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Belüftungsvergleich "Flugzeug vs. Bahn" fällt ähnlich aus, © Deutsche Bahn/Oliver Lang
Eine Reisende mit Maske in der Bahn. © Deutsche Bahn / Oliver Lang
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Die Bundesregierung will die bundesweite Maskenpflicht in Flugzeugen zum Herbst aus dem Infektionsschutzgesetz streichen. In Fernzügen soll eine bundesweite Maskenpflicht bestehen bleiben, für Busse und Bahnen im Nahverkehr können es weiter die Länder regeln.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sagte jüngst, das Risiko, sich zu infizieren, sei in Bussen und Bahnen "sehr viel höher" als im Flugverkehr. Doch so einfach ist es nicht.

Eine Rolle bei der Verbreitung von potenziell infektiösen Tröpfchen und Aerosolen, die beim Atmen, Husten oder Niesen ausgestoßen werden, spielen die jeweiligen Belüftungssysteme. Und darin unterscheiden sich Flugzeuge und Züge durchaus.

Flugzeugkabinen sind eine Art geschlossenes System, in dem die Luft abgesaugt, durch Filter geleitet und mit Außenluft angereichert wieder zurückgeführt wird. Sogenannte Hepa-Filter in Fliegern können Viren und Aerosole dabei aus der Luft abfangen. In Fernverkehrszügen hingegen sind üblicherweise Filter der Klasse G4 eingesetzt. Sie sind grobmaschiger und meist nicht gegen Aerosole und Viren geeignet.

In der Luft, die aus den Düsen in ein Flugzeug strömt, sind in der Regel keine Corona-Viren enthalten. Die Iata behauptet, dass die Kabinenluft alle zwei bis drei Minuten komplett durch Frischluft ausgetauscht wird und daher eine Atmosphäre wie in einem Operationssaal herrscht – eine Aussage, die nach Ansicht von Professor Dieter Scholz vom Department Fahrzeugtechnik und Flugzeugbau an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg nicht zu halten ist.

Hepa-Filter können Viren nicht komplett beseitigen

Der Luftaustausch dauert seiner Erkenntnis nach länger als ein paar Minuten, zudem sei die Kabine nicht komplett frei von Viren. So sei nur die Hälfte der Luft, die in die Kabine geführt wird, Außenluft. Die andere Hälfte werde durch die Hepa-Filter geführt und umgewälzt. Die Filter könnten die Viren aber nie komplett aus der Kabine beseitigen, weil die Viren von erkrankten Personen ständig neu in die Luft abgegeben würden.

Es ist also davon auszugehen, dass Passagiere in unmittelbarer Nähe eines Infizierten – auch in den Sitzreihen davor und dahinter – stärker von einer möglichen Ansteckung gefährdet sind als andere Menschen im Flieger. Eine richtig angelegte Mund-Nasen-Bedeckung könne daher zusätzlich schützen.

Auch in der Bahn gilt: Als eine der wirksamsten Maßnahmen gegen eine Corona-Infektion erweist sich "das konsequente Tragen einer gut sitzenden FFP2-Maske", wie das Deutsche Zentrum für Schienenverkehrsforschung im Juni 2021 erklärte.

In einem ICE wird die Luft nach Angaben der Deutschen Bahn alle sieben Minuten ausgetauscht, allerdings eben nur durch den groberen G4-Filter. Eine gemeinsame Studie mit dem Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt von Ende 2020 ergab, dass die Klimaanlage in Zügen nicht zur Verbreitung der Aerosole beiträgt. Eine Ausbreitung sei "nur über wenige Sitzreihen hinweg erfolgt", hieß es.

Zugbegleiter und Bahnpassagiere mit Maske., © Deutsche Bahn/Oliver Lang
Zugbegleiter und Bahnpassagiere mit Maske. © Deutsche Bahn / Oliver Lang
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"Wir haben sowohl in den Zügen als auch in den Flugzeugen keine großen Superspreading-Events gesehen", sagte der Virologe Hendrik Streeck am Mittwoch bei N-TV. "Es gibt einzelne Studien, die gezeigt haben, dass es zu Übertragungen kommen kann."

Eine belastbare Übersicht, wie viele Menschen sich in der Vergangenheit in Flugzeugen oder der Bahn angesteckt haben, gibt es nicht. Häufig war aber auch eine Kontaktnachverfolgung nicht möglich.

Maskenpflicht könnte wiederkommen

Für einen Belüftungsvergleich zwischen Flugzeug und Bahn müssen laut Professor Scholz, der sich seit vielen Jahren mit der Erforschung von Luftströmen in Flugzeugkabinen beschäftigt, viele Parameter herangezogen werden. Die Werte seien aber insgesamt sehr ähnlich, Unterschiede glichen sich aus. Auf die Art der Filter komme es dabei primär auch nicht an.

Aus Sicht der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft sollte die Maskenpflicht auch in Fernzügen abgeschafft werden. "Das Beibehalten der Maskenpflicht in Fernzügen bei gleichzeitiger Abschaffung im Flugverkehr ist unerklärbar", sagte der Vizevorsitzende Martin Burkert. Diese Ausnahme sei Reisenden und Personal nicht zumutbar. Bahnpersonal und Bahnkundschaft müssten zum wiederholten Male das Missmanagement der Politik ausbaden.

Lauterbach hatte den Wegfall der Maskenpflicht in Flugzeugen zuletzt auch damit gerechtfertigt, dass sich die Lufthansa nicht mehr in der Lage gesehen habe, die bestehende Maskenpflicht durchzusetzen. Von daher sei diese nun erst einmal ausgesetzt.

Dennoch kann sich die Regelung bei Bedarf auch wieder ändern, so der Gesundheitsminister: "Wenn die Corona-Fallzahlen stark steigen würden, würden wir es allerdings als Bundesregierung wieder verpflichtend machen. Dann müsste im Flugzeug sogar die FFP2-Maske getragen werden."

Nach zuletzt wenigen Auflagen sollen für den Herbst wieder mehr Schutzvorgaben möglich werden. Der Bundestag hat dazu am Mittag die Neuregelung des Infektionsschutzgesetzes verabschiedet. 386 Abgeordnete stimmten mit Ja, 313 mit Nein. Drei Parlamentarier enthielten sich der Stimme. Das Gesetz sieht vom 1. Oktober bis 7. April 2023 weitergehende Regeln zu Masken und Tests vor. Die Länder sollen die Vorgaben verhängen und bei kritischer Lage auch ausweiten können.

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