Corona & Pricing (1/5) Die Tarif-Verlockungen während Corona

Themenwoche

Damit Fluggäste in Corona-Zeiten überhaupt buchen, gibt es derzeit auch in günstigen Tarifen viel Flexibilität. Denn ein neuer Covid-19-Ausbruch ist jederzeit und überall möglich. Die meisten Fluggesellschaften haben das Problem erkannt und reagieren mit Kulanz.

Flexibel durch Corona fliegen. © Adobe Stock

Die Corona-Einschränkungen weltweit verschwinden langsam und die Reiselust steigt wieder. Ganz auszuschließen sind zukünftige Probleme allerdings nicht. Neue Sars-Cov-2-Ausbrüche sind regional jederzeit möglich. Wer also während Corona fliegt, muss seine Reise möglicherweise verschieben. Die Fluggesellschaften lösen das Problem derzeit mit unterschiedlichen, meist sehr kulanten Regeln. Teil 1 der airliners.de-Themenwoche "Corona & Pricing".

Kulanz gilt fast überall

Die typischen Konditionen und Beschränkungen bei der Buchung von Flugtickets sind bei zahlreichen Fluggesellschaften derzeit ausgesetzt. In der Regel lassen die Airlines ihre Kunden während Corona selbst in den günstigsten Tarifen ohne größere Einschränkungen umbuchen. Es müssen dabei lediglich die Preisdifferenzen für eventuell höherpreisige Tarife gezahlt werden. Manchmal gibt es sogar noch Gutscheine.

Die Corona-Krise sorgt damit für deutliche Vorteile auf Seiten der Kunden. Das gilt insbesondere für Full Service Carrier, die weitgehende Neuregelungen geschaffen haben, die mitunter ganze Gruppen von Airlines betreffen. Aber auch Low-Cost-Carrier arbeiten mit kundenfreundlichen Methoden, wenn auch mit stärkeren Einschränkungen. Bei den Netzwerk-Carriern sind die Umbuchungsregelungen denn meist auch sehr viel kulanter.

Im Unterschied zu den Billigfliegern lassen die großen Netzwerker ihre Kunden beispielsweise oft sogar auf andere Strecken umbuchen. Gerade im Langstreckengeschäft sind Kulanzen aber auch umso wichtiger. Erstens geht es dabei tendenziell um sehr viel mehr Geld und zweitens ist die Corona-Lage weltweit aktuell noch mit viel größeren Unsicherheiten verbunden, als bei Reisen innerhalb Europas, wo die großen Billigflieger Ryanair, Easyjet, Wizz Air und Eurowings unterwegs sind.

Billigflieger-Tickets sind plötzlich flexibel

Easyjet beispielsweise bietet derzeit zwei Wochen vor Abflug unter Umständen eine kostenlose Umbuchung an. So heißt es auf der Homepage der Fluggesellschaft: "Sie können ihre Flüge bis zu 14 Tage vor Abflug umbuchen, ohne dass eine Umbuchungsgebühr für die Änderungen anfällt, solange Reisebeschränkungen bestehen."

Der Knackpunkt ist allerdings, dass eine wie auch immer geartete Corona-Reisebeschränkung bestehen muss. Auch die restlichen Regeln für Ausnahmefälle sind recht komplex, sodass Easyjet online extra einen sogenannten "Covid-19-Help-Hub" eingerichtet hat. Dort lassen sich zahlreiche individuelle Szenarien eingeben - die für den jeweiligen Fall entsprechenden Kulanzregelungen werden dann angezeigt.

Ryanairs Kulanzregelung sieht anders aus. Hier ist derzeit pauschal die Umbuchungsgebühr für alle Flüge ausgesetzt, die im Juli oder August 2020 stattfinden. Im Zweifelsfall lassen sich Reisen so bis zum Jahresende verlegen. Die Regelung ist leicht verständlich und ziemlich kulant. Wie üblich ist eine Tarifdifferenz zu bezahlen. Bei besonders günstigen Flügen kann es also durchaus ein deutlicher Aufpreis fällig werden.

Flexibilität für einen Euro bei Wizz Air Foto: © airliners.de

Einen besonders einfachen Weg beschreitet dagegen Wizz Air. Es gibt nämlich bei den Ungarn keine speziellen Kulanzregeln. Stattdessen bewirbt der Ultra-Low-Cost-Carrier auf seiner Homepage eine kostenpflichtige Flex-Option. Auf Nachfrage von airliners.de bestätigte dies Wizz Air. Im Normalfall macht die Flex-Option die Flüge je nach Grundpreis schnell recht teuer. Doch bis Ende Juni läuft eine Preisaktion, die im günstigsten Basis-Tarif eine Flexibilität für einen Euro pro Strecke bietet.

Das Sonderangebot versteckt Wizz Air dann aber auf der dritten Seite des Buchungsprozesses für den Basis-Tarif zwischen den Kofferoptionen. Die Kunden müssen also ganz genau aufpassen, damit sie das Sonderangebot nicht mit dem normalen Flex-Tarif verwechseln, der für viel mehr Geld in der Standard-Tarifübersicht gleich zu Beginn der Buchung sehr prominent angeboten wird.

Die Lufthansa-Tochter Eurowings erlaubt dagegen Umbuchungen ganz ohne Aufpreis, und zwar sogar in beliebiger Anzahl. Das gilt für alle bereits gebuchten Flüge mit einem Abflugdatum bis Ende Oktober 2021. Für Neubuchungen, die bis zum 15. August 2020 getätigt werden, gilt dieselbe Regelung. Eurowings setzt laut FAQ aber auf eine Frist von 14 Tagen vor Abflug. Der neue Flug muss dann bis zum 31. Dezember 2021 stattfinden.

Die Lufthansa-Gruppe arbeitet mit Bonus-Vouchern

Die Lufthansa-Group-Airlines Lufthansa, Swiss und Austrian bieten unter Umständen bei Umbuchung einen Gutschein für zukünftige Reisen. Foto: © airliners.de

Kulanz heißt also nicht unbedingt weniger Komplexität. Das ist auch bei der Lufthansa so. Wer noch bis zum 30. Juni 2020 bucht, der genießt recht freizügige Regelungen. Alle Flüge, die bis zum 30. April des Jahres 2021 durchgeführt werden, lassen sich bis Ende Januar 2021 kostenfrei umbuchen und das neue Flugdatum darf bis Ende 2021 gelegt werden. Die Umbuchung muss allerdings vor Ende August 2020 erfolgen. Wie üblich ist gegebenenfalls eine Tarifdifferenz zu zahlen.

Der Fluggast muss also gleich fünf unterschiedliche Daten im Kopf haben. Komplizierter geht es eigentlich kaum noch. Immerhin lässt sich sogar das Reiseziel flexibel verändern. Gerät ein Land also in eine neue Corona-Krise, kann auf eine andere Destination ausgewichen werden, vorausgesetzt, dies passiert bis Ende August 2020. So einen Länderänderungs-Service lassen sich Airlines normalerweise sehr teuer bezahlen, wenn er denn überhaupt möglich ist. Statt ein Storno zu riskieren, öffnet die Airline derzeit lieber das gesamte Streckennetz.

Von: Andreas Sebayang

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