gefunden worden. Diese Schäden galten aber nicht als Ursache des Unglücks, bei dem am 4. August vergangenen Jahres 17 Passagiere und drei Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen waren.

Bei Gründung der Ju-Air vor mehr als 35 Jahren hatte das Bundesamt drei aus Schweizer Militärbeständen stammenden Oldtimern des Typs Junkers Ju-52 eine Betriebsbewilligung für kommerzielle Passagierflüge erteilt. Die Ju-Air wollte nach bisherigen eigenen Angaben im kommenden Sommerhalbjahr erneut eine dritte Ju-52 in ihre Flotte aufnehmen.

© AirTeamImages.com, Mario Aurich Lesen Sie auch: Lufthansa kappt Unterstützung für Ju-52

Auch in Deutschland gibt es keine Ju-52-Rundflüge mehr. Lufthansa hatte der Deutsche Lufthansa Berlin Stiftung (DLBS) die Mittel für den Betrieb einer historischen Maschine gestrichen, was mit den hohen Kosten begründet wurde. Ein wirtschaftlicher Betrieb sei "auch perspektivisch nicht zu erreichen" gewesen.

Von: dh mit dpa

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