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Iata veröffentlicht internationalen Appell für Grenzöffnungen

Der Zusammenbruch des internationalen Luftverkehrs wird immer mehr zur Existenzbedrohung für die Branche, zumal Besserung nicht in Sicht ist. Stattdessen verlaufen die Ansätze Reiseerleichterungen allerorten im Sande, beklagt die Iata.

Flugzeuge von Austrian Airlines am Flughafen Wien. © AirTeamImages.com / Chris Jilli

Die Situation ist dramatisch, daran lässt die Iata keinen Zweifel: "Dieser Aufruf spiegelt die tiefe Frustration der Luftfahrtbranche wieder" - ungewöhnliche Worte in der Einleitung einer Pressemitteilung des Weltluftfahrtverbandes. Man rufe die Regierungen weltweit eindringlich zur Zusammenarbeit auf, um die globale Konnektivität durch eine Öffnung der Grenzen wiederherzustellen, fährt die Iata fort.

Geschlossene Grenzen, Reisebeschränkungen und Quarantänepflicht würden nach wie vor die Nachfrage nach internationalen Reisen weitgehend zunichte machen, so die Mitteilung. So habe der internationale Reiseverkehr im Juli global fast 92 Prozent unter den Vorjahreswerten gelegen.

"Der Schutz ihrer Bürger muss die oberste Priorität der Regierungen sein", räumt Iata-Generaldirektor Alexandre de Juniac zwar ein, doch die Schließung von Grenzen könne beileibe nicht die einzige und wichtigste Maßnahme bei der Pandemiebekämpfung sein. Schlimmer noch, die Regierungen änderten die Einreisebestimmungen stetig, ohne die Reisenden davon in Kenntnis zu setzen oder sich mit ihren Handelspartnern abzustimmen. Die resultierende Unsicherheit hätte extrem negative Auswirkungen auf die Nachfrage. Es sei verwunderlich, dass sie nicht angegangen werde, da rund zehn Prozent der Weltwirtschaft vom Reiseverkehr und Tourismus getragen würden, so de Juniac.

© Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, Günter Wicker Lesen Sie auch: Quarantänepflicht bei Einreise aus Risikogebiet kommt ab Oktober

Dabei gebe es mit dem Leitfaden "Take-off Guidance" der UN-Luftfahrtbehörde Icao seit Monaten klare Fahrpläne zur sicheren Wiederaufnahme des Luftverkehrs, sie fänden jedoch zu wenig Anwendung. Der Leitfaden decke alle Aspekte eines möglichen hohen Infketionsschutzes im Luftverkehr ab, inklusive sanitärer Maßnahmen. Es brauche nun globale Führung durch die Zusammenarbeit der Nationalstaaten, mahnt de Juniac. Das Risikomanagement müsse differenziert und an die jeweilige Situation angepasst werden, andernfalls drohe eine langanhaltende Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit. Ab einem bestimmten Punkt müsse man sich dabei sogar fragen, wann die Gesundheitsschäden einer tiefen Wirtschaftskrise jene der Pandemie übertreffen.

EU-Kommission sieht Freizügigkeit gefährdet

Ins gleiche Horn wie die Iata bläst auch die Europäische Kommission. Auch sie wirbt für eine stärkere Koordinierung der Nationalstaaten. Einschränkungen der Freizügigkeit innerhalb der EU solle es nur dann geben, "wenn es zur Eindämmung von Gesundheitsrisiken unbedingt notwendig ist", sagte ein Sprecher der Kommission. Zudem solle das Vorgehen "koordiniert, verhältnismäßig und nicht diskriminierend sein".

© dpa, Arne Dedert Lesen Sie auch: Lufthansa droht mit Massenentlassungen

In einem Brief an die Mitgliedsstaaten und an Großbritannien hatte die Kommission bereits Anfang August darauf hingewiesen, dass es wichtig sei, eine zweite Welle von unkoordinierten Maßnahmen an den Binnengrenzen der EU zu vermeiden. Demnach sollten beispielsweise nicht allein aufgrund steigender Fallzahlen neue Beschränkungen eingeführt werden.

Insgesamt solle mit Nachbarstaaten nicht wohlwollender umgegangen werden als mit anderen EU-Ländern. Auch eine vorherige Konsultation mit betroffenen Staaten sei unerlässlich. Bislang ist es in dieser Hinsicht allerdings bei Appellen geblieben, die nichts an der wachsenden Zahl nationaler Alleingänge geändert hat, wie etwa Ungarns Grenzschließung zeigt, schreibt "Reisevor9". Eine wirksame Handhabe habe die Kommission dagegen offenbar nicht.

Von: dk

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