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"Hochriskante Flugführung" - Pilotenfehler führte zu JU-52-Absturz

Dem Absturz einer Ju-52 in der Schweiz 2018 ging ein riskantes Manöver der Piloten voraus, heißt es im behördlichen Abschlussbericht. Der Betreiberverein will die Pilotenauswahl und -Ausbildung verbessern.

Ju-52 der Ju-Air im Flug © Ju-Air

Pilotenfehler waren 2018 für den tödlichen Absturz eines Oldtimer-Flugzeugs mit 20 Menschen an Bord in der Schweiz verantwortlich. Das berichtete die Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) in ihrem Abschlussbericht. Sie sprach von einer "hochriskanten Flugführung". Die erfahrenen Piloten im Alter von 62 und 63 Jahren hätten die Maschine in geringer Höhe und mit gefährlich tiefer Geschwindigkeit in ein enges Tal geflogen. Als das Flugzeug in Turbulenzen geriet, hätten sie die Kontrolle verloren und keinen Raum gehabt, die Maschine aufzufangen.

Die rund 80 Jahre alte Maschine vom Typ Junkers Ju-52, im Volksmund "Tante Ju" genannt, war am 4. August 2018 im Kanton Graubünden in einem Wandergebiet auf mehr als 2500 Metern Höhe abgestürzt. Es gab keine Überlebenden. Die Maschine gehörte der Ju-Air, die ein Verein von Flugenthusiasten betreibt. Er bot Rundflüge und Kurzreisen an. Die Passagiere waren auf dem Rückflug von Locarno nach Zürich.

Piloten der Ju-Air hätten öfters Regeln für den sicheren Flugbetrieb nicht eingehalten und seien bei Flügen mit Passagieren hohe Risiken eingegangen, heißt es in dem Bericht. Der Betreiberverein habe die Risiken nicht erkannt und das Bundesamt für Zivilluftfahrt als Aufsichtsbehörde habe viele Sicherheitsprobleme übersehen. Der Verein erhielt im November 2018 ein Flugverbot. Das Verkehrsministerium ordnete im vergangenen Jahr bereits eine Überprüfung der Tätigkeit des Bundesamtes an. Es habe auch technische Mängel an der Maschine gegeben, die sich aber nicht auf den Unfall ausgewirkt hätten.

Der Verein will aus dem Abschlussbericht lernen und den Flugbetrieb 2023 wieder aufnehmen, wie er mitteilte. Die Auswahl, Ausbildung und Kontrolle von Piloten werde verbessert. Die Wartung der beiden verbliebenen Maschinen sei inzwischen ausgelagert worden. "Die Totalüberholung hat ein technisch neuwertiges Flugzeug zum Ziel, welches danach wieder über viele Jahre sicher betrieben werden kann."

Von: dk, dpa

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