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Impfstoffentwicklung (Symbolfoto). © Adobe Stock / Weyo

Mit der Serie zur Corona-Lage ordnet airliners.de seit April 2020 regelmäßig die Sars-Cov-2-Situation speziell für die deutsche Luftfahrtbranche ein. Welche Märkte sind besonders betroffen, welche Entwicklungen stimmen zuversichtlich? Mit diesem Lagebericht präsentieren wir die aktuellen Impffortschritte in den wichtigsten Luftverkehrsmärkten weltweit.

In den ersten Wochen der Impfprogramme zeigte sich bereits: Es ist ein großer Kampf ausgebrochen rund um das rare Gut der Impfstoffe der wenigen Hersteller, die bereits zugelassene Vakzinen liefern können. Obwohl die Geschwindigkeit beispiellos ist, mit der entwickelt und geimpft wird, gibt es zahlreiche Kritik. Auch in Deutschland kann es Vielen nicht schnell genug gehen.

Für den internationalen Luftverkehr ist es allerdings wenig hilfreich, wenn der Impfstoff nicht weltweit gleichmäßig verteilt wird. Das liegt daran, dass viele Destinationen, die sich bisher erfolgreich abschotteten, bei Öffnung ohne Impfung prinzipiell zu neuen Ausbruchsgebieten werden könnten. Das wollen viele Länder verhindern - und so lange geschlossen bleiben, bis das Risiko durch Impfungen in der Bevölkerung gering ist.

In Europa und Nordamerika ist die Impfsituation besonders gut, wie ourworldindata.org anhand der Impf-Einzeldosen zeigt (CC BY 4.0) Ourworldindata.org

Daher ist von besonderem Interesse, wann welches Land mit seinem Impfstoffprogramm startet. Gerade für den Interkontinentalverkehr ist eine signifikante Erholung unwahrscheinlich. Zu den wichtigsten Impfstoffen für Europa hat airliners.de bereits einen ausführlichen Artikel veröffentlicht, der als Grundlage dienen soll. Insbesondere durch die European Medicines Agency war es möglich, dass bereits drei Impfstoffe zugelassen werden konnten.

Der Prozess des Impfens dauert recht lange. Vier bis fünf Wochen vergehen etwa, aufgeteilt auf zwei Dosen, bis die Corona-Impfstoffe Schutz bieten. Und selbst dann gibt es keine vollständige Sicherheit. Denn wissenschaftlich gibt es noch Ungewissheiten. Zum einen ist noch unklar, ob eine geimpfte Person das Virus wirklich nicht weitergeben kann. Zum anderen gibt es Befürchtungen, dass insbesondere die Varianten aus Südafrika (501Y.V2/B.1.351) und Brasilien (501Y.V3/B.1.28) die Abwehr besser umgehen können.

Statistische Vorbemerkungen

Die Zahlen zu den Impfdosen sind generell mit Vorsicht zu betrachten. Sie sagen wenig über die tatsächliche Immunität in der Bevölkerung aus. Dafür unterscheiden sich die Wirksamkeiten der vielen weltweit genutzten Impfstoffe zu sehr voneinander. Ebenfalls beachtet werden sollte, dass nicht alle Bevölkerungsgruppen gleich stark geimpft werden. Junge Menschen, die eher feiern, sind in der Regel weniger oft geimpft als ältere Menschen. Herdenimmunitätswerte über die gesamte Bevölkerung sind daher später zu erwarten, als es die Statistik zeigen könnte. Dazu kommen grundsätzliche Schwierigkeiten, die manche Länder langsam erscheinen lässt. Stark zu kühlende Vakzine lassen sich um den Äquator beispielsweise schwer verteilen und mitunter gibt es Engpässe in der Produktion.

Immerhin zeigen die aktuellen Berichte aber recht deutlich, dass der Impfstoff, auch wenn er nicht zur Immunisierung führen sollte, zumindest vor schweren Krankheitsverläufen schützen kann, die schlimmstenfalls im Ausland auftreten können. Die Wahrscheinlichkeit für solche Fälle ist jedenfalls in Israel bereits stark gesunken. Dort ist man bereits sehr weit bei der Verteilung der Impfstoffe in der Bevölkerung und kann wertvolle Erfahrungen für den Rest der Welt sammeln.

Mittelstrecke

Für die folgende detaillierte Betrachtung nutzt airliners.de die Passagierkapazitäten des Jahres 2019 von Deutschland aus und leitet daraus die wichtigsten Reiseziele ab. Daten aus dem Jahr 2020 sind nicht verwendbar, da die Pandemie zu starke Auswirkungen auf die Flugpläne hatte. Gruppiert wird in zwei Abschnitte. Zum einen wird Europa und die wichtigsten Mittelstrecken-Destinationen betrachtet. Dies dürfte vor allem für die Erholung vieler Low Cost Carrier sorgen. Schon im Sommer 2020 zeigten nicht nur Easyjet, Ryanair, Wizz Air und andere, wie schnell sie auf Lockerungen reagieren können. Der zweite Abschnitt ist für die Full-Service-Carrier wichtig, denn hier werden die wichtigsten interkontinentalen Märkte betrachtet.

Sommersaison in Spanien und Italien könnte gut verlaufen

Der wichtigste Sommerflugplan-Markt aus Deutschland heraus war 2019 Spanien mit über zehn Millionen Sitzplätzen und damit mit Abstand die Nummer 1. Direktflüge gibt es dementsprechend von allen großen und vielen kleinen Flughäfen. In Spanien ist die Impfung, wie auch sonst allgemein in Europa, in vollem Gange. Das zuständige Ministerio de Sanidad informiert wie gewohnt mit guten Statistiken über den aktuellen Stand. Dort gibt es zahlreiche PDF-Dateien mit sehr ausführlichen Daten. Derzeit haben fast 500.000 Menschen bereits zwei Dosen bekommen.

Die Impfung läuft in dem Land gut an, mit einer rund 90 Prozent hohen Nutzung der gelieferten Dosen. Die Pläne Spaniens sind sehr ambitioniert. Bereits bis Frühlingsende sollen 70 Prozent der Population geimpft werden, also bis Mitte Juni, wie El País berichtet. Das wäre in der Theorie und ohne Virusvarianten bereits im Bereich der Herdenimmunität. Es gibt allerdings einige "Wenns", damit das funktioniert.

Die Dosen werden auch in Spanien nicht gleichmäßig verteilt. Es geht insbesondere am Anfang dort um den Schutz der alten Menschen, des Personals im Medizinsektor und anderen Risikogruppen. Gegenden Spaniens mit junger Bevölkerung werden sicher noch keine Herdenimmunität erreichen. Dazu kommen eventuelle Lieferschwierigkeiten, denn die in Spanien genutzten Vakzine sind weltweit begehrt.

Die wichtigsten Impfstoffe für die EU

Biontech BNT162b2/Comirnaty (Ab 16)

Zu lagern bei minus 80 bis minus 60 Grad Celsius. Weltweit zwei Milliarden Dosen bis Ende 2021. Abstand zwischen Dosen: 21 Tage Zugelassen u.a. in EU, UK, USA

Moderna COVID-19 mRNA Vaccine (Ab 18)

Zu lagern bei minus 15 bis -25 Grad Celsius. Eine Milliarde Dosen bis Ende 2021. Abstand zwischen Dosen: 28 Tage Zugelassen u.a. in EU, UK, USA

Astra Zeneca AZD1222 (Ab 18)

Zu lagern bei zwei bis acht Grad Celsius. Weltweit drei Milliarden Dosen bis Ende 2021. Abstand zwischen Dosen: 28 Tage Zugelassen u.a. in EU, UK

Alles in allem darf man aber optimistisch in die Zukunft schauen. Nach derzeitigem Stand dürfte genug Immunisierung bis zum Sommer in der Bevölkerung vorhanden sein, um den Medizinsektor zu entlasten und eventuelle Ausbrüche unter Kontrolle zu halten. Der Party-Tourismus dürfte aber auch im Sommer 2021 keine Option sein. Spaniens Gesellschaft hat drei sehr schwere Infektionswellen zu verarbeiten und das Verständnis für diese Art des Tourismus wird vermutlich nicht besonders groß sein.

Mit fast sechs Millionen Sitzplätzen ist Italien die drittwichtigste Luftfahrt-Destination im Mittelstreckenbereich. Hier gilt im Prinzip das Gleiche wie in Spanien aufgrund der Lage in der EU. Über den Stand informiert das Ministero della Salute aktuell. Mit fast 870.000 vollständig geimpften Personen liegt das Land gut im Zeitplan. Zudem will Italien ab Sommer zusätzlich zu den jetzigen drei Impfstoffen noch einen eigenen einsetzen.

Türkisches Gesundheitssystem setzt auf Coronavac-Impfstoff

Die Situation in der Türkei ist schwieriger zu beurteilen. 2019 gab es hierher rund sieben Millionen Sitzplätze im Angebot ab Deutschland. In dem Land zwischen Europa und Asien wird Chinas Coronavac-Impfstoff verwendet und zum Stand Anfang Februar bereits zwei Millionen Mal verabreicht, obwohl erst Mitte Januar mit der Verteilung begonnen wurde. Im März sollen 50 Millionen Dosen geliefert werden. Da auch Coronavac auf zwei Dosen pro Impfung setzt, wären das 25 Millionen der 82 Millionen fassenden türkischen Bevölkerung.

Über die Wirksamkeit der Vakzine wird derzeit diskutiert. Zwar hat Sinovacs Coronavac bereits seit Juli eine Zulassung in China. Doch Daten sind trotzdem kaum vorhanden. Dementsprechend gibt es in den Ländern, in denen es verteilt wird, sehr abweichende Meinungen. Indonesien etwa wird zunächst keine älteren Menschen mit dem Impfstoff versorgen. In Brasilien ist die Skepsis ebenso hoch, wie die BBC berichtet.

Nach vorliegenden Daten ist der chinesische Impfstoff etwas unterhalb von Astra Zeneca einzuordnen. Außerdem geht man davon aus, dass schwere Erkrankungen vermieden werden. Erschwerend kommt hinzu, dass es auch bei der Kommunikation von Sinovac nicht so offen zugeht, wie es sollte. Informationen auf der Webseite sind eher spärlich und die aktuellen Daten der klinischen Studien stammen aus anderen Ländern.

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