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Eine Zugangstreppe für Flugzeuge steht auf einem leeren Rollfeld am Flughafen. © dpa / Sebastian Gollnow

Die Reisebeschränkungen während der Corona-Pandemie treffen alle Bereiche des Luftverkehrs hart. Das gilt auch für Dienstleister am Boden. Umsatz weg, die Kosten blieben. Daher griffen viele der Unternehmen zu den härtesten Maßnahmen, sie trennten sich von den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Hinzu kommt der Weggang von Beschäftigte, die sich nach Monaten der Kurzarbeit nach neuen Möglichkeiten umsehen. Das macht sich jetzt operativ bemerkbar.

Zuletzt hatten zum Teil enormen Wartezeiten an verschiedenen deutschen Flughäfen Schlagzeilen gemacht, da das Personal fehlte, um Passagiere abzufertigen oder die Flugzeuge zu entladen. Beispielsweise in Hannover, Köln/Bonn, Frankfurt oder auch in Berlin und München war dies der Fall. Gewerkschaften und Personaldienstleister warnen nun vor einem langanhaltenden Problem.

In der Tat hatte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) bei der Präsentation der Halbjahreszahlen mitgeteilt, dass die Unternehmen der deutschen Luftverkehrswirtschaft im ersten Halbjahr einen Umsatzrückgang von 63 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2019 verzeichnet hätten. Dies habe weitreichende Folgen für das Kostenmanagement, die Personalplanung und die Investitions- und Innovationskraft der Unternehmen, so der Dachverband. Vor dem Hintergrund des anhaltenden Einbruchs der Verkehrszahlen seien die Unternehmen zu Restrukturierungsmaßnahmen gezwungen gewesen, die auch den Abbau von Personal umfassen.

Zum Ende des ersten Halbjahrs 2021 lag die Anzahl der Beschäftigten bei den Fluggesellschaften und an den Flughäfen laut BDL zehn Prozent unter dem Niveau von 2019. Eigene Zahlen für das Personal bei Passagier- und Bodenverkehrsdiensten lagen nicht vor. Doch gerade hier kommt es aktuell ganz offenbar vor allem zu Problemen.

Keine speziellen Unterstützungen für Dienstleister

Was das operative Problem während Corona ist, erklärte AHS-Geschäftsführerin Amélie Charisius kürzlich im airliners.de-Interview. "Wir haben schon immer mit einer großen Peak-Lastigkeit zu tun gehabt." Das merke man mit Corona jetzt aber noch stärker. "Die Airlines nehmen ganze Wellen und Ketten heraus." Dann habe AHS vor Ort einen großen Bedarf an Beschäftigten für vielleicht drei Stunden, bevor es wieder ein Loch von sechs Stunden gebe, ehe die nächste Abflugwelle kommt. "Das ist sehr schwer planbar für uns in den Dienstplänen." Hinzu kämen verunsicherte Passagiere und sich ständig ändernde Anforderungen in Sachen Corona-Dokumentationen für verschiedene Destinationen, beschreibt Charisius die Situation.

Silvio Könitzer, Leiter von Aviation des Personaldienstleisters Tempton, sagt, der Luftverkehrsbranche sei durch die Reisebeschränkungen "böse einer reingewürgt" worden. Ein Grund ist für ihn die Ignoranz der Politik. "Es gab Gespräche zwischen den Verbänden und der Politik", sagt Könitzer. Herausgekommen sei aber nichts. Während etwa die Fluggesellschaften Milliardenhilfen erhalten hätten, sei das Bodenverkehrspersonal oder Unternehmen für das Sicherheitspersonal gänzlich leer ausgegangen, mit den entsprechenden Folgen für den Personalstamm.

Das würde sich nun schon beim kleinen Sommer-Hoch im Luftverkehr rächen. "Jetzt schreien die Handlingsfirmen, die die Arbeit machen, verzweifelt nach Personal", doch das sei nun schwer zu bekommen. Andere Wirtschaftszweige hätten sich doch gefreut, sagt Könitzer. "Rewe oder Tesla haben doch laut gerufen: Endlich Personal!" Und jetzt wollten die Wenigsten zurück, ist er überzeugt. "Jetzt sind die Leute weg, haben sich umorientiert, auch weil sie besser bezahlt werden", erklärt der Aviation-Chef des Personaldienstleisters.

Die Wenigsten wollen zurück. Das System bricht einfach zusammen.

Das werde noch Folgen haben, glaubt er. Tempton sei zwar gut aufgestellt, "aber andere haben sich doch komplett verabschiedet". Zudem sei der Aufwand durch die oberste Luftfahrtbehörde noch größer geworden. "Und die Kosten sind auch nochmal gewachsen", betont Könitzer. Das bestätigt auch Michael Hähnel, Geschäftsführer des auf Luftfahrt spezialisierten Aus- und Weiterbildungsanbieters Trainico. "Ja es gibt deutlich weniger Bewerber für unsere Umschulungsmaßnahmen und Fortbildungen", stellte Hähnel bereits im Februar im Gespräch mit airliners.de fest.

Der Druck käme beispielsweise in Berlin und Brandenburg vor allem durch die Automobil- und Eisenbahnindustrie. Durch die Neuansiedlung von Tesla oder auch die Übernahme des Bombardier-ICE-Werks durch Alstrom gebe es in der Tat viel Konkurrenz für die lokale Luftfahrtindustrie, wenn es um qualifiziertes Personal geht.

Der Arbeitskräftemangel ist nicht nur in Berlin da, sondern in ganz Deutschland", weiß Könitzer. "Flughäfen haben auch durch Corona als Arbeitgeber an Attraktivität verloren. Schauen Sie sich die Bodenverkehrswirtschaft an", sagt er, "die Leute können in Logistik-Industriebereichen ganz andere Arbeitsverhältnisse finden als hier. Und im Augenblick gibt es noch keine Langstrecken. Der Mangel wird schnell wieder da sein", prophezeit Könitzer. Es gebe bereits punktuell die Sorge, "dass es nicht nur jetzt Engpässe geben wird, sondern wir auch weiterhin mit Engpässen leben müssen.

Wer hat im Bodenverkehrsdienstleister-Bereich in den letzten 15 Monaten rekrutiert, fragt Könitzer. "Ich meine aktiv mal in 20 bis 30 Leute qualitativ investiert." Erst jetzt fahre das System der Bildungsträger wieder hoch. "Da sehe ich bis zum Ende des Sommerflugplanes eine ziemliche Durststrecke. Aber wenn die Langstrecken kommen, dann wird das auch für Winterflugplan Folgen haben. Ich bin überzeugt, wir werden lange damit zu kämpfen haben, dass eine personelle Unterdeckung da ist."

Gewerkschaft warnt vor anspruchsvollen Tätigkeiten zum Mindestlohn

Auch für Daniel Wollenberg, Vorsitzender der Technik Gewerkschaft Luftfahrt und stellvertretender Vorsitzender der IGL, steht fest: "Es wird definitiv ein personelles Problem für die Luftverkehrsbranche geben. Sie haben die ganzen alten Kollegen rausgeschmissen." Und neues Personal sei schwer zu finden. "Sie gehen mit Gehältern an die Leute, die niemanden vor dem Ofen hervorlocken", moniert der Gewerkschafter.

"Deshalb versuchen es einige mit Leiharbeitern, auch wenn das wegen des Kurzarbeitergeldes verboten ist. Das ist eine echte Schweinerei!" Fraport habe mit Abfindungsprogramm gearbeitet, "und mehr Leute entlassen als nötig. Jetzt versuchen sie, Leute zu schlechteren Konditionen einzustellen. Zu den Konditionen findest du aber niemanden, der den Stress lange mitmacht", sagt Wollenberg.

Die Aufgaben in der Luftfahrt seien anspruchsvoll. "Das lernt man nicht in fünf Minuten. Prozesse im Umfeld eines Flughafens sind anspruchsvoll. Solange die Mindestlöhne zahlen, wird es nicht besser." Wenn man erst einmal gemerkt habe, dass es auch noch eine Welt außerhalb des Luftverkehrs gebe, "dann bleibst du da auch", ist sich Wollenberg sicher. Schichtbetrieb, bei Wind und Wetter draußen zu sein, ehrlich gesagt, mir fehlt die Phantasie, wie man die Leute wieder ködern will. Nach den Sommerferien wird es normaler werden, in Herbstferien gibt es dann wieder ein Peak. Sie werden auch im nächsten Jahr nicht wieder genug Leute finden."

Dass Passagiere mitunter stundenlang in den Flugzeugen warten, bis sie aussteigen können, da sie nicht abgefertigt werden können, kann sich Wollenberg durchaus vorstellen. "Passagiere vier Stunden in Flugzeug, kann ich mir definitiv vorstellen. Schon zu normalen Zeiten war das System überlastet. Und jetzt ist keiner da, der das Flugzeug abfertigen kann, das System bricht einfach zusammen." Er ist pessimistisch. "Die Frage ist, lernen die daraus? Nein, das machen sie ja nicht. Befristeter Vertrag, schlechter bezahlt – wer macht das schon? Die Abwärtsspirale der Gehälter, da ist kein Ende zu sehen. Und deshalb werden die personellen Engpässe die Branche noch weiter begleiten."

Branche sieht kein strukturelles Problem

Keine Sorgen vor einem strukturellen Problem hat dagegen der BDL. Auch wenn es punktuell in einigen wenigen Bereichen erschwert ist, qualifiziertes Fachpersonal auf dem Arbeitsmarkt zu finden, seien die Unternehmen der Luftverkehrswirtschaft für den langen Weg gewappnet. "Der Luftverkehr bleibt ein attraktiver Arbeitgeber", sagte ein Sprecher des BDL. Da voraussichtlich erst 2024/25 das alte Vorkrisenniveau erreicht werde, würden die Unternehmen auch genügend Zeit haben, um sich darauf einzustellen. Engpässe gäbe es zurzeit nur an einigen Standorten und das auch nur zu ganz bestimmten Peak-Zeiten.

Der Verband wies darauf hin, dass es vor allem die gestiegenen Nachweis- und Kontrollpflichten im Luftverkehr sind, die in manchen Fällen zu gestiegenen Wartezeiten führen. Daher sei die Aufforderung an die Fluggäste ergangen, ausreichend Zeit für die Prozesses am Flughafen einzuplanen und möglichst die Angebote für den digitalen Check-In oder auch den Vorabend-Check-in zu nutzen.

Corona-Kurzarbeitergeld läuft aus

Dabei gibt es noch ein ganz anderes Problem. Nach dem aktuell stattfindenden Sommer-Aufschwung stellt sich die Branche derzeit auf einen erneuten Einbruch der Passagierzahlen im Winter 2021/2022 ein. Daher sind viele Anbieter, vor allem die bislang nicht anderweitig gestützten Anbieter rund um Passagier- und Bodendienstleistungen an Flughäfen, noch bis auf Weiteres auf das spezielle Instrument der Corona-Kurzarbeit angewiesen, das aber nach dem Willen der Bundesregierung zum Jahresende auslaufen soll. Beobachter erwarten, dass dann Massenentlassungen anstehen und die Branche noch mehr Mitarbeiter verliert, als ohnehin schon.

Aber eine Hoffnung gibt es dennoch: Viele Beschäftigte, die schon von Corona in der Branche Fuß gefasst haben, wollen die Corona-Auszeit zur Weiterbildung nutzen. Statt abzuspringen, nutzen sie den Corona-Freilauf für ihre weitere Karriereplanung in der Branche, sprich für spezialisierte Fort- und Weiterbildung. "Viele nutzen die Kurzarbeit als Chance, um beispielsweise ein Masterstudium oder einen berufsbegleitenden MBA zu absolvieren", weiß Prof. Dr. Karl-Rudolf Rupprecht, Vorsitzender Direktor des Frankfurter "Institute for Aviation and Tourism" (IAT) und Studiengangsleiter "MBA Aviation and Tourism Management".

"Mit Blick auf die junge Generation, die bereits oder in Bälde auf den Aviation-Arbeitsmarkt trifft, kann ich keine Abwanderung in andere Branchen feststellen", so der ehemalige Lufthansa-Cargo-Vorstand. "Der Liebe zum Luftverkehr scheinen die Pandemie und die aktuelle Jobentwicklung keinen Abbruch zu tun. Ich würde die Stimmung bei unseren Nachwuchs-Fachkräften eher mit dem Begriff "kollektives Hoffen" beschreiben."

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