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Internationale Flugverbote von und nach Großbritannien

Die neue Variante des Coronavirus führt zu immer mehr Einschränkungen im Flugverkehr von und nach Großbritannien und Südafrika. Wie Deutschland haben zahlreiche Länder Flugverbote ausgesprochen. Passagiere mussten zum Teil an Flughäfen übernachten.

Passagiere warten Am Flughafen Gatwick. © dpa / Gareth Fuller/PA Wire

Wegen der neuen Variante des Coronavirus ist die Einreise von Flugpassagieren aus Großbritannien an mehreren deutschen Flughäfen am Sonntagabend zunächst gestoppt worden. Ab Mitternacht untersagte Deutschland Flüge aus dem Vereinigten Königreich.

Rund 120 Passagiere aus Großbritannien mussten daraufhin die Nacht zum Montag im Transitbereich des Frankfurter Flughafens verbringen. Grund dafür waren die seit diesem Montag geltenden Landeverbote für aus Großbritannien kommenden Flugzeuge wegen einer besonders ansteckenden Variante des Coronavirus, die in Großbritannien aufgetreten ist.

Wie ein Sprecher der Bundespolizei berichtete, wurden mehrere hundert ankommende Passagiere aus Großbritannien seit Sonntagabend zunächst am Gate separiert. In einem im Transitbereich gelegenen Testzentrum mussten sie zunächst einen Corona-Test machen. Obwohl mit dem Betreiber längere Öffnungszeiten vereinbart worden waren, konnten nicht alle Reisenden getestet werden beziehungsweise ihr Ergebnis erfahren und mussten die Nacht daher auf dem Flughafen verbringen. Am Montagvormittag warteten noch 70 Reisende auf ihr Testergebnisse, insgesamt 87 waren nach Angaben der Bundespolizei noch ungetestet, unter ihnen 58 Passagiere eines Lufthansa-Fluges aus Südafrika.

Rückwirkende Quarantänepflicht

Auch an anderen Flughäfen übernachteten Flugreisende gezwungenermaßen. In Berlin waren es rund 80 Personen, in München rund 50 Personen, in Hannover 60. Für die Reisenden waren Feldbetten aufgestellt worden. Wie ein Sprecher der Bundespolizei sagte, mussten die betroffenen Passagiere ihr Testergebnis abwarten, bevor sie nach Deutschland einreisen durften. "Ein Großteil" der 50 Fluggäste habe aber bis zum Montagvormittag das Ergebnis erhalten und den Transitbereich verlassen können, betonte der Sprecher.

Wegen der Coronavirus-Mutationen hatte Nordrhein-Westfalen am Sonntagabend die Quarantäne-Verordnung wieder in Kraft gesetzt. Die Quarantänepflicht für Einreisende gilt in NRW sogar rückwirkend ab dem 11. Dezember. Demnach sind alle Einreisenden aus Großbritannien und Südafrika zu einem Corona-Test verpflichtet, den sie nach fünf Tagen wiederholen müssen.

Auf dem größten NRW-Airport in Düsseldorf waren es zwei Maschinen, wie ein Flughafensprecher am Montag mitteilte. Den Passagieren sei bereits vor Abflug die Quarantänepflicht nach der Einreise erläutert worden. In Köln/Bonn waren im Laufe des Sonntags nach Angaben eines Flughafensprechers zwei Maschinen gelandet.

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft kritisierte die Einstellung des Flugverkehrs aus Großbritannien. "Ohne eine europäisch einheitliche Regelung bei gleichzeitig geöffneten Schengen-Binnengrenzen verfehlen Flugverbote ihr Ziel, das Einschlepprisiko für die neue Variante des Coronavirus zu minimieren", sagte BDL-Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow. Die neue Variante sei bereits in einigen europäischen Ländern aufgetaucht. Zudem gebe es zahlreiche Möglichkeiten, das Verbot durch Umsteigeverbindungen über andere Länder zu umgehen. Helfen würden dagegen verpflichtenden Tests an den Flughäfen.

UK-Flugverbote in zahlreichen Ländern

Neben Deutschland hatten diverse Länder mit Flugstopps oder ähnlichem gehandelt, darunter die Niederlande, Belgien oder Irland. Als eines der letzten Länder der EU hat auch Spanien wegen der neuen Coronavirus-Variante ein Einreiseverbot für Besucher aus Großbritannien verhängt. Die Maßnahme werde am Dienstag in Kraft treten, teilte die Regierung am Montag in Madrid mit.

Auch Österreich verfügte ein Landeverbot für Flüge aus Großbritannien. Zudem stellte die Schweiz Flugverbindungen nach Großbritannien und Südafrika ein. Wer seit dem 14. Dezember aus diesen Ländern in der Schweiz angekommen ist, muss zehn Tage in die Quarantäne, teilte die Regierung am Montag mit.

Frankreich verhängte ein Einreiseverbot für Reisende aus Großbritannien auf dem Luft-, See- und Landweg. Deshalb wurden der wichtige britische Hafen Dover am Ärmelkanal sowie der Eurotunnel um Mitternacht geschlossen.

Am Montag folgten auch Dänemark, Schweden und Finnland und ließen keine Flugzeuge aus Großbritannien mehr landen. Norwegen wollte im Laufe des Montags entscheiden. Flugverbote gibt es zudem von und nach Polen, Lettland und Tschechien. Malta verordnete Quarantäne für Reisende aus Großbritannien.

Russland, die Türkei und Tunesien stoppten ebenfalls alle UK-Flüge. Kuwait setzt bis zum 1. Januar sogar alle kommerziellen Flüge vom Internationalen Flughafen in Kuwait-Stadt aus, wie die Luftfahrtbehörde mitteilte. Der Oman schließe von Dienstag an für eine Woche alle Luft-, Land- und Seeverbindungen mit dem Ausland, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur des Golfstaates. Auch Saudi Arabien riegelt sich komplett ab.

Hongkong setzen ab Nacht zu Dienstag die Großbritannienflüge aus. Indien ist ebenfalls für Reisende aus Großbritannien geschlossen. Die lateinamerikanischen Länder Argentinien, Kolumbien, Chile und Peru stoppten Flüge nach und aus dem Vereinigten Königreich ebenfalls. Auch Kanada hat ein Flugstopp beschlossen. Ab Montag werde für 72 Stunden die Einreise für alle kommerziellen und privaten Passagierflüge aus Großbritannien ausgesetzt, teilte die Regierung am Sonntagabend mit.

Die in Großbritannien aufgetauchte Variante von SARS-CoV-19 ist nach Schätzungen des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) bis zu 70 Prozent ansteckender als die Standardvariante. "Derzeit gibt es keine Hinweise auf eine erhöhte Infektionsschwere im Zusammenhang mit der neuen Variante", hieß es in einer Mitteilung am Montag. Fälle mit der neuen Variante außerhalb Großbritanniens seien bisher von Island, Dänemark und den Niederlanden und - laut Medienberichten - in Belgien und Italien gemeldet worden.

Lufthansa fliegt noch

Die Lufthansa fliegt weiter Passagiere nach Großbritannien, kehrt aber ohne Reisende zurück. Die Maschinen flögen abgesehen von der Crew leer wieder nach Deutschland, sagte ein Sprecher der Airline am Montag. Gestrichen seien Verbindungen, bei denen die Besatzung in Großbritannien übernachten müsste. Am Montag würden sieben Flüge in das Land durchgeführt.

Die Bundesregierung plant derweil keine Rückholflüge für Bürger, die wegen Flugstreichungen infolge der Coronavirus-Mutation im Ausland festsitzen. Diese Frage stelle sich "im Moment aus unserer Sicht nicht", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts am Montag in Berlin. Der in der Nacht in Kraft getretene Stopp für Flüge aus Großbritannien sei eine "kurzfristige Maßnahme".

Aus Südafrika, das ebenfalls von der Virus-Mutation betroffen ist, gebe es derzeit noch Rückreisemöglichkeiten für Deutsche, sagte die Sprecherin. Wie viele Deutsche derzeit wegen gestrichener Flugverbindungen im Ausland festsitzen, konnte sie nach eigenen Angaben noch nicht beziffern. Dabei betonte sie: "Spekulationen über weitere Rückholaktionen sind im Moment nicht passend." Über das längerfristige Vorgehen werde auf EU-Ebene entschieden.

Bundesaußenminister Heiko Maas dringt bereits auf eine gemeinsame Reaktion der Europäischen Union. Er verwies am Montag darauf, dass dazu noch am Montag eine Koordinierungssitzung in Brüssel stattfindet. "Wir werden uns bei den weiteren Schritten, insbesondere wie die Maßnahmen auch über den 31.12. dieses Jahres hinaus gestaltet werden, sehr eng mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union abstimmen." Damit solle verhindert werden, dass ein Einreisestopp über andere EU-Mitgliedstaaten umgangen wird.

Von: dh, dpa

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