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Hintergrund Spanien startet Billigschnellzüge gegen die Luftfahrt-Kurzstrecke

Auf einer der meistbeflogenen innereuropäischen Flugstrecken greift die spanische Bahn jetzt mit Billigzügen ab fünf Euro an. In Frankreich entdeckt man zur Reduzierung des Luftverkehrs den Nachtzug neu. Hierzulande bahnt sich derweil neue Konkurrenz für die ICE-Angebote der Deutschen Bahn an.

Baureihe 112 als Avlo bei Renfe © Renfe

Spanien führt eine neue Zugkategorie ein, Frankreich will das Nachtzugnetz deutlich ausbauen und durch Deutschland fahren andere Bahnunternehmen, die dem Kurzstreckenverkehr per Flugzeug Fahrgäste abnehmen wollen. Im Zuge der EU-Klimapolitik bekommen neue Ansätze viel Unterstützung.

Die Ansätze für die neue Kurzstrecken-Konkurrenz auf der Schiene sind ohnehin sehr unterschiedlich. Mal geht es vor allem gegen die Billigflieger und mal in der Tendenz eher um die Fluggäste, die bislang Linien fliegen, aber durchaus auf die Bahn wechseln würden, wenn es denn Angebote gäbe.

Spaniens neuer Billigschnellzug

Spaniens Bahngesellschaft Renfe führt derzeit eine neue Zuggattung namens "Avlo" ein. Tickets für den "Alta Velocidad Low Cost" werden bereits zu werbewirksamen fünf Euro pro Richtung verkauft. Das Angebot ist aber kontingentiert. Nach der Werbemaßnahme sollen die Tickets aber auch erschwinglich bleiben, mit angekündigten zehn bis maximal 60 Euro.

Die erste Strecke ist die Hochgeschwindigkeitsroute zwischen Madrid und Barcelona. Die Verbindung zwischen den spanischen Metropolen gehört zu den am stärksten frequentierten Routen der Welt, innerhalb Europas ist es sogar die am meisten beflogene Route. Sogar zu Corona-Zeiten gibt es noch regen Flugverkehr.

Das Konkurrent-Billigangebot der Bahn soll Ende Juni starten. Bei einer Stichprobe lagen die Preise für die Verbindung im Sommer in der Regel zwischen 19 und 45 Euro. Ein Fünf-Euro-Ticket konnte airliners.de nicht mehr entdecken. Vor allem Freitage sind in der Tendenz teuer.

Zunächst wird der "Avlo" vier Mal pro Tag je Richtung verkehren. Die Fahrzeiten sind dabei nur teilweise attraktiv, nämlich bei 2:30 Stunden für die schnellste Fahrt. Die langsamste Verbindung, mit vielen Unterwegshalten, braucht aber 3:26 Stunden. Für das spanische Bahnsystem ist beim Vergleich der Zeiten mit dem Flug allerdings wichtig zu wissen, dass im Fernverkehr - wie an Flughäfen - mit Boarding und Sicherheitskontrollen gearbeitet wird. Diese Verfahren sind zwar nicht so aufwendig wie an spanischen Flughäfen, kosten aber dennoch Zeit. Bahnfahren in Spanien hat also keinen Wesentlichen Vorteile in Bezug auf die Vorlaufzeiten, wie etwa in Deutschland, wo Zug-Fahrgäste bis kurz vor dem Abfahrtssignal einsteigen können.

Von: Andreas Sebayang

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