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"Im nationalen Alleingang kann man die Vorkassepraxis nicht abschaffen", © Lufthansa
Dr. Kay Lindemann © Lufthansa

Der Luftfahrtsommer 2022: Verspätungen, Flugstreichungen, Probleme mit der Rückerstattungen und Entschädigungen für gestrichene Flüge. Als Reaktion wollen Verbraucherschützer, die Vorkassepraxis abschaffen. Lufthansa warnt: Was auf den ersten Blick wie eine gute Idee klingt, würde am Ende für Passagiere zu höheren Preisen führen und einen gewaltigen Wettbewerbsnachteil darstellen. Warum, erläutert Kay Lindemann, Leiter der Luftansa-Konzernpolitik, im airliners.de-Interview.

airliners.de: Was halten Sie generell vom Vorschlag der Verbraucherschützer, die Vorkassepraxis abzuschaffen?

Kay Lindemann: Dieser Vorschlag mag auf den ersten Blick für Passagiere verlockend klingen. Auf den zweiten Blick ist es nicht nur ein erheblicher Eingriff in das Geschäftsmodell aller Airlines, sondern wäre auch kontraproduktiv für die Fluggäste. Die Vorkasse ist ein seit Jahrzehnten gängiges Prinzip, das nicht nur der Luftverkehr kennt, sondern auch die Bahn oder die Veranstaltungsbranche. Das ist beim Theater oder bei Konzerten nicht anders als im Flugzeug.

Dem kurzfristigen Liquiditätsnachteil, den Passagiere haben, stehen gewichtige Vorteile gegenüber. Wenn man nur die Rabattierung bei einem früh gebuchten Ticket nimmt: Dieser Rabatt ist Teil der Kalkulation und ein Spiegelbild des Vorkasseprinzips. Es liegt nicht im Interesse der Kundinnen und Kunden, den Vorteil eines günstigen Frühbuchertarifs zu riskieren.

Um einen Flug durchführen zu können, müssen Airlines in Vorleistung treten. Sie müssen Kerosin einkaufen, Ressourcen für die Planung aufwenden und vieles mehr. Die Vorkasse ermöglicht den Airlines einen pragmatischen Umgang mit dem Ausfallrisiko. Wenn man all diese Argumente in den Blick nimmt, dann entspricht die Vorauszahlung einer fairen Abwägung der Interessen und bietet auch den Passagieren greifbare Vorteile. Das ist ein eingeschwungenes System.

Halten Sie es für einen Zufall, dass jetzt ausgerechnet Niedersachsen diese Bundesratsinitiative starten will, nachdem dort im Oktober Landtagswahlen sind?

Das Timing ist offensichtlich kein Zufall und offen gesprochen etwas plump. Aber der Luftverkehr und auch der Verbraucherschutz sind immer wieder beliebte Themen für populistische Initiativen. Da haben Luftverkehr und Fußball eine Gemeinsamkeit: Alle reden mit.

Sie haben es gerade schon einmal bei der Antwort auf die erste Frage angeschnitten: die Finanzierung des Tagesgeschäfts. Inwiefern würde sich denn diese Finanzierung ändern, wenn man die Vorkassepraxis abschaffen würde?

Die Vorkasse sichert Airlines grundsätzlich gegen das Ausfallrisiko ab. Fluggesellschaften wären mit viel Komplexität konfrontiert, wenn sie sich nach Erbringung ihrer Leistung – also des Fluges – um die Geltendmachung ihres Anspruches kümmern müssten.

Weil das Vorkasseprinzip der Airline dieses erhebliche Risiko nimmt und die Planungssicherheit erhöht, kann sie umgekehrt die ersparten Aufwendungen in ihre Preiskalkulation zu Gunsten der Passagiere einbeziehen. Andernfalls müssten wir das Ausfallrisiko in der Gestaltung der Ticketpreise abbilden. Das kann nicht im Interesse des langfristig denkenden Verbraucherschützers sein. Zudem sind Flüge mit geringer Auslastung auch ökologisch schlecht.

Wenn ich Sie jetzt richtig verstehe, befürchten Sie, dass es auf lange Sicht teurer würde für die Passagiere?

Ja, für viele Fluggäste würden sich die Preise unnötig erhöhen. Dazu kommt: Eine solche Initiative im nationalen Alleingang hätte eine erhebliche Wettbewerbsverzerrung zur Folge. Mit Blick auf den Luftverkehrsstandort Deutschland kann daran niemand Interesse haben.

Und der Verbraucherschutz hat ja ohnehin eine wettbewerbspolitische Schlagseite, weil nur europäische Airlines vollständig der Fluggastrechteverordnung unterliegen. Die Fairness im Wettbewerb gerät manchmal aus dem Blick, wenn es nur um die schnelle Schlagzeile geht.

Haben Sie selbst schon irgendwelche Konzepte gehört, beziehungsweise hat die Lufthansa schon eigene Konzepte, wie eine Umstellung weg von der Vorkassepraxis ausschauen könnte?

Ich gehe soweit zu sagen, im nationalen Alleingang kann das nicht erfolgen. Es kollidiert auch massiv mit den internationalen Buchungssystemen und Abrechnungspraktiken. Flüge bestehen ja häufig nicht nur aus der Flugleistung einer Airline, sondern sind Kombinationsprodukte. Das heißt, wir erbringen diese Leistungen in Abstimmung mit anderen Airlines.

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