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Kabine eines Airbus A300-600 © dpa / Peer Grimm

Not kennt kein Gebot. Wenn über 100 Menschen in einem Flugzeug geopfert werden müssen, um tausende Menschenleben in einem Wolkenkratzer zu retten, darf dann die Maschine abgeschossen werden? Man denkt an die Twin Towers in New York und die vielen tausend Tote, das unglaubliche Leid für viele Familien, die durch den terroristischen Akt von nine-eleven erzeugt wurde.

Vor einigen Jahren lief im Kino - und dann auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ein Film zu dem Thema des Flugzeugabschusses bei einem Terrorangriff. Er basierte auf einem Theaterstück des ehemaligen Strafverteidigers und Bestsellerautors Ferdinand von Schirach. Darin flog eine Passagiermaschine mit 164 Fluggästen auf ein vollbesetztes Fußball-Stadion zu. 70.000 : 164 Menschenleben lautete das Verhältnis. Nach dem Film wurden die Zuschauer befragt, ob die Bundeswehr die Maschine präventiv zum Schutz der 70.000 hätte abschießen dürfen.

Diese Meinung vertraten dann 87 Prozent der Zuschauer. Ein überwältigendes Votum. Doch war dieses Zuschauer-Urteil nicht zugleich ein Schuss auf das Grundgesetz, in dem es heißt, die Würde des Menschen sei unantastbar? Die Frage stellt sich, ob man Menschenleben gegeneinander aufrechnen kann. Hinzu kommt, dass man tatsächlich nicht weiß, ob das Flugzeug tatsächlich auf das Fußball-Feld oder wie nine-eleven in einen Wolkenkratzer hineinfliegt und so einen gemessen an der Zahl der Menschenleben noch gravierenderen Schaden anrichtet.

Im Film selbst schoss der Pilot die Passagiermaschine ab. Was hätte das US-Militär vor 20 Jahren getan, wenn es die Möglichkeit dazu gehabt hätte? Angeblich haben Passagiere eine Maschine selbst zum Absturz gebracht, bevor sie zum Terror-Instrument werden konnte.

Der Autor des Buches selbst hätte den Bundeswehr-Piloten, der den Abschuss getätigt hätte, schuldig gesprochen, "und zwar lebenslänglich", wie er damals der Bild-Zeitung sagte. Seine Begründung: Es darf keine höhere Moral geben, als die rechtlich im Gesetz fixierte. Und da der Artikel 1 des Grundgesetzes Menschenleben eben vor den Übergriffen des Staates schützt, müsse dem in jedem Fall Folge geleistet werden. "Es gibt eine höhere Moral, aber es ist falsch, ihr zu folgen", sagte von Schirach. "Die Moral des Einzelnen ist wechselhaft und schwankend, sie ist unklar."

Eine Kosten-Nutzen-Rechnung

Doch ist es wirklich so einfach? Der Staatsrechtler Bernhard Schlink sagte einmal, es gebe Grenzen des Rechts, damit "Konflikte und Tragik ihren Ort haben". Und in der Tat handelt es sich um ein moralisches Dilemma. Darf der Staat Unschuldige opfern, um das Leben anderer vor einem Terrorangriff zu schützen? Darf er das Leben Unschuldiger in der Luft gegen das Unschuldiger am Boden abwägen?

Wenn der Staat nach einer Kosten-Nutzen-Rechnung verfahre, dann, so ließe sich argumentieren, hätte er durchaus die Gründe auf seiner Seite. Denn der Nutzen für die deutlich größere Zahl an Menschenleben ist überdeutlich gegeben.

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Doch wenn wir dieser Logik nur einige wenige Schritte weiter folgen, erkennen wir, dass sie auch andere Implikationen hat: Denn der Staat könnte nun auch der Folter von Terroristen zustimmen, um andere Menschenleben zu retten. Wer mit dem Nutzen-Kalkül argumentiert, würde zugeben, dass man alten Menschen Organe entnehmen sollte, um sie jüngeren einzupflanzen. Denn für die Gesellschaft als ganze könnte das von Nutzen sein.

Im Terror-Drama von Schirach votierten die Fernsehzuschauer in der Frage des Flugzeugabschusses offenbar für den Freispruch des Piloten, weil sie das Verhältnis von 70 000 : 164 Menschenleben als Grundlage ihres moralischen Urteils machten. Philosophisch gesehen standen sie damit auf dem Boden einer angelsächsischen Theorie der Philosophie, dem sogenannten Utilitarismus, der von der Nützlichkeit von Handlungen ausgeht. Seine oberste Maxime lautet: das größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl zu ermöglichen. Nach diesem Kriterium sollen Menschen ihre moralischen Regeln aufstellen und dementsprechend handeln.

Doch Zahlen-Verhältnisse und das Nutzen-Kalkül stehen im Widerspruch zu den Grundrechten der Menschen dem Staat gegenüber: Niemand muss sein Leben zugunsten anderer opfern lassen. Entscheidet der Staat anders, wird der Bürger in die Sphäre außerhalb des Rechts katapultiert. Man darf Menschenleben nicht gegen andere Menschenleben aufrechnen. Ihr Gewährsmann war dabei der Philosoph Immanuel Kant, der eine klassisch deutsche Idee der Moral entworfen hat. Nach ihr ist die Würde des Menschen unantastbar.

Die Terroristen hätte man im Falle eines Angriffs töten können: Der legitimierende Grund ist das Recht auf Notwehr. Doch die Passagiere an Bord des Flugzeugs bedrohen niemanden. Das Notwehrrecht deckt ihre Tötung nicht. Und selbst wenn man sie für ohnehin todgeweiht hält und ihre Tötung durch den Staat hiermit legitimieren will, trifft man nicht ins ethische Ziel.

Erstens ist das Wissen über ihr weiteres Schicksal ungewiss. Und wenn man zweitens hier das Nutzen-Kalkül hinzuzieht, ließe sich bei sterbenden Menschen argumentieren: Man könnte sie früher sterben lassen, da sie ja ohnedies todgeweiht seien. Auch diese Vorstellung widerspricht direkt unseren Intuitionen.

Intuitiven Vorstellungen gefolgt

Warum haben dann die Zuschauer so eindeutig für den Freispruch des Piloten abgestimmt? Die Antwort: Sie haben sich, ob bewusst oder nicht, auf ein Nutzen-Kalkül in ihrer Überlegung gestützt. Sie sind ihren intuitiven Vorstellungen gefolgt, die aber, erklärt der Nobelpreisträger Daniel Kahneman, selbst extrem irrtumsanfällig sind. Der Psychologe glaubt, dass überlegte Entscheidungen meistens die besseren sind.

Man solle Fälle, in denen man von zwei Übeln das geringere wählen müsse, anfassen wie Brennnesseln, "mit dem Bewusstsein, was man tut", schrieb der britische Rechtsphilosoph Herbert Hart vor einigen Jahrzehnten. Im Falle des Votums der Fernsehzuschauer war das nicht zu erkennen. Dabei hatte schon der amerikanische Philosoph Robert Nozick über den Wert des Menschenlebens gesagt: "Es ist das einzige Leben, das er hat." Viel zu schade, um es gegen andere aufzurechnen.

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