IGL gründet Interessen-Vertretung für Flugbegleiter

Einst waren es Ufo-Leute, die den Aufbau der Dachgewerkschaft IGL für alle Beschäftigten der Luftfahrt voran trieben. Jetzt wendet sich diese inmitten der Ufo-Krise ab und will die Flugbegleiter selbst vertreten.

Flugbegleiterinnen von Eurowings und Germanwings. © Eurowings / Athenea Diapouli-Hariman

Die Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL) hat die Gründung eines neuen Bereichs für Kabinenpersonal beschlossen. Dieser soll für Flugbegleiter in Deutschland "eine durchsetzungsfähige und solidarische Interessensvertretung" organisieren, teilte die IGL jetzt mit.

Der Vorstoß der bereichsübergreifenden Gewerkschaft, die 2015 mit dem Ziel gegründet wurde, zur Arbeitnehmervertretung für alle 300.000 Beschäftigten in der deutschen Luftverkehrsbranche zu werden, erfolgt in einer Phase der Unsicherheit bei der bisher wichtigsten Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo.

"Der Kabine fehlt eine tarifpolitische Perspektive. Die Kolleginnen und Kollegen auf der Strecke verdienen eine handlungsfähige Vertretung, die die vielen Baustellen bei zum Beispiel der Lufthansa konstruktiv und unbelastet angeht", zitiert die Gewerkschaft Markus Bierl, Purser der Deutschen Lufthansa.

Der Aufbau des Bereiches "Cabin Union CU@IGL" sei angesichts der aktuellen gewerkschaftlichen Situation dringend notwendig; die Handlungsfähigkeit der Kabine müsse vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen für unsere Berufsgruppe wiederhergestellt werden. Vorangegangen seien intensive Gespräche zwischen aktiven und interessierten Kollegen und der IGL.

Daniel Wollenberg, stellvertretender Vorsitzender der IGL ergänzt: "Die Gründung des Bereiches Kabine angesichts des großen Interesses der Kolleginnen und Kollegen aus der Kabine ist ein starkes Signal. Durch die Organisation dieser großen Berufsgruppe werden wir die noch stärkere Stimme aller Beschäftigten im Luftverkehr."

Nach den Worten des Vize-Vorsitzenden will die IGL die Interessen von Technikern, Logistikern und Flugbegleitern bei der Lufthansa bündeln und das Unternehmen dann zu Verhandlungen bewegen. Für neue Gewerkschaften ist es allerdings immer problematisch, von den Arbeitgebern als tariffähig anerkannt zu werden.

Lufthansa lässt Vertretungsberechtigung gerichtlich klären

Das muss aktuell auch die bislang für Flugbegleiter etablierte Ufo feststellen. Im festgefahrenen Streit um gekündigte Tarifverträge hatte Lufthansa in der vergangenen Woche mitgeteilt, die Vertretungsberechtigung von Ufo gerichtlich klären zu lassen. Lufthansa und ihre Tochter Eurowings lehnen es seit Monaten ab, mit der Ufo Tarifverhandlungen zu führen. Auch intern gab es gegenseitige Vorwürfe der Untreue und staatsanwaltschaftliche Ermittlungen.

© dpa, Fredrik Von Erichsen Lesen Sie auch: Lufthansa lässt Gewerkschaftsstatus von Ufo gerichtlich klären

Die Ufo hatte zuletzt eine bereits begonnene Urabstimmung über Streiks des Kabinenpersonals bei Eurowings ausgesetzt. Vorangegangen ist ein heftiger Führungsstreit in der Spartengewerkschaft, in dessen Verlauf zahlreiche Mitglieder des Vorstands wie auch des Beirates zurückgetreten sind, darunter der langjährige Gewerkschaftschef Nicoley Baublies.

IGL ist Baublies-Idee

Baublies gehörte in seiner Funktion als Ufo-Chef 2015 zu den treibenden Kräften bei der Gründung der IGL. Diese sollte zunächst vor allem der der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi beim Bodenpersonal Konkurrenz machen und auch zur Dachorganisation für die Pilotengewerkschaft VC, die Gewerkschaft der Flugsicherung (GDF) und Ufo werden.

Dies gelang jedoch nicht, weshalb die IGL im Frühjahr dieses Jahres einen "Neustart" verkündete. Man wolle sich künftig nicht mehr als Dachverband sondern als eigenständige Gewerkschaft verstehen, bei der anderen Branchen- und Industriegewerkschaften Mitglied werden können. Daher sollten auch wieder Gespräche mit weiteren Luftfahrt-Gewerkschaften und Verbänden geführt, um "die Möglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit auszuloten".

© dpa, Fredrik von Erichsen Lesen Sie auch: Dachgewerkschaft IGL wird in weiteren Bereichen aktiv

Im Verhältnis zur Ufo stehen die Zeichen nun auf offene Konfrontation, trotz der gemeinsamen Pläne aus den Gründungstagen der IGL. Dass der Vorstoß zur Vertretung aller Flugbegleiter in Deutschland auf die derzeitige Schwäche der Ufo abzielt, wird in der IGL-Mitteilung deutlich.

Aber die IGL legt sich nicht nur mit der Ufo an. Etliche Flugbegleiter sind aktuell auch bei der Verdi organisiert.

Von: dk

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