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Anthony Harcup © Acumen

Der Londoner Flugzeugsitz- und Kabinen-Designer Anthony Harcup (38) gehört mit seiner Firma Acumen Design zu den Mit-Erfindern der "Residence" in der A380 von Etihad. Aber das Unternehmen hat auch den sehr innovativen, gegeneinander versetzt angeordneten "Freedom"-Sitz für die Economy-Class entworfen. Obwohl er seit Jahren etwa auf der Hamburger Aircraft Interiors Expo angeboten wird, will ihn bisher keine Airline kaufen. Auf der Messe sprach Andreas Spaeth mit Designer Harcup über dieses Problem.

Herr Harcup, warum kümmert sich keiner um Verbesserungen der Economy-Kabine?
Anthony Harcup: Das würde ich so nicht sagen. Die Schwierigkeit besteht darin, unter sehr begrenzten Platz- und Gewichtsbedingungen ein neues Produkt zu entwickeln, es zertifiziert zu bekommen und es so zu gestalten, dass es sowohl Airlines als auch Passagiere schätzen. Da hat man als Designer nur sehr wenige Optionen. Obwohl wir die besten Designer und Hersteller darauf angesetzt haben, scheinen wir mit möglichen Economy-Class-Verbesserungen vor allem bei den Fluggesellschaften gegen eine unsichtbare Wand zu fahren. Da muss sich etwas ändern, die Airlines müssen uns etwas mehr Gewicht und etwas mehr Platz zugestehen, damit wir etwas radikal anderes versuchen können. Passagiere könnten etwas mehr bezahlen, um ein besseres Produkt zu bekommen. Das sehe ich als die beste Strategie.

Aber sind die Passagiere nicht selbst schuld, wenn sie bei ihrer Buchungsentscheidung nur nach dem billigsten Flug gehen?
Harcup: Das tun sie nur, weil sie in der Economy absolut keine positive Produkterfahrung bekommen. Der nächste Sprung zu einer besseren Gegenleistung kostet dann schon den doppelten Preis. Wenn das so bleibt, ist es klar, dass die Leute immer nur nach dem günstigsten Preis suchen. Es gibt einfach nichts, für dass es sich lohnt, ein wenig mehr auszugeben. Wenn sich das ändert, könnten auch viele Passagiere umdenken.

Denken Sie, dass die Luftfahrt anderen Verkehrsmitteln wie Bahn oder Bus hinterher hinkt in dem, was sie an Grundkomfort bietet?
Harcup: Nein, sie geht in manchen Bereichen voran und liegt in anderen zurück. In den Premiumklassen adaptiert die Luftfahrt sehr geschickt Designs von Oberklasse-Autos oder Edelhotels. In der Economy ist das natürlich ganz anders. Ich finde: In der Economy wurde bereits viel Arbeit geleistet, etwa beim Sitzkomfort der neuen Slimline-Sitze, der bestmöglichen Rücken-Unterstützung auf sehr begrenztem Raum. Was fehlt sind fundamentale Design-Änderungen.

Das Konzept "Freedom" sieht versetzt angeordnete Sitze in den Flugzeugen vor. Foto: © Acumen

Warum geben Airlines wie Etihad gigantische Summen für revolutionäre Premium-Produkte aus, tun aber nichts in Economy?
Harcup: Es gibt eine gewisse kommerzielle Realität in der Economy, die sich von den Premiumklassen unterscheidet. Wenn ein Economy-Sitzhersteller eine gewisse Menge an Sitzen absetzen will, muss er eben zusehen, dass genügend davon auf begrenzten Raum passen. Die Hersteller sind nicht daran interessiert, nur eine Art von Produkt nur an eine Airline zu liefern, die müssen ein viel größeres Potenzial sehen. Das ist das Dilemma, das wir haben: Ein revolutionäres Produkt müsste auf Initiative einer Airline entstehen, aber das würde die Fluggesellschaft dann nicht mit anderen teilen wollen. Für den Hersteller aber ist ein einziger Kunde eben nicht genug. Da wäre sehr viel Feinabstimmung nötig, um das irgendwie in Einklang zu bringen. Es ist einfach eine komplexe Angelegenheit: Jeder würde sich gerne die Krone aufsetzen und sagen: 'Wir haben die Economy-Class revolutioniert!', denn das wären wirklich große Neuigkeiten. Das würde die Welt verändern. Aber es ist eben viel mehr als ein Design-Problem.

Seit fast zehn Jahren zeigen Hersteller auf der Kabinenmesse diesen gegeneinander versetzten Economy-Sitz. Warum sehen wir den bisher nirgends an Bord?
Harcup: Es ist sehr schwer zu verstehen, warum dieser innovative Sitz nicht mehr Zuspruch bei den Airlines findet. Schließlich muss man sich nicht mehr um Armlehnen balgen und hat seitlich Platz zum Anlehnen des Kopfes. Das Konzept wurde positiv aufgenommen, aber niemand hat bisher einen Kaufvertrag unterschrieben. Die Tragik war folgendes: Viele Medien stellten das Konzept als etwas vor, das es ermöglicht, eine weitere Sitzreihe in die Kabine zu quetschen. Dabei geben wir den Leuten wesentlich mehr Komfort als vorher. Aber das Publikum sah das nur als zynischen Versuch, noch mehr Sitze unterzubringen. Und da haben vermutlich jene Airlines, die interessiert waren, kalte Füße bekommen.

Was muss also passieren, damit Economy-Passagiere künftig tatsächlich so komfortabel fliegen können, wie Sie es entworfen haben?
Harcup: Wir brauchen einfach Airlines, die wirklich etwas verändern wollen, die dieses Produkt fliegen wollen. Wie etwa British Airways mit echten Betten an Bord in den späten Neunzigern oder jetzt Etihad mit der Residence. Wir brauchen eine Fluggesellschaft, die bereit ist, für eine solche Veränderung etwas zu riskieren. Das Momentum baut sich bereits auf. Die Leute wissen, da muss etwas passieren, diese Revolution wird kommen. Noch gibt es aber unsichtbare Barrieren, die das verhindern.

Haben Sie ein Bauchgefühl, wann Passagiere erstmals in so einem Sitz fliegen werden?
Harcup: Ich würde sagen, in fünf bis zehn Jahren.

Über den Autor

Regelmäßig veröffentlicht der Luftfahrtjournalist und Vielflieger Andreas Spaeth auf airliners.de Interviews und Kolumnen aus der Reihe "Spaeth fragt".

Andreas SpaethAndreas Spaeth ist einer der führenden deutschen Luftfahrtjournalisten. Als Autor zahlreicher Bücher und freier Mitarbeiter vieler deutscher und internationaler Publikationen ist er weltweit unterwegs und trifft bei seinen Recherchen auf interessante Persönlichkeiten aus der Branche. Kontakt zu Andreas Spaeth.

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