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Interview "Nordamerika war oberste Priorität für unsere erste Flughafenkooperation"

Der Flughafen Köln/Bonn hat eine Partnerschaft mit dem Flughafen Chicago Rockford geschlossen. Im Interview spricht Luftfracht-Bereichsleiter Torsten Wefers über die Idee zu dem neuen Netzwerk von Flughäfen, die dem Fracht- und Expressverkehr Priorität einräumen.

Flughafen Köln/Bonn bei Nacht © dpa / Oliver Berg

Kürzlich haben der Flughafen Köln-Bonn und der Chicago Rockford International Airport eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Der Wissensaustausch soll gefördert und Initiativen zur Entwicklung moderner Abfertigungssysteme für E-Commerce-Fracht auf den Weg gebracht werden. Ein Interview mit Torsten Wefers, Director Cargo am Flughafen Köln/Bonn.

Für Marktbeobachter kommt die angekündigte Zusammenarbeit zwischen Köln/Bonn und Chicago Rockford überraschend. Welche Gründe sprechen für diese besondere Partnerschaft?

Torsten Wefers: Chicago-Rockford wurde als unser nordamerikanischer Partnerflughafen ausgewählt, weil er viele Gemeinsamkeiten mit unserem Flughafen aufweist. Beide profitieren von einem sich schnell entwickelnden Frachtdurchsatz, befinden sich in sehr starken Einzugsgebieten und bieten ihren Kunden maßgeschneiderte, "frachterfreundliche" Dienstleistungen an. Darüber hinaus beherbergen sowohl Köln/Bonn als auch Chicago UPS-Drehkreuze und sind auf dem Weg, wichtige Gateways für Amazon Air zu werden.
Die abgeschlossene Vereinbarung ist ein Katalysator für beide Flughäfen, um ihr aufkeimendes Luftfracht- und Expressgeschäft weiter zu optimieren. Zu den gemeinsamen Zielen gehört es, zusätzliche Frachtfluggesellschaften anzuziehen, die Herausforderungen am Boden zu lindern und die schnelle Beförderung von Produkten an ihren endgültigen Bestimmungsort weiter zu verbessern.

Ihre Initiative ist nicht wirklich neu. So hat Leipzig in der Vergangenheit bereits mit einem halben Dutzend anderer Flughäfen Verträge geschlossen, darunter: Johannesburg, Shenzhen und Osaka. Das Ergebnis ist bislang eher ernüchternd. Was wollen Sie in Köln/Bonn anders machen?

Aus verständlichen Gründen kann ich mich nicht zu vergangenen Initiativen anderer Flughäfen und den erzielten Ergebnissen äußern. Was unseren Ansatz betrifft, so wird er von übergreifenden Zielen mit klar definierten Umsatzzielen und Geschäftsstrategien angetrieben. Wir haben einen regelmäßigen Informations- und Meinungsaustausch einschließlich wöchentlicher Videokonferenzen mit Ken Ryan, Director Cargo in Chicago und seinem Team, um die Frachtverkaufsaktivitäten beider Flughäfen aufeinander abzustimmen.

Erwarten Sie denn, dass Frachtfluggesellschaften Köln/Bonn als Ergebnis Ihrer Zusammenarbeit in ihr internationales Netzwerk aufnehmen werden?

Die Einrichtung von direkten Frachtflugdiensten zwischen Chicago Rockford und Köln/Bonn ist eines der primären Ziele der neuen Partnerschaft. Beide Cargo-Verkaufsteams haben bereits einen gemeinsamen Ansatz gestartet, um RFD-CGN auf dem Markt als höchst attraktive Alternative zu den traditionellen nahegelegenen Cargo-Hubs in ihrer Umgebung zu bewerben.
Die ersten Reaktionen sowohl von Spediteuren als auch von Frachtfluggesellschaften waren sehr positiv, was die Aufnahme der Route in ihre Auswahlliste betrifft. Ich bitte um Verständnis, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Fluggesellschaft nennen können, die an einer Bedienung der Route Chicago-Rockford-Köln/Bonn interessiert ist. Sobald es diesbezüglich Neuigkeiten gibt, werden wir Sie sofort informieren.

Es hätte aber auch andere mögliche Partnerschaften gegeben, wie beispielsweise Köln/Bonn-Istanbul, eine Route, die von Ihrem Kunden MNG Airlines bedient wird, oder Köln/Bonn-Kairo, betrieben von Egyptair, um nur zwei zu nennen.

Basierend auf lokalem Marktinput und detaillierten Marktanalysen wurde Nordamerika als oberste Priorität für unsere erste Flughafenkooperation identifiziert. Wir haben bereits Pläne, weitere Flughäfen und Märkte hinzuzufügen, die die von Ihnen genannten Regionen einschließen könnten. Auch dazu demnächst mehr.

Vielen Dank für Gespräch.

Dieser Artikel ist zuerst bei unserer Partnerpublikation CargoForwarder erschienen.

Von: Heiner Siegmund

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