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Stefan Pichler © Andreas Spaeth
Der deutsche Airline-Manager und Ex-Thomas Cook-Chef Stefan Pichler ist jetzt Chef von Fiji Airways.
Foto: © Andreas Spaeth

Stefan Pichler ist nach Stationen in Australien und Kuwait jetzt Chef von Fiji Airways. Ein Bürobesuch beim deutschen Airline-Manager in Nadi auf den Fidschi-Inseln zeigt, wie es der Ex-Thomas-Cook-Chef schafft, berufliche Herausforderungen mit einem interessanten Lebensstil zu verbinden. Andreas Spaeth fragt:

Herr Pichler, kann man auf den Fidschi-Inseln Marathon laufen?
Pichler: Ich mache außer Marathonlaufen ja auch noch andere Sachen. Ich bin zum Beispiel Tauchlehrer, und Tauchen kann man hier hervorragend. Ich mache auch Skydiving, auch das geht hier phantastisch. Zum Laufen gehe ich meistens ins Fitness-Center auf so eine Laufmaschine, weil es hier doch ziemlich heiß wird.

Wie war es denn in Ihrer Zeit als Chef von Jazeera Airways in Kuwait mit dem Laufen?
Pichler: In Kuwait war das sehr schwierig, weil es da im Sommer 60 Grad Celsius sind und extrem trocken. Ich habe es ein paar mal draußen versucht, aber da sind sie nach ein paar Kilometern dann physisch einfach nicht mehr dazu in der Lage.

Also Sie sind klar ein Outdoor-Typ?
Pichler: Es kommt immer auf den persönlichen Lifestyle an, und mein Lifestyle ist eher draußen, das war vor allem während meiner Zeit in Australien als CCO von Virgin Blue damals so. In der Stube hocken, das kann ich nicht, dafür bin ich mit 56 noch zu jung.

Suchen Sie sich Ihre Jobs denn meist vor allem nach der Lebensqualität am jeweiligen Ort aus?
Pichler: Nein, aber ich habe meine Jobs schon immer so ausgesucht, dass ich die beruflichen Herausforderungen mit einem vernünftigen und interessanten Lebensstil verbinden kann. Man kann ja nicht immer danach streben, CEO of the World zu werden, man muss ja eine Balance in seinem ganzen Leben finden. Und danach habe ich in den letzten zehn Jahren zumindest meine Jobs ausgesucht.

Aber Kuwait klingt irgendwie nicht so sexy.
Pichler: Nein, aber wir haben da ja auch in Dubai gewohnt, ich habe da ein kleines Häuschen auf dieser Palme. Da ist das Leben sehr schön, da können Sie aus Ihrem Garten fischen, das macht Spaß. Ich war immer am Wochenende in Dubai, meine Frau hat da gewohnt, und unter der Woche war ich in Kuwait und habe die Firma gemanaged.

Welche Ihrer bisherigen Stationen hatte denn den höchsten Freizeitwert?
Pichler: Die Frage ist eher, wo fühlt man sich zuhause. Mein Zuhause, wo ich mich am wohlsten fühle, ist Australien, in Brisbane, wo wir gelebt haben, meine Frau ist auch Australierin. Immer wenn ich in Australien lande, fühle ich, ich komme heim. Vom Freizeitwert steht dem Fidschi hier nicht unbedingt soviel nach. Aber man muss sich das erstmal über ein paar Jahre reinziehen, ich bin ja erst ein paar Monate hier.

Was wollen Sie denn hier auf Fidschi entdecken?
Pichler: Bisher war ich ein Bürohengst, weil ich versuche diese Firma neu aufzustellen mit einer 5-Jahresstrategie, neuer Struktur und neuem Management, das hat meine Wochenenden bisher ein bisschen busy gehalten. Aber sobald es auf dem Weg ist und man Licht am Ende des Tunnels sieht, dann werde ich hier erstmal tauchen, meine Ausrüstung habe ich aus Australien schon mitgebracht.

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Zurück zum Marathon – wäre der Berlin-Marathon für Sie ein Thema, mit anderen Worten, kam für Sie der Top-Job bei Air Berlin letztes Jahr in Frage?
Pichler: Ja, ohne zuviel zu verraten – ich wurde drauf angesprochen. Man hat versucht den Prozess da in Gang zu bringen. Aber ich glaube nicht mehr, dass ich in diese deutsche Welt hineingepasst hätte. Dazu ist mir das Europa mittlerweile ein bisschen zu eng, und ich bin wahrscheinlich den deutschen Konzernsoldaten aufgrund meiner persönlichen Unabhängikeit etwas suspekt.

Wo sehen Sie auf der Weltkarte die nächsten Schritte nach Fidschi – oder wollen Sie hier in Rente gehen?
Pichler: Ich bin mit 56 ja nicht mehr so jung, wie ich mich fühle, aber man lebt nur einmal. Ich hatte auch, bevor ich hier in Fidschi aufgeschlagen bin, ein paar ganz andere Angebote für wirklich globale Airlines zu arbeiten, aber das war mir dann zu stressig, weil ich das eigentlich nicht mehr machen will, dass ich von sieben Tage fünf bis sechs im Flieger sitze. Ich werde mit Sicherheit die nächsten Jahre die Airline hier managen und bin auch Aufsichtsrat-Chef vom Fiji Tourism, und dann werde ich es auslaufen lassen. Ich meine, dann war ich mehr als 20 Jahre CEO und irgendwann muss genug sein.

Wie sieht die typische Pichler-Airline aus, gibt es da Gemeinsamkeiten?
Pichler: Was mich motiviert ist eine Airline profitabel zu führen, also die operative Profitabilität zu steigern. Virgin in Australien war schon gut profitabel, aber wir haben die Profitmargen erheblich gesteigert, verdreifacht. Jazeera stand kurz vor der Pleite, war dann aber 2011 und 2012 die profitabelste Airline weltweit, wenn man sich die operativen Gewinnmargen von 25 beziehungsweise 30 Prozent anschaut. Und hier Fiji Airways hat auch einen leichten Profit, aber man kann hier unglaublich viele Dinge noch tun. Das macht einfach Spaß. Ich arbeite solange es mir Spaß macht, und wenn nicht, mache ich eben etwas anderes.

Dann werden Sie wieder Tauchlehrer?
Pichler: Das habe ich auch schon mal gemacht auf den Malediven, als ich nach meinem Job bei Thomas Cook nicht sofort woanders anfangen durfte. Das war für mich spannend, wahrscheinlich für meine Kunden nicht so, wenn so’n alter Sack versucht, denen was beizubringen. Aber mir hat es auf alle Fälle Spaß gemacht.

Über den Autor

Regelmäßig veröffentlicht der Luftfahrtjournalist und Vielflieger Andreas Spaeth auf airliners.de Interviews aus der Reihe "Spaeth fragt".

Andreas SpaethAndreas Spaeth ist einer der führenden deutschen Luftfahrtjournalisten. Als Autor zahlreicher Bücher und freier Mitarbeiter vieler deutscher und internationaler Publikationen ist er weltweit unterwegs und trifft bei seinen Recherchen auf interessante Persönlichkeiten aus der Branche. Kontakt zu Andreas Spaeth.

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