Beruf & Karriere Imker an Flughäfen sind nicht nur für leckeren Honig im Einsatz

Airport-Imker darf sich in Deutschland nur eine Handvoll Menschen nennen. Sie stammen zumeist aus dem Umfeld des jeweiligen Flughafens und liefern mit ihrem Job die Basis für ein Biomonitoring der Luftqualität.

Airport-Imker Holger Hering erntet den ersten Flughafenhonig in Dortmund. © Dortmund Airport / Jörg Schimmel

Dass an einem Flughafen geflogen wird, liegt in der Natur der Sache. Und dass alles reibungslos funktioniert, dafür sorgen Tausende Mitarbeiter an den deutschen Verkehrsflughäfen am Boden und in der Luft.

Um „Fliegerei“ im weitesten Sinne geht es aber auch bei einem Job, der wohl zu den seltensten überhaupt an einem Flughafen gehört: An einigen Airports hat man sich der Bienenzucht verschrieben. Doch der Einsatz von Imkern ist keine Liebhaberei, sondern hat einen wichtigen Hintergrund.

So geht man beispielsweise am Flughafen München auf diese Weise in einem freiwilligen Projekt bereits seit 2008 der Frage nach, welchen Einfluss der Betrieb eines internationalen Flughafens auf Nahrungsmittel wie Honig hat, die im Umland erzeugt werden. Beauftragt wurde dafür ein Imker aus der Region. Im Labor werden die Proben von Pollen, Wachs und Honig auf Rückstände von Schadstoffen untersucht, die zum Beispiel beim Flugverkehr entstehen können.

Mehr Informationen zum Honig-Monitoring

Einen umfangreichen, aktuellen Bericht zum Honigmonitoring am Flughafen München gibt es hier.

Über 400 Gläser Flughafenhonig

Die Untersuchungen ergaben, dass der Flughafenbetrieb keinen Einfluss auf Pollen, Wachs und Honig hat. Vielmehr bestätigte das Monitoring, dass Honig aus der Airportregion hinsichtlich der untersuchten Stoffe völlig unbelastet ist, teilte der Münchener Flughafen mit. Auch die vor wenigen Tagen ausgewertete erste Honig-Ernte am Dortmund Airport zeugt von einer hohen Umweltqualität. Die vom Honiglabor der QSI aus Bremen getesteten Proben waren nicht mit Schadstoffen belastet, teilte der Airport mit.

In Dortmund ist Holger Hering, hauptamtlich Mitarbeiter der Flughafen-Feuerwehr, als Airport-Imker im Einsatz. „Rund 60 Prozent der 220 Hektar Flughafen-Gelände sind Grünfläche. Zusammen mit den umliegenden Feldern ist das ein gutes Umfeld für Bienenzucht“, sagt er. Dass bei der ersten Ernte nur rund 38 Kilogramm Honig angefallen sind, hat seinen Grund: „Der milde, kurze Winter hat viele Pflanzen zu früh blühen lassen. Gleichzeitig konnten die Bienen im durchwachsenen April kaum ausfliegen“, so Hering. In einem guten Jahr seien bis zu 150 Kilogramm möglich.

Ein ähnlicher Ertrag wurde schon in den Vorjahren regelmäßig am Flughafen Hamburg erzielt. Dabei sind 150 Kilogramm eine stolze Leistung: Für ein Kilogramm Honig müssen die Bienen auf etwa 150.000 Flügen rund 15 Millionen Blüten besuchen. In diesem Jahr brachten die Früh- und Sommertracht, so der Imker-Fachbegriff, insgesamt rund 110 Kilogramm - das entspricht 440 Gläsern Flughafenhonig. Herr über die Bienen ist in Hamburg Ingo Fehr, im Hauptberuf ist er Flughafenökologie am Airport.

Auch in der Hansestadt war der Honig - wie auch am Flughafen Dresden - lebensmitteltechnisch stets einwandfrei. Das Gleiche gilt für den Flughafen Leipzig, an dem sich wie in Dresden ein Imker aus der Region um die Bienen und den Flughafen-Honig kümmert.

Neben den bereits genannten Flughäfen wird unter anderem auch in Berlin seit dreieinhalb Jahren auf Bienen-Biomonitoring am Flughafen gesetzt. Insgesamt geht der Flughafenverband ADV von derzeit acht Airports mit einem Imker aus. Diese sind meist auch mit anderen Bienenvölkern im Umfeld des Flughafens beschäftigt. Es gibt aber auch, wie zum Beispiel in Dortmund oder Hamburg, Flughafen-Mitarbeiter, die das Imkern mitübernehmen.

Ein Vollzeitjob ist der Imker am Flughafen also nicht, der Titel "Airport-Imker" wird weiterhin einigen wenigen vorbehalten bleiben. Aber der Bienenzüchter ist zum einen ein gutes Beispiel für die Job-Bandbreite an den Verkehrsflughäfen und zum anderen dafür, wie diese sich um möglichst umweltschonendes Arbeiten engagieren.

Von: airliners.de

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