Ryanair zieht sich vermehrt aus dem deutschen Markt zurück, da die Rahmenbedingungen als ungünstig empfunden werden. Die Iren kritisieren die hohen Steuern und Gebühren, die ihrer Meinung nach das Wachstum behindern und zu hohen Einstiegskosten für den deutschen Markt führen. Ryanair-Konzernchef Michael O'Leary und Ryanair-CEO Eddie Wilson betonen im airliners.de-Interview die Bereitschaft in Deutschland deutlich zu wachsen, falls sich die Rahmenbedingungen verbessern.
airliners.de: Warum zieht sich Ryanair aktuell aus Deutschland immer weiter zurück?
Michael O'Leary: Wir lieben Deutschland aber das Problem ist, dass Deutschland die mit Abstand krankesten Rahmenbedingungen hat.
Schauen Sie sich die Erholung nach Corona an: Deutschland ist das Schlusslicht in Europa. Doch wie reagiert die deutsche Regierung darauf? Es ist unglaublich, aber sie haben ernsthaft die "brillante" Idee, die Steuern und die Gebühren noch weiter zu erhöhen!
Passagiere mit Steuern und Gebühren auszuquetschen kann aber nicht die Lösung sein. Das ist ein Rezept für ein Desaster. Aber es geht auch anders: Schweden, Italien, Ungarn und Polen haben die Steuern reduziert oder gar ganz abgeschafft, dort haben wir bereits unsere Kapazitäten erhöht. Das kann auch in Deutschland passieren.
Eddie Wilson: Wir sind die Nummer 1 in Italien, Portugal und in vielen anderen Ländern. Aber in Deutschland sind wir nicht so groß. Das lag am nationalen Carrier und daran, dass Deutschland offenbar keine Konkurrenz wollte.
Dann wurde Lufthansa während Corona vom Staat gerettet und alle haben gedacht, dass bald wieder alles gut wird. Aber so war es nicht. Lufthansa ist geschrumpft und die Konkurrenz ist aus dem deutschen Markt verschwunden. Warum? Es gibt in Deutschland einfach viel zu hohe Einstiegskosten. Es liegt an den Steuern, an den ATC-Kosten [Flugsicherung, Anm.d.R.] und an den Flughäfen, die einzig auf Lufthansa schielen, um ihre Probleme zu lösen. Aber Lufthansa wird keinem Flughafen helfen, denn Lufthansa hat keine Flugzeuge.
Die Flughäfen kommen jetzt in eine Art "Todesspirale", weil es immer weniger Verkehr gibt und sie immer teurer werden. Das ist die Situation und die ändert sich nicht ohne politische Änderungen.
Ein Flugzeug der Ryanair am Flughafen Hahn. © Adobe Stock / Markus Mainka
Michael O'Leary: Wir können den Flughäfen helfen, wieder zu wachsen und an unseren Passagieren zu verdienen. Manche Flughäfen haben das verstanden, andere nicht. Nehmen wir das Beispiel Berlin. Dort ist das Aufkommen um die Hälfte gesunken und was macht der Flughafen? Er erhöht die Gebühren um 50 Prozent! So funktioniert das nicht. Es gibt aber auch ein paar Ausnahmen wie Weeze, Baden, Memmingen und dort wachsen wir.
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