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Freche Begrüßung in Friedrichshafen Intersky spielt mit Germanwings

Platzhirsch vom Bodensee gegen scheinbar übermächtige Germanwings: Die kleine Familienairline Intersky will der großen Lufthansa-Tochter den Start zwischen Köln/Bonn und Friedrichshafen offenbar mit etlichen Aktionen zu einem unvergesslichen Erlebnis machen.

Germanwings und Intersky in Köln/Bonn airliners.de-Illustration, © Flughafen Köln, Airteamimages.com

Dieter Bohlen und Verona Pooth in einer Maschine. Dazu stehen auch Eros Ramazotti nebst Ex-Gattin Michelle Hunziker auf der Passagierliste: Der Germanwings-Erstflug von Köln nach Friedrichshafen scheint durchaus das Potential zu haben, überregional und über die Tourismus-Fachpresse hinaus Beachtung zu finden.

Aber auch wenn der Germanwings-Erstflug zum Bodensee ganze drei Tage vor dem 1. April stattfindet, ist die illustere Promi-Reisegruppe in Wahrheit ein vorgezogener Aprilscherz der in Friedrichshafen beheimateten Intersky. Das erfuhr airliners.de aus dem Umfeld der Regionalairline.

Für Germanwings könnte der 29. März aber auch noch deutlich seltsamer werden. Denn offensichtlich kommen so gut wie alle Passagiere auf der Erstflug-Maschine aus dem Intersky-Umfeld. airliners.de liegt eine Liste mit 182 Buchungen vor – für eine Maschine mit 152 Sitzplätzen.

Intersky bestätigte die Aktion auf Anfrage, hielt sich aber zu den genauen Planungen für den Erstflugtag bedeckt. „Es ist wirklich sehr interessant zu sehen, wie stark die Flüge von Germanwings standardmäßig überbucht werden können. Wir hätten sogar noch mehr buchen können, da waren selbst wir überrascht“, erklärt Intersky-Geschäftsführer Claus Bernatzik auf airliners.de-Anfrage. Intersky dagegen überbuche Maschinen nie, man gebe eine "Garantie zum Mitfliegen".

Neben einer Spaß-Aktion an Bord könnte Intersky daher mit Blick auf ihre Geschäftskunden durchaus eine übervolle Maschine und Probleme generieren wollen. Denkbar wäre andererseits auch, den Erstflug als PR-Aktion so gut wie leer fliegen zu lassen.

Ganz überraschend kommt die Aktion für Germanwings sicherlich nicht, denn sämtliche Passagiere haben der Liste zufolge bei der Buchung die Email „david.goliath@mail.com“ angegeben. Germanwings verwies auf Anfrage darauf, Guerilla-Aktionen gewohnt zu sein. Schon beim allerersten Germanwings-Flug Ende 2002 hätten sich zahlreiche dba-Mitarbeiter auf die Maschine gebucht und mit T-Shirts Werbung für eigene Strecken gemacht.

Offen bleibt also, ob nicht vielleicht zumindest einige der gebuchten Prominenten wirklich auf dem Erstflug sein werden, um Aufmerksamkeit zu generieren. Denn letztlich geht es trotz charmanter Spaßbuchungen um ein ernstes Thema.

Im Mark getroffen

Für Intersky ist der Germanwings-Eintritt auf dem Markt zwischen Köln und Friedrichshafen ein Frontalangriff im Kerngeschäft. Die Flugverbindung nach Köln ist neben Berlin und Hamburg eine der wichtigen Strecken für die Airline.

Bereits zur Ankündigung der neuen Germanwings-Verbindung hatte Intersky angekündigt, mit einer „Service-Offensive“ gegen die neue Konkurrenz in Richtung Köln anzugehen. An Bord der Dash 8-300 wird ab sofort ein Getränk und ein Snack kostenlos serviert. Ebenfalls gibt es bis zu 15 Kilogramm Freigepäck und keine Kreditkartengebühren, ergänzte Bernatzik heute.

Zudem hatte die Airline bereits lange vor Bekanntwerden des Germanwings-Engagements eine Frequenzverdopplung zum Sommerflugplan angekündigt, um im Geschäftsreiseverkehr einen attraktiven Flugplan bieten zu können. Die Strecke wird von Intersky von nun an 4x täglich bedient.

Die österreichische Airline mit Basis auf der deutschen Seite des Bodensees ist nicht zuletzt auch verstimmt über den Flughafen Friedrichshafen. Man brauche Planungssicherheit am Platz. Schließlich habe man bereits rund 30 Mio. EUR in den Standort investiert. Nicht zu unterschätzen sei auch die Bedeutung der Regionalairline für die Region.

„Die Wertschöpfung durch Intersky rund um den Bodensee-Airport Friedrichshafen betrug im letzten Jahr mehr als 12 Millionen Euro. Davon verbleiben rund 60 Prozent im süddeutschen Raum und etwa 40 Prozent in Vorarlberg“, so Bernatzik. Mit 110 Mitarbeitern sei Intersky ein wichtiger Mobilitätsfaktor für die gesamte Region, für den Geschäftsreisenden genauso wie für den touristischen Incoming-Verkehr.

Zu Gerüchten um einen Umzug nach Memmingen wollte sich Intersky nicht äußern. Immerhin: Für den Flughafen Friedrichshafen stehen mit einer drohenden Abwanderung des „Home Carrieres“ rund 220.000 Passagiere auf dem Spiel. In 2009 fertigte der Bodensee-Flughafen etwas über 570.000 Passagiere ab.

Von: airliners.de

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