IGL warnt vor Gewerkschafts-Chaos in der Lufthansa-Kabine

Um die Vertretung der rund 20.000 Kabinenmitarbeiter bei der Lufthansa tobt ein erbitterter Kampf zwischen drei Gewerkschaften. Während Ufo mit Streiks droht, wendet sich Lufthansa an Verdi. Jetzt wählt die IGL ihre Vertreter für einen neuen Kabinenbereich.

Lufthansa-Stewardess auf einer Messe © dpa / Inga Kjer

Die Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL) steht kurz davor, eine Tarifkommission für einen neu gegründeten Bereich Kabine zu wählen. Ziel ist nach Angaben der IGL, eine "durchsetzungsfähige und solidarische Interessensvertretung" für Flugbegleiter in Deutschland zu organisieren.

Am 11. November seien nun alle Kabinenmitarbeiter aufgerufen, an einer konstituierenden Sitzung zur Wahl eines Vorstands samt Beirat und Tarifkommission für den neuen IGL-Bereich "Cabin Union" teilzunehmen, sagte Daniel Wollenberg, stellvertretender Vorsitzender der IGL jetzt zu airliners.de. Der Vorstand werde sich zeitnah nach seiner Wahl mit einer Einladung für Sondierungsgespräche an die Lufthansa wenden.

Bei der Lufthansa tobt aktuell ein Kampf der Gewerkschaften um die Kabinenvertretung. Nachdem die Lufthansa den aktuellen Vorstand der Flugbegleitergewerkschaft Ufo nicht mehr anerkennt, wendet sie sich nun der Verdi zu und führt Sondierungsgespräche.

© dpa, Georg Wendt Lesen Sie auch: Lufthansa und Verdi verhandeln über einen Tarifvertrag für das Kabinenpersonal

Die von internen Streitigkeiten zuletzt geschwächte Ufo reagierte scharf auf die drohende Tarif-Konkurrenz. Man vertrete immer noch die deutliche Mehrheit der Flugbegleiter bei der Lufthansa-Kerngesellschaft, sagte ein Gewerkschaftssprecher. Lufthansa und Konkurrenz-Gewerkschaften versuchten gemeinsam, die laufenden Urabstimmungen zu beeinflussen und Austritte der Ufo-Mitglieder zu provozieren. Dafür würden "Tarifgeschenke" versprochen.

IGL will ebenfalls Sondierungen

Auch die IGL ist nach Angaben Wollenbergs schon jetzt zu Gesprächen mit der Lufthansa bereit. "Wir müssen etwas verändern," sagt der Gewerkschafter und warnt: "Je länger das Drama um die Ufo andauert, desto gewerkschaftsmüder werden die Mitarbeiter. Die Lufthansa kann das auch aussetzen."

Falls Lufthansa mit der Verdi einen Tarifvertrag aushandelt, würde die Ufo diesen nicht mittragen. Das Thema würde dann ein Fall für das Tarifeinheitsgesetz. "In diesem Fall droht das absolute Chaos", so Wollenberg. Das sei nicht im Sinne der Mitarbeiter und nicht im Sinne der Lufthansa.

Nach Ansicht der IGL wird die Lufthansa nicht mit den handelnden Personen der Ufo zusammenarbeiten. Dabei gehe es mittlerweile nicht mehr um Themen, sondern nur noch um Befindlichkeiten. Lufthansa brauche einen "verlässlichen Partner", so Wollenberg, Verdi tue sich aber seit Jahren schwer damit, in der Lufthansa-Kabine Akzeptanz zu finden.

Allerdings hat Verdi bereits mit dem Lufthansa-Billigflieger Eurowings einen Tarifvertrag für Flugbegleiter ausgehandelt. Auch in der Lufthansa-Kabine gibt es Anhänger.

© dpa, Frank Rumpenhorst Lesen Sie auch: Am Freitag entscheidet sich die künftige Ufo-Strategie

Die Spartengewerkschaft Ufo ist seit 2002 Tarifpartner des Airline-Konzerns, Streiks der Flugbegleiter hatte sie in den Jahren 2012 und 2015 organisiert. Lufthansa erkennt den Ufo-Vorstand aktuell nicht an und will vor Gericht klären lassen, ob die Gewerkschaft noch tariffähig ist.

Am kommenden Freitag entscheidet eine Ufo-Mitgliederversammlung über eine mögliche Abwahl des Vorstands sowie eine neue Wahlordnung. Zudem läuft die Frist für die Urabstimmungen zu Streiks bei Lufthansa und vier weiteren deutschen Flugbetrieben des Lufthansa-Konzerns aus.

Von: dh

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