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Pieter Elbers, CEO von KLM Foto: © Andreas Spaeth,

Pieter Elbers (45) hat bei KLM eine Bilderbuchkarriere hingelegt, seit er 1992 als Manager für die Flugzeugabfertigung in Amsterdam-Schiphol seine Karriere startete. Im Herbst 2014 übernahm er die Position des Präsidenten und Vorstandschefs. Als einer der wenigen Airline-Chefs arbeitet er nicht zufällig in dieser Branche, sondern weil er seit Jugendzeiten die Luftfahrt liebt. Andreas Spaeth befragte ihn kürzlich auf dem Erstflug der KLM von Amsterdam nach Bogotá (Kolumbien).

Herr Elbers, wie stark muss ein Airline-Chef die Luftfahrt lieben, um einen guten Job zu machen?
Pieter Elbers: Sehr stark. Es ist eine Mischung aus einem Job und einer Passion. Und wie wahrscheinlich in jedem Job braucht man Begeisterung, um die langen Arbeitszeiten zu ertragen und das Ganze trotzdem wirklich zu genießen.

Wie kamen Sie mit der Luftfahrt in Berührung, wie ist Ihre Begeisterung entstanden?
Elbers: Ich habe bei KLM vor 23 Jahren angefangen, das war mein erster Job. Und ich bin immer bei der Airline geblieben. Ich hatte die Gelegenheit, an vielen verschiedenen Orten zu arbeiten und in ganz unterschiedlichen Bereichen der Firma. Dabei habe ich KLM immer besser kennengelernt und eine Passion für das Produkt entwickelt. Dies ist eine großartige Branche, aber auch eine mit vielen Herausforderungen.

Haben Sie als Junge auch davon geträumt, Pilot zu werden?
Elbers: Ja, ich glaube jeder zehnjährige Junge träumt davon. Und ich war da keine Ausnahme, aber nicht sehr lange.

Warum haben Sie den Traum nicht verfolgt?
Elbers: Das weiß ich auch nicht. Irgendwann studiert man, entwickelt andere Fähigkeiten und Interessen. Das war bei mir auch so.

Heute sind Sie der "Pilot" einer großen Airline, welche Rolle spielt dabei Ihre Liebe zur Luftfahrt?
Elbers: Ich mache Pläne wie jeder andere Vorstand auch, etwa für Routen- oder Flottenstrategie, das ist sozusagen der Flugplan. Wir haben unsere Vorgaben bisher erfüllt, sozusagen unsere Wegmarken abgeflogen. Als "Pilot" einer Firma ist das tatsächlich beinahe so wie im Cockpit eines Flugzeugs.

Was fasziniert Sie denn weiterhin an der Luftfahrt, nach so vielen Jahren?
Elbers: Die Art, wie wir Menschen und Gesellschaften verbinden. Genau wie wir heute diesen Erstflug nach Kolumbien machen, der die Menschen in den Niederlanden und Europa denen in Kolumbien näherbringt und umgekehrt. Für mich symbolisiert die Luftfahrt die Globalisierung. Die Faszination, die Welt innerhalb weniger Stunden zu verbinden, ist das Entscheidende für mich.

Es gibt immer weniger Luftfahrtbegeisterte an der Spitze von Airlines wie Tim Clark von Emirates, sondern immer mehr "Erbsenzähler" aus anderen Branchen. Ist das gut oder schlecht?
Elbers: Generell ist es gut, dass auch in die Luftfahrtwelt frischer Input von außen kommt durch Manager aus anderen Branchen, die an die Spitze von Airlines rücken. Traditionell blieben die Airline-Chefs sehr unter sich, daher ist es besser, wenn auch Ideen von anderswo die Branche bereichern. Generell denke ich, das es sowohl gute Firmenchefs aus der Branche selbst gibt, da würde ich auch noch Richard Anderson von Delta Air Lines erwähnen. Aber auch solche, die von anderswo kommen und erfolgreich eine Airline führen können.

Was ist, in Kurzform, das Besondere an KLM?
Elbers: Wir haben eine lange Tradition in Holland, sehr praktisch und direkt zu sein. Und stellen dabei den Kunden in den Mittelpunkt, das fasziniert mich. Das schafft eine starke Verbundenheit und Passion. Wo immer ich auf der Welt bin und sehe eines dieser blauen Flugzeuge landen, empfinde ich Stolz. Mit Air France zusammen bilden wir nun diese gigantische europäische Airline, und behalten dabei doch unsere beiden sehr starken, eigenständigen Marken bei.

Es ist dauernd die Rede von Spannungen zwischen Holländern und Franzosen in Ihrer Firma. Was ist da dran?
Elbers: Ja, davon berichten die Medien häufig. Aber wenn Sie sich anschauen, was wir wirklich für die Kunden bieten, etwa über den Nordatlantik mit einem großartigen Joint Venture aus KLM, Air France, Alitalia und Delta Air Lines, dann würde ich die Betonung lieber darauf legen, als auf jegliche Art kultureller Analyse.

In der Airline-Branche gibt es viele Beispiele für interkulturelle Zusammenarbeit. Liegt darin nicht gerade der Reiz?
Elbers: Absolut! Sie sind geradezu gezwungen, mit allen Arten von Kulturen umzugehen und zu kooperieren. Ich kam direkt vor unserem Bogotá-Erstflug jetzt aus Shanghai zurück, wo ich mit Xiamen Airlines und China Southern verhandelt habe. Ich finde es großartig, mit anderen Kulturen zusammenzuarbeiten, neue Kooperationen zu starten und sicherzustellen, dass wir gemeinsam voranschreiten, das Angebot für unsere Kunden zu verbessern.

Was für einen Job hätten Sie gern in Ihrem nächsten Leben?
Elbers (lacht): Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Ich finde viele technologische Entwicklungen spannend, etwa in der Elektronik- und IT-Branche. Es gibt viele faszinierende Industrien. Aber wenn ich den Reset-Knopf drücken würde, bin ich mir trotzdem nicht sicher, ob ich in einer anderen als der Airline-Branche enden würde. Dazu fasziniert sie mich eben zu sehr.

Über den Autor

Regelmäßig veröffentlicht der Luftfahrtjournalist und Vielflieger Andreas Spaeth auf airliners.de Interviews und Kolumnen aus der Reihe "Spaeth fragt".

Andreas SpaethAndreas Spaeth ist einer der führenden deutschen Luftfahrtjournalisten. Als Autor zahlreicher Bücher und freier Mitarbeiter vieler deutscher und internationaler Publikationen ist er weltweit unterwegs und trifft bei seinen Recherchen auf interessante Persönlichkeiten aus der Branche. Kontakt zu Andreas Spaeth.

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