Condor erhält Überbrückungskredit und sucht nach Investoren

Die Bundesregierung und das Land Hessen unterstützen Condor mit einem Übergangskredit. 380 Millionen sollen helfen, die Wintermonate zu überbrücken. Die Airline sucht nun nach Investoren.

A320 von Condor. © AirTeamImages.com / Mathieu Pouliot

Nach der Pleite des britischen Touristikkonzerns Thomas Cook haben sich der Bund und das Land Hessen auf einen Überbrückungskredit für die deutsche Konzerntochter Condor geeinigt. Wie Condor am Dienstagabend mitteilte, liegt die Höhe des Kredits bei 380 Millionen Euro. Für den sechsmonatigen Kredit bürgt das Land Hessen zur Hälfte.

Die Bürgschaften seien Voraussetzung für eine Prüfung durch die Europäische Kommission.

Die EU-Kommission stehe mit den deutschen Behörden in einem "engen und konstruktiven Kontakt", sagte ein Kommissionssprecher. Nach Informationen der dpa ist Deutschland dabei, eine vollständige Anmeldung vorzubereiten. Sobald eine vollständige Anmeldung bei der Kommission eingegangen ist, könne die Kommission innerhalb weniger Wochen eine Entscheidung treffen.

Erst nach einer positiven Entscheidung aus Brüssel werde das sogenannte Massedarlehen von der staatlichen Förderbank KfW ausgezahlt, hieß es.

Schutzschirmverfahren soll vor Thomas-Cook-Forderungen schützen

Um sich von möglichen Forderungen der insolventen Konzernmutter Thomas Cook zu befreien und sich aus dem Konzernverbund zu lösen, beabsichtige Condor einen Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens zu stellen, hieß es. Dies ist eine Besonderheit des deutschen Insolvenzrechts.

Damit wolle sich Condor von möglichen Forderungen der Konzernmutter Cook befreien. "Dieser Schritt ist in der derzeitigen Lage das Beste für unsere Kunden, unsere Geschäftspartner und für uns. Denn wir erlangen so die volle Unabhängigkeit von der Thomas Cook Group plc und mehr Sicherheit für unsere Zukunft."

Condor spricht mit möglichen Käufern

"4900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Partner und Kunden von Condor danken der Bundesregierung und der hessischen Landesregierung für ihre Zusage", erklärte die Airline. Anders als Air Berlin sei Condor ein operativ gesundes und profitables Unternehmen, das auch im laufenden Jahr ein positives Ergebnis verzeichnen werde.

"Weil unsere Liquidität für die saisonal bedingt schwächere Buchungsperiode von unserer insolventen Muttergesellschaft verbraucht wurde, benötigen wir diese Brückenfinanzierung für den Winter. Die Zusage ist ein wichtiger Schritt zur Sicherung unserer Zukunft", so Condor-Chef Ralf Teckentrup.

Nun suche man einen neuen Investor und habe in den letzten zwei Tagen bereits Gesprächen mit solventen interessierten Parteien geführt, sagte Condor-Chef Ralf Teckentrup am Dienstagabend in einer Telefonkonferenz mit Journalisten."Wir sind aber nicht im Fire Sale Modus", so Teckentrup. Condor sei eine sehr werthaltige Airline in Europa. Man müsse Condor nicht in den nächsten paar Wochen verkaufen.

© Condor, Lesen Sie auch: Potenzielle Condor-Käufer in Lauerstellung

Flughäfen und Gewerkschaften hatten die Bitte des Unternehmens um Staatshilfe unterstützt. Condor ist zudem ein wichtiger Partner für deutsche Reiseveranstalter. Im Schnitt sind nach Angaben des Unternehmens weniger als ein Fünftel der Condor-Passagiere Gäste der Thomas Cook-Veranstaltermarken.

Voraussetzung für die Bürgschaften waren den Angaben nach auch die Garantien der anderen großen Reiseveranstalter. Die Großkunden hätten geholfen, die Politik davon zu überzeugen, dass es ohne die Condor in der deutschen Touristik nicht gehe, so Teckentrup.

"Keine hausgemachten Probleme"

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) erklärte, Condor könne den Flugbetrieb nun fortsetzen und sich so strukturieren, dass das Unternehmen am Markt bestehen könne. Die Firma habe eine Perspektive, wirtschaftlich erfolgreich zu sein und den Kredit zurückzuzahlen.

Die Schwierigkeiten bei Condor seien durch die Insolvenz der Muttergesellschaft Thomas Cook entstanden. "Es sind keine hausgemachten Probleme." Der Minister sprach dennoch von einer schwierigen Entscheidung. An dieser seien auch das Finanz- sowie Verkehrsministerium und das Kanzleramt beteiligt gewesen. Der Bund habe seine Entscheidung nach betriebswirtschaftlichen Kriterien getroffen.

"Condor ist ein profitables hessisches Unternehmen, das durch seine britische Mutter und den Brexit zum Opfer zu werden drohte. Wir sehen zusammen mit dem Bund eine gute Perspektive, dass neue Eigentümer Condor langfristig in der Luft halten können", erklärten Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) und Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) in Wiesbaden.

"Wir glauben, dass dieses hessische Unternehmen eine Zukunft haben und weiterhin viele Urlauberinnen und Urlauber in die Ferne bringen kann. Für Condor fängt mit dieser Unterstützung die Arbeit aber erst richtig an. Nun gilt es, das Unternehmen ohne Thomas Cook neu aufzustellen."

Auch der deutsche Reiseveranstalter Thomas Cook beantragte einen Überbrückungskredit. Er ist ebenfalls durch die Pleite der britischen Muttergesellschaft in Bedrängnis geraten.

Von: dk, br, dh mit dpa, afp

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