IGL-Kabinenvertretung will Ufo-Vakuum füllen

Die IGL treibt die Ausgründung für die Kabinenvertretung schnell voran, auch wegen der ungewissen Zukunft der Ufo. Die neue Gewerkschaft will vieles anders machen. Experten sehen eine dritte Kabinengewerkschaft kritisch.

Outfit von Lufthansa-Crews. © Lufthansa Group

Die Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL) hat angekündigt, eine Kabinenvertretung zu gründen. Damit positioniert sich die noch junge Gewerkschaft direkt gegen die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (Ufo).

Die derzeit chaotische Situation bei der Ufo sei ausschlaggebend für den Vorstoß gewesen, erläutern IGL-Gründungsmitglieder Daniel Wollenberg und Mehrdad Samak-Abedi‎ im Gespräch mit airliners.de: "Da niemand weiß, ob es die Ufo morgen noch gibt, haben wir uns entschlossen eine Alternative zu schaffen", so Vize-IGL-Chef Wollenberg. Auch die Lufthansa benötige einen verlässlichen Tarifpartner.

Angesprochen auf die neue Konkurrenz kontert der stellvertretende Vorsitzende der Ufo Daniel Flohr, dass die Ufo zweieinhalb Jahrzehnte gebraucht habe, um sich als Spartengewerkschaft zu etablieren – das wüssten auch die Ufo-Mitglieder."

Flohr warnt davor, dass die gerade stattfindende Spaltung das genaue Gegenteil von den eigentlichen Zielen bewirke. Wenn drei Gewerkschaften um die Kabine buhlen, würden alle schwächer. "Besser wäre es mit einer Stimme zu sprechen", so der Ufo-Vize.

Wichtig ist derweil aus IGL-Sicht vor allem eine Verringerung der Komplexität bei den Tarifverträgen, so Samak-Abedi. Die noch von Ex-Ufo-Chef Baublies ausgehandelten 29 Einzelverträge bei der Lufthansa-Tarifeinigung hätten sich im Nachhinein als kontraproduktiv für die Mitarbeiter erwiesen. "Wir müssen es schaffen, dass man den Tarifvertrag auch nach einem zwölfstündigen San-Francisco-Flug noch versteht".

Lufthansa zeigt sich abwartend

"Es ist nicht an Lufthansa, zu definieren, wer die gewerkschaftliche Vertretung der Kabine ist", teilte eine Lufthansa-Sprecherin auf Anfrage von airliners.de mit: "Uns ist wichtig, dass die Kabine eine verlässliche, stabile und unabhängige Gewerkschaft hat, über die sie ihre Interessen wahrnehmen kann."

Lufthansa verlangt aktuell von der Flugbegleitergewerkschaft Ufo, sich neu aufzustellen. Vorher will der Konzern nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren. Weil Ufo die eigenen Verträge gekündigt hat - was Lufthansa nicht anerkennt - kommt es aktuell gleich an mehreren Stellen zu Problemen.

Mit einem "neuen Spirit" hofft die neue IGL-Kabinengewerkschaft daher auf eine breite Unterstützung in den Reihen der rund 24.000 Mitarbeiter in den Lufthansa-Kabinen. Viel mehr ist es noch nicht, denn bislang hat die Gewerkschaft weder eine konkrete Agenda noch die Anerkennung der Lufthansa als Tarifpartner.

Screenshot der IGL-Facebook-Seite. Foto: © IGL

Der nächste wichtige Schritt wird nun aus Sicht der IGL die konstituierende Sitzung, die für Ende Oktober/Anfang November angesetzt ist. Erst dann könne man sich in der gewählten Vertretung mit konkreten Zielen beschäftigen und mit Versprechen antreten.

Dabei will Wollenberg die Fehler der Ufo vermeiden. "Es wird bei der IGL wirklich um die Belange der Mitarbeiter in der Kabine gehen und nicht mehr vorrangig um die Eigeninteressen des Gewerkschaftspersonals", verspricht Wollenberg und spielt damit auf die Führungs-Querelen und Untreue-Vorwürfe bei der Ufo an.

"Wichtig ist, dass wir im persönlichen Gespräch überzeugen - auch um die noch herrschende Berührungsangst abzubauen", so Wollenberg. "Denn viele unserer Kolleginnen und Kollegen verbinden die IGL mit Ex-Ufo-Chef Baublies und treten uns mit einer Portion Misstrauen gegenüber".

Dennoch setzt die IGL auf ehemaliges Ufo-Vorstandpersonal. Geschäftsführer der neuen Gewerkschaft ist seit April Thomas Klappert, was laut Wollenberg aufgrund der Sachkenntnis des Ex-Ufo-Chefs ein großer Vorteil sei.

Konkurrenz kommt auch von Verdi

Mit dem Engagement stellt sich die IGL aber auch gegen Verdi, die in Deutschland Flugbegleiter-Tarifverträge mit Eurowings und LGW ausgehandelt hat.

Verdi könne diese Aufgabe aber nach Ansicht der IGL nur schwerlich bei der Lufthansa übernehmen, da die Gewerkschaft "keine Luftfahrt-DNA" besitze: "Die Kabine hat eine Vertretung verdient die, die Probleme und Wünsche der Kabine kennen", so Wollenberg. Verdi hat sich auf Anfrage von airliners.de bisher nicht zur IGL geäußert.

Experte sieht IGL-Ausgründung kritisch

Laut Tarifexperte Eckhard Bergmann ist eine Ausgründung der IGL für die Durchsetzungsfähigkeit der tariflichen Flugbegleiter-Interessen nicht dienlich. Da nunmehr drei Gewerkschaften auf dem Gebiet konkurrieren: Verdi, Ufo und nun auch IGL. Ob die IGL im Bereich des Kabinenpersonals überhaupt tariffähig werden kann, sei aufgrund dieser Konkurrenz um Mitglieder vorerst nicht absehbar.

"Für die Airlines wird die Tarifpartnerschaft auch durch die Tarifkollisionsregeln nach §4a Tarifvertragsgesetz durch eine dritte Gewerkschaft einerseits aufwändiger, andererseits hat man es so mit geschwächten Einzelpositionen zu tun."

Von: br

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