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Warum immer weniger Polen ab Berlin fliegen, © FBB/Screenshot: airliners.de
BER-Webseite auf polnisch. © FBB / Screenshot: airliners.de
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Im Laufe der von Pannen und Verzögerungen geprägten Entstehungsgeschichte des Flughafens Berlin Brandenburg fehlte es nicht an Hochrechnungen, wonach Polen zu einem wichtigen Einzugsgebiet des neuen Großflughafens gehören werde.

Gerade Anfang der 2000er setzte sich die Einschätzung durch, dass Berlin auch in Zukunft von einer steigenden Anzahl polnischer Fluggäste bei (west-)europäischen und transatlantischen Verbindungen als Umsteigeflughafen bevorzugt wird. Seitdem wurden diese Annahmen kaum hinterfragt.

Auch bei späteren Analysen zu Regionalflughäfen konzentrierte man sich in Berlin schwerpunktmäßig auf Dresden, Leipzig, Hamburg und Hannover als potenzielle Konkurrenten. Polnische Regionalflughäfen wie Poznań (Posen), Wrocław (Breslau) und Szczecin (Stettin) wurden dagegen kaum beachtet.

So wurde beispielsweise in einer Analyse aus dem Jahr 2007 die Entwicklung von Poznań-Ławica deutlich unterschätzt. Man ging davon aus, dass dort im Jahre 2020 gerade einmal 1,5 Millionen Passagiere abgefertigt würden.

Die Schätzungen lagen weit daneben – bereits 2018 wurden in Posen knapp 2,5 Millionen Passagiere gezählt. Bis Ende Oktober dieses Jahres wurden in Poznań knapp zwei Millionen Fluggäste abgefertigt.

Anders sieht die Entwicklung in Berlin aus: Gab es zu Rekordzeiten wie im September 2019 noch 3,4 Millionen Passagiere in Tegel und Schönefeld, waren es im selben Monat 2022 nur noch etwas über zwei Millionen. Während die Flughäfen den Wegfall des Home-Carriers Air Berlin schnell ausgleichen konnten, schmerzte der Rückbau der Nachfolger wie Easyjet und Ryanair zuletzt doch sehr.

Neuer Großflughafen verstärkt den Trend

Das bestätigt auch Benedikt Mandel von MKmetric. Der Verkehrsplaner war von der polnischen Regierung beauftragt, das gesamte Luftverkehrssystem in mehrere Entwicklungsvarianten zu untersuchen.

"Ich kann Ihnen versichern, dass Berlin enorm von Polen profitiert. Der polnische Westen ist klares Einzugsgebiet von Berlin und dies reicht bis Posen und Breslau", so Mandel gegenüber airliners.de. Nicht ohne Grund gebe es schon lange zahlreiche Flughafenbusverbindungen aus Westpolen. Durch den Ausbau der Landinfrastruktur in Polen sei dies begünstigt worden.

BER-Einzugsbereich Sommer 2021., © MKmetric GmbH
BER-Einzugsbereich Sommer 2021. © MKmetric GmbH
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Bedingt durch den Einbruch der Angebote am BER sowie des stärkeren Engagements der Lot im eigenen Land ist die Einflusshemisphäre des Flughafens jedoch in den vergangenen Jahren geringer geworden, resümiert Mandel. Dieser Trend werde sich in Zukunft noch verstärken, wenn mit der Umsetzung des Projekts "Centralny Port Komunikacyjny" ein polnischer Zentralflughafen entsteht. Dabei würden jedoch auch die umliegenden polnischen Airports Federn lassen müssen.

Angebot in Polen zuletzt deutlich gewachsen

Genaue Zahlen zur Entwicklung der Fluggäste aus Polen wollte der Flughafen Berlin Brandenburg auf Anfrage nicht mitteilen. Fest steht aber: Während das Flugangebot in Berlin zurückgegangen ist, wurde es für Reisende aus Polen zuletzt im Heimatland deutlich attraktiver.

Die bevorzugten Ziele der westpolnischen Flugpassagiere liegen auf den britischen Inseln und in Irland. Flüge zu diesen Destinationen machen fast ein Drittel des Angebots aus, das mittlerweile von Billigfluggesellschaften direkt von dort angeboten wird.

Die relative Nähe zum Stadtkern, wie zum Beispiel in Poznań, macht es für Passagiere zudem kostengünstig und einfach, binnen kurzer Zeit sowohl mit dem Auto als auch mit dem Stadtbus zum Flughafen zu gelangen. Eine Anreise nach Berlin wird in der Folge in geringerem Maße in Betracht gezogen.

Eine Boing 787 der Lot., © AirTeamImages.com/Yochai
Eine Boing 787 der Lot. © AirTeamImages.com / Yochai
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Doch nicht nur die Billigflieger mit ihrem Direktflugangebot sind ein neuer Faktor in der Konkurenzanalyse für den BER. Auch mit Lot gibt es einen neuen Konkurrenten um die Passagiere aus Westpolen. Die polnische Staatsairline ist seit 2003 Mitglied in der Star Alliance, hat die Flotte zuletzt modernisiert und zwischenzeitlich ein recht umfangreiches Langstreckennetz ab Warschau etabliert.

Lot bietet an allen drei größeren Regionalflughäfen Poznań, Wrocław und Szczecin Linienflüge nach Warschau an, die an allen diesen Standorten zu den wichtigsten Flugverbindungen zählen. Dies zeigt, dass eine nicht unerhebliche Anzahl von Fluggästen Warschau als Umsteigeflughafen für einen Weiterflug nutzt – und nicht mehr Berlin, wie zu Zeiten von Air Berlin.

Hohe Abhängigkeit von Billigfliegern

Polnische Regionalflughäfen sehen sich nach der Corona-Pandemie wieder gut aufgestellt. Die meisten von ihnen konnten an das Wachstum von vor der Pandemie anknüpfen.

Das liegt übrigens nicht nur an Billigfliegern wie Ryanair und Wizz Air, die an den westpolnischen Regionalflughäfen für bis zu 70 Prozent des Verkehrs verantwortlich sind. Zuletzt gelang es verstärkt, auch Linienverbindungen nach Westeuropa zu etablieren.

Vor allem in Wrocław will man die bislang noch große Abhängigkeit von Billigfliegern zurückfahren und bemüht sich neben der Lufthansa um weitere Linienverbindungen, etwa mit KLM aus Amsterdam.

Buzz ist eine polnische Fluggesellschaft mit Hauptsitz in Warschau. Sie hieß früher Ryanair Sun und ist eine Tochtergesellschaft der irischen Ryanair Group., © AirTeamImages.com/Ryan Patterson
Buzz ist eine polnische Fluggesellschaft mit Hauptsitz in Warschau. Sie hieß früher Ryanair Sun und ist eine Tochtergesellschaft der irischen Ryanair Group. © AirTeamImages.com / Ryan Patterson
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Die Lufthansa, die sowohl in Poznań als auch in Wrocław vertreten ist, trägt mit ihren Linienflügen nach Deutschland entscheidend zur Entwicklung der Flughäfen Wrocław und Poznań bei. In Poznań hat die Lufthansa einen Anteil von über 13,5 Prozent und in Wrocław knapp über zehn Prozent. Lufthansa hat bereits weitere Verbindungen aus Frankfurt am Main und München nach Wrocław angekündigt.

Ryanair ist in Wrocław für mehr als die Hälfte aller Flüge verantwortlich. In Poznań-Ławica liegt dieser Anteil sogar bei fast 60 Prozent, allerdings wird hier das Potenzial für noch mehr Charterflüge als besonders hoch eingeschätzt.

Ferienflüge gewinnen an Bedeutung

Ein weiterer Faktor neben Linien- und Low-Cost-Verkehren sind auch an den westpolnischen Regionalflughäfen die Urlaubs- und Charterflüge, die deutlich an Bedeutung zunehmen.

Bis Ende Oktober lag die Anzahl der Passagiere auf Ferienflügen von und nach Poznań bei rund 657.000 – fast doppelt so viel wie noch 2015. Der Flughafen Wrocław verzeichnete in dem Segment zuletzt sogar einen Anstieg um 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

"Der August war ein besonders guter Monat für unseren Flughafen in diesem Segment. Wir haben fast acht Prozent mehr Passagiere abgefertigt als im August 2019. Die Auslastung der Flüge, insbesondere auf beliebten Warmwasserzielen, war ähnlich hoch wie vor drei Jahren und erreichte über 90 Prozent", teilte der Vizepräsident des Flughafens Wrocław, Cezary Pacamaj, mit.

Flugbegleiterinnen von Enter Air, einer polnischen Charterairline., © Enter Air.
Flugbegleiterinnen von Enter Air, einer polnischen Charterairline. © Enter Air.
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Die Ferienflüge lagen auch in Szczecin-Goleniów auf einem ähnlichen Niveau wie vor der Corona-Pandemie. Besonders oft gebucht wurden dabei Flüge in die Türkei. Dennoch hat unter den drei westpolnischen Regionalairports vor allem der Standort in Stettin wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Der Vorsitzende der Flughafengesellschaft, Maciej Dziadosz, sprach kürzlich außerordentlich offen mit den polnischen Medien über die finanziellen Aspekte des Flughafenbetriebs: Die Fluggastzahlen und der Flugverkehr stiegen zwar an, aber daran ließe sich kaum etwas verdienen. Dziadosz machte deutlich, dass man gewinnbringender mit regulären Linienflügen arbeiten könne.

Ukraine-Krieg bremst in Berlin und Polen

Besonders schmerzlich in der aktuellen Situation sind die Auswirkungen der russischen Invasion in der Ukraine auf den Flugverkehr in Polen. Seit dem 24. Februar finden keine zivilen Flüge mehr im ukrainischen Luftraum statt. Vor dem Krieg war die Ukraine gleich nach Großbritannien das beliebteste Flugziel für polnische Fluggäste. Allein die Lot beförderte in den vergangenen Jahren jährlich bis zu vier Millionen Fluggäste zu Zielflughäfen in der Ukraine. Bei der polnischen Fluglinie machten diese Routen im Jahr 2019 etwa sieben Prozent des Gesamtangebotes aus.

Diese Probleme gibt es natürlich auch im Berlin Flugverkehr. Auch hier fehlen im Zuge der Russland-Sanktionen etliche Angebote. Dabei ist die staatliche Aeroflot nicht einmal die einzige russische Airline, die jetzt fehlt. Pobeda, Utair und S7 dürfen nicht mehr nach Berlin kommen, was sie zuvor sehr häufig getan haben. Ukraine International war ebenfalls ein regelmäßiger Gast in der Hauptstadt.

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