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Vincent Hodder © Andreas Spaeth

Seit dem 1. August bedient Flybe erstmals Strecken, die nicht ihr Heimatland Großbritannien berühren: Von Hannover geht es nach Lyon und Mailand. Gleichzeitig gab Air Berlin ein neues Codesharing-Abkommen mit Flybe bekannt. Die Engländer denken auch über eine erste Basis auf dem Kontinent nach, die möglicherweise 2017 in Hannover eröffnet wird.

Warum Flybe trotz dem Brexit-Votum und verbreiteter Terrorangst optimistisch ist, wollte Andreas Spaeth von Vincent Hodder (45) wissen, dem Chief Revenue Officer von Flybe. Der Australier hat eine interessante Karriere hinter sich, arbeitete zuvor unter anderem bei Viva Aerobus in Mexiko, Jetstar in Tokio und TACA in El Salvador. Andreas Spaeth traf ihn in Hannover.

Herr Hodder, warum sind Sie trotz Brexit und Terrorangst optimistisch?
Vincent Hodder: Weil der Bedarf der Leute, miteinander verbunden zu sein, ungebrochen ist. Das hat diese Branche immer angetrieben, und das wird auch weiter so sein. Die Luftfahrt wird weiter wachsen, unabhängig von kurzfristigen Ängsten und Bedrohungen werden die Leute weiterhin reisen. Und es gibt keine bessere Zeit als jetzt, um diese Reise in die Zukunft zu starten. Man muss unterscheiden zwischen kurzfristiger Unsicherheit wie derzeit, ausgelöst durch einzelne Ereignisse, und dem langfristigen Erfolg des Flybe-Geschäftsmodells. Obwohl wir vielleicht unsicher über den Verlauf des aktuellen Finanzjahrs sind, haben wir doch keine Zweifel an der Stärke und dem Erfolg unseres Geschäftsmodells.

Ist es nicht etwas gewagt, im Angesicht des Brexits jetzt Strecken aufzunehmen, die Sie dann vielleicht aufgeben müssen?
Hodder: Innerhalb Großbritanniens fliegen heute 53 Prozent aller Passagiere, die nicht London berühren, mit Flybe. Obwohl wir noch weiter wachsen könnten, haben wir doch einen Großteil des Wachstumspotenzials bereits ausgeschöpft. Auf dem Kontinent dagegen gibt es enormes Potenzial für uns, mit derzeit etwa 13 Millionen Passagieren, die auf Routen ohne Low-Cost-Carrier oder nur mit sehr geringem Wettbewerb durch Billigflieger unterwegs sind. Wir sind eine Regionalairline und fliegen unterhalb des Radars der Billigflieger. Darin liegt eine große Chance für Flybe. Und ich glaube nicht, dass der Brexit uns zwingen wird, diese Routen aufzugeben. Solange es Kundennachfrage gibt und wir ein entsprechendes Angebot machen können, werden die Routen erfolgreich sein.

Obwohl eine britische Airline dann nicht mehr Teil des EU-Binnenmarktes ist?
Hodder: Wir werden immer eine Lösung finden, die Restriktionen zu umgehen, die verhängt werden könnten von Regierungen oder Ereignissen. Einer unserer großen Vorteile ist es, flexibel zu sein und sich Veränderungen anzupassen, und das sehr schnell. Und eben auch Möglichkeiten zu finden in Bereichen, wo andere auf Hindernisse stoßen.

Dash 8-Q400 der Flybe. Foto: © AirTeamImages.com, Matthieu Douhaire

Wie schaffen Sie das?
Hodder: Unsere Rolle als Regionalgesellschaft ist es, die besten Elemente der verschiedenen Geschäftsmodelle anderer Airlines zu kombinieren, sowohl jene der Netzwerk- als auch der Billigflieger. Wir haben ein Angebot an Frequenzen und eine Flugplandichte, wie sie einer Netzwerk-Airline entsprechen, und eine Kostenbasis wie ein Billigflieger. Wir verkaufen 80 Prozent unserer Tickets über unsere Website, auch ein Billigflug-Element. Gleichzeitig setzen wir, eher wie eine Netzwerk-Airline, stark auf Codesharing-Abkommen und Interlining, etwa mit Air France, Etihad, Emirates oder Virgin Atlantic, in Europa auch neu mit Air Berlin. Und wir betreiben eine der größten Bombardier Q400-Flotten, mit der sich viele Strecken betreiben lassen, wo ein 180-Sitzer keine Chance hätte. Wir sind die größte europäische Regionalgesellschaft und wollen unser Geschäft auf dem Kontinent ausweiten.

Wohin geht da Ihr Blick?
Hodder: Vor allem Deutschland ist für uns von großem Interesse, mit seiner enormen Wirtschaftskraft, einer Bevölkerung die Reisen liebt und Unternehmen mit vielen Niederlassungen in ganz Europa. Das ist eine fantastische Ausgangsbasis. Auf jeden Fall liegt unser Fokus auf Nordeuropa.

Ist es Zufall, dass britische Fluggesellschaften, oder auch irische, sehr viel mehr außerhalb ihrer Heimatmärkte expandieren als andere in Europa?
Hodder: Das haben britische oder irische Gesellschaften sicher nicht erfunden. Die waren vielleicht aggressiver darin, nach solchen Expansionsmöglichkeiten zu suchen. Das hat sicher mehr mit dem Unternehmergeist einzelner Personen zu tun, als mit Eigenheiten dieser Nationalitäten. Und natürlich verleiten die begrenzten Heimatmärkte dieser Inselstaaten eher dazu, nach Möglichkeiten außerhalb zu suchen. Das hatten die Gesellschaften in anderen europäischen Märkten vielleicht bisher nicht nötig, doch jetzt ändert sich das zunehmend.

Über den Autor

Regelmäßig veröffentlicht der Luftfahrtjournalist und Vielflieger Andreas Spaeth auf airliners.de Interviews und Kolumnen aus der Reihe "Spaeth fragt".

Andreas SpaethAndreas Spaeth ist einer der führenden deutschen Luftfahrtjournalisten. Als Autor zahlreicher Bücher und freier Mitarbeiter vieler deutscher und internationaler Publikationen ist er weltweit unterwegs und trifft bei seinen Recherchen auf interessante Persönlichkeiten aus der Branche. Kontakt zu Andreas Spaeth.

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