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"Unsere Vision heißt: Virtual Global Supercarrier"

Der BER will ein "digitaler Hub" werden. Dabei helfen soll das Reisetechnologieunternehmen Kiwi. Im Interview erläutert Kiwi-Manager Patrick Zeuner, was ein "Virtual Global Supercarrier" dem Flughafen bringt und warum Lowcost-Hubs nach Corona mehr Gewicht bekommen.

Abflüge in Berlin. Lowcost und etwas Linie. © airliners.de / David Haße

Mit der Air-Berlin-Pleite ist der Traum vom Netzwerk-Hub in Berlin geplatzt. Nun sieht Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup die Zukunft des BER als "virtuelles Drehkreuz". Jetzt hat der Flughafen dazu eine Vereinbarung mit dem Reisetechnologieunternehmen Kiwi.com geschlossen. Über die Technologie und die Zukunft des "Virtual Interlining" hat airliners.de mit Patrick Zeuner, dem zuständigen "Head of Airport & Tourism Board Partnerships" von Kiwi.com gesprochen.

airliners.de: Etliche Reisende stellen sich ihre Flüge selbst zusammen und haben dann Probleme bei Verspätungen. Kiwi will dafür Lösungen anbieten. Welche Rolle spielt Self-Connect an den Airports bereits?

Patrick Zeuner: Das Thema Self-Connect hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Studien sprechen davon, dass auf Low-Cost dominierten Airports, der Anteil an Self-Connect Passagieren bei bis zu zehn Prozent liegen kann. Man muss aber immer sehen, dass dieser Anteil in Abhängigkeit zum Netzwerk, den Frequenzen und natürlich dem Preis steht. Wichtig ist, dass es schon eine gewisse Anzahl von Destinationen und Frequenzen gibt, die kombinierbar sind - sprich sich auch verkaufen lassen.

Schaut man sich die Fakten an, so wohnen viele Menschen in Europa in der Nähe von kleineren Airports. Dort gibt es dann beispielsweise eine Verbindung von Ryanair nach Bergamo oder Stansted. Es gibt also Verbindungen zu neuartigen - virtuellen - Hubs von denen aus weitertransferiert wird. Mit unserem Algorithmus können wir diese Flüge verbinden, und dann an unsere Endkunden in einer Buchung verkaufen. Das ist Magie, da selbst die Sekundärflughäfen heutzutage per Anzahl der Destinationen mit den großen Hubs mithalten können und dadurch alternative, preislich attraktive Reiserouten dem Reisenden angeboten werden können.

Patrick Zeuner. © Kiwi.com

Über den Interview-Partner

Patrick Zeuner arbeitet seit mehr als 15 Jahren im Aviation Bereich mit Fokus auf Sales & Marketing in unterschiedlichen Bereichen (Airline, Airport, OTA). Bei Kiwi.com ist er derzeit als Head of Airport & Tourism Board Partnerships zuständig für den Vertrieb und die Weiterentwicklung der B2B Airport Solutions.

Was bietet Kiwi dabei genau?

Wir nennen unser Produkt "Virtual Interlining". Unser Algorithmus kombiniert verschiedene Fluglinien und Strecken miteinander, und verkaufen diese in einer Buchung an unsere Kunden. Wir bieten einen Content von über 800 Carriern, darin sind mehr als 600 Airlines inkludiert. Der Rest verteilt sich auf Ground Carrier, wie Bus und Bahn. Unser Ziel ist es, intermodales Reisen möglich zu machen. Das ist ein großes Feld. Insbesondere die Lokalisierung und Integration von Tausenden von Bus und Bahnhöfen ist eine spannende Herausforderung, die sich Kiwi.com gerade stellt.

Haben Sie dazu Verträge mit Airlines, der Bahn und Bodenverkehrsdienstleistern?

Unser Geschäft ist verknüpft mit den Reisenden - also pures B2C Geschäft. Dies ist uns wichtig, da wir somit unsere Unabhängigkeit wahren. Verträge haben wir natürlich mit vielen Partnern um sicherzustellen, dass der Kunde bei uns auch ein attraktives Angebot an Buchungsmöglichkeiten vorfindet. Wir kaufen die Tickets erst, wenn der Kunde bei uns auf "buchen" klickt. Das passiert nahezu zeitgleich.

Bekommen Reisende für die Reisekette eine Buchungsnummer unter der alle Transportmittel inbegriffen sind?

Unsere Vision heißt: "Virtual Global Supercarrier". Das Virtuelle zeigt, dass wir keine eigenen Flugzeuge besitzen, aber wir sourcen den Content direkt bei den Airlines oder anderen Transportunternehmen und schnüren ein Reisepaket und distribuieren das weltweit über unsere Kanäle. Der Kunde erhält dann eine Mail mit der Buchungsnummer und der zugehörigen Tickets und wenn möglich, gleich die Bordkarten aufs Handy.

Von: Benjamin Recklies Jetzt Gastautor werden

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