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Dr. Anna Christmann © Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz

Mit der neuen Bundesregierung ist auch der Posten des Beauftragten für Luft- und Raumfahrt neubesetzt worden: Anna Christmann ist Mitglied der Grünen und löst den Christdemokraten Thomas Jarzombek ab.

In ihrer Funktion im Ministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, dem "Superministerium", ist sie Minister Robert Habeck (Grüne) unterstellt. Sie wird künftig großen Einfluss darauf haben, wie schnell, in welchem Umfang und mit welchen Technologien die deutsche Luftverkehrsbranche klimaneutral wird.

Habeck habe sie gefragt, ob sie die Aufgabe übernehmen wolle, erzählt Christmann im Gespräch mit airliners.de. "Ich habe gerne zugesagt, weil ich im Bereich der Innovationspolitik zu Hause bin und die Luft- und Raumfahrt auf Innovationen angewiesen ist für den Weg in Richtung Klimaneutralität."

Auf die Frage, was ihre Aufgabe als Koordinatorin für Luft- und Raumfahrt ist, antwortet sie, sie wolle Partner in Deutschland und auf europäischer Ebene zusammenbringen, sie selbst verstehe sich als Vermittlerin. "Ich sehe meine Aufgabe darin, zwischen den verschiedenen Bereichen wie Forschung, Wirtschaft und auch der Zivilgesellschaft zu koordinieren. Beim Thema Klimaschutz sind wir im zeitlichen Verzug, wir müssen viel aufholen. Uns wird hier im Ministerium jedenfalls nicht langweilig werden."

Besonders der gesellschaftliche Dialog sei ihr wichtig, sie wolle die Bedeutung der Transformation von Luft- und Raumfahrt in der Gesellschaft unterstreichen, eine gesellschaftliche Debatte über neue Technologien führen.

"Der Dialog zur Zukunft der Luftfahrt, um Klimaneutralität zu erreichen, wird die ganze Wahlperiode prägen."

"Das Ziel ist zu zeigen, was geht"

Die Transformation sehe sie nicht als Problem, sondern als Chance für Deutschland und Europa, erklärt Christmann. "Fliegen geht auch CO2-neutral und das zeigen wir am Standort Deutschland. Die Technologien sind da, jetzt müssen die Prozesse gestaltet werden, wie man die Innovationen massenfähig macht für die tägliche Anwendung." Dafür wolle sie möglichst viele Partner an einen Tisch holen, alle sollten an einem Strang ziehen.

Deutschland könne bei der Transformation eine Vorreiterrolle übernehmen, die entscheidende "First-Mover"-Rolle, wie sie es nennt. Andere Länder könnten dann nachahmen und mitmachen. "Das Ziel ist zu zeigen, was geht."

Und was ist es, was geht? Das wolle sie in den nächsten Wochen mit den Partnern besprechen. Die Rahmenbedingungen und Anforderungen der Industrie und Luftverkehrsbranche an die Regierung seien noch zu klären, aber den Luftverkehr abschaffen, das wolle sie nicht, denn "Mobilität ist völlig zurecht ein menschliches Bedürfnis. Es braucht verschiedene Lösungen, diese Mobilität klimaverträglich zu erreichen. Es ist richtig, dass die Bahn ausgebaut wird. Flüge haben aber auch eine Berechtigung, wenn sie möglichst klimaneutral stattfinden."

Deutschland als Exportnation für klimaneutrale Technologie

Außerdem, betont Christmann, ginge es nicht nur um die Frage, welche Mobilität die Menschen in Deutschland nützten, sondern auch darum, wie die hier entstandenen Innovationen in andere Länder vermarktet werden könnten. "Deutschland kann eine Exportnation für klimaneutrale Technologien sein." Das Land habe einen großen Vorteil durch hervorragende Ingenieurskenntnisse und eine starke, eigenständige Industrie.

"Ich habe mich in der Vergangenheit viel mit künstlicher Intelligenz und Quantencomputing beschäftigt. Jetzt freue ich mich auf weitere Hochtechnologiefelder und auf die Menschen, die in diesen Feldern arbeiten." Und sie ist sich sicher, seitens der Industrie-, Forschungs- und Verkehrspartner auf offene Ohren und viel Bereitschaft, klimaneutral zu werden, zu treffen.

Zur Person

Christmann wurde 1983 in Hannover geboren und begann 2002 ihre Studien in Heidelberg, wie sie auf ihrer eigenen Website beschreibt. 2008 schloss sie ihren Magister in Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre und Mathematik ab. Seit 2003 ist sie Parteimitglied der Grünen und engagierte sich an der Universität und im Wahlkreis politisch.

Von 2008 bis 2013 lebte sie in Zürich. Währenddessen promovierte sie an der Universität Bern und arbeitete anschließend beim Zentrum für Demokratie an der Universität Zürich. 2013 zog Christmann zurück nach Baden-Württemberg und fungierte als Büroleiterin der Ministerin und als Grundsatzreferentin in der Wissenschaftspolitik im Wissenschaftsministerium Stuttgart.

2021 kandidierte sie im Wahlkreis Stuttgart II für den Bundestag und zog über die Landesliste der Grünen ein. Am Mittwoch, dem 5. Januar, wurde sie von der Regierung schließlich zur Koordinatorin für Luft- und Raumfahrt berufen.

Im aktuellen Bundestag ist Christmann Mitglied im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung sowie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Digitales. Zu den Themen des Bildungsausschusses gehören unter anderem Qualitätsstandards und Organisation des Ausbildungs- und Bildungssystems sowie die gezielte Förderung bestimmter Forschungsprojekte. Ehrenamtlich unterstützt sie mehrere Organisationen, Vereine und Verbände.

Die verschiedenen Luftfahrt- und Wirtschaftsverbände bekunden auf airliners.de-Anfrage ihre Vorfreude auf die Zusammenarbeit mit der Grünen, so unter anderem der BDL (Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft), die DFS (Deutsche Flugsicherung) und der Flughafenverband ADV (Arbeitsgemeinschaft deutscher Verkehrsflughäfen).

ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel erhofft sich durch die Zusammenarbeit mit der neuen Koordinatorin durch die Regierung "unterstützende Regulierung, um einen effektiven Rahmen für die Herausforderungen der anstehenden Transformation zu setzen." Auf airliners.de-Anfrage fordert er außerdem, "dass Carbon Leakage und Wettbewerbsverzerrungen verhindert werden müssen." Da die Sicherstellung von Mobilität sowie bedarfsgerechter und bezahlbarer Mobilitätsanbindung im Wesentlichen abhängig von Angebot und Nachfrage auf den internationalen Luftverkehrsmärkten seien, müssten bei Gesetzen und Verordnungen auch immer die wettbewerbsverzerrenden Folgen mitabgeschätzt werden.

Industrie setzt auf neue Luftfahrtforschungsprogramme

Volker Thum, Hauptgeschäftsführer des BDLI (Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie) äußert sich gegenüber airliners.de: "Die Bundesregierung verfügt mit der Koordinatorin für Luft- und Raumfahrt Dr. Anna Christmann über vielfältige Expertise gerade in den für unsere Branche so wichtigen Bereichen der Innovationspolitik, Hochtechnologien und Wissenschaftspolitik. Wir freuen uns auf den Dialog und die Zusammenarbeit." Wichtig sei, dass die im Koalitionsvertrag enthaltenen Kernpunkte zügig und konsequent umgesetzt würden, so Thum. Der Ausbau des erfolgreichen Luftfahrtforschungsprogramms sei notwendig, aber auch die Verifizierung disruptiver Technologien mit Hilfe von Technologiedemonstratoren.

Als nationales Forschungszentrum arbeitet das DLR in der Luftfahrt an Technologien, um seine Vision vom emissionsfreien Fliegen zu verwirklichen. "Wir freuen uns auf die gemeinsamen Projekte und Missionen in Kooperation mit unseren Partnern in Wissenschaft, Wirtschaft und Industrie, besonders aber auf die Zusammenarbeit mit der neuen Bundesregierung im Allgemeinen und Frau Dr. Christmann im Speziellen", heißt es auf Anfrage.

In der neuen Luftfahrtstrategie des DLR würden die Forschungsziele für einen klimaverträgliches Luftverkehrssytem mit seinen Bestandteilen von Flugzeug bis hin zu den Flugrouten benannt. Zukünftige Raumfahrtmissionen sollen laut DLR den Zustand der globalen Biomasse erfassen. Zudem gelte es, den Transfer von Technologien aus der Raumfahrtforschung in irdische Anwendungen zu verstärken. "Die Digitalisierung und Anwendung von Quantentechnologien ermöglichen uns ein immer besseres Erkennen und Verständnis von Klima- und Umweltprozessen."

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