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Interview "Es braucht nur wenig und das heutige Modell kippt"

Helvetic setzt auf kleine, moderne Embraer-Jets. Damit fliegt sie unter anderem im Wet-Lease für Swiss. Im airliners.de-Interview erläutert Airline-Chef Tobias Pogorevc, warum er sich trotz Krise für größere Flugzeuge entscheidet, Kerosin aktuell viel zu billig ist und worauf es nach Corona ankommt.

Helvetic-CEO Tobias Pogorevc, © Helvetic Airways

Die Lufthansa Gruppe hat weitere massive Sparmaßnahmen angekündigt. So fährt der Konzern die angebotene Kapazität erneut deutlich zurück. In der Folge werden ganze Teilflotten über den Winter stillgelegt. Bei den Töchtern Swiss und Austrian bleiben die A320-Ceo-Flotten am Boden. Stattdessen setzt der Konzern dort im Winter auf Dash-8-Turboprops sowie die kleineren Airbus-A220- und Embraer-Jets. Die Schweizer Regionalairline Helvetic betreibt letztere im Wet-Lease für Swiss. Ein Interview mit Helvetic-CEO Tobias Pogorevc über die Effizienzvorteile moderner Regionalmaschinen, den Umgang mit der Krise und die Strategie für die Zukunft als Leasing-Partner der Lufthansa Gruppe.

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Über den Interview-Partner

Tobias Pogorevc ist seit 1. April 2018 CEO von Helvetic Airways. Zuvor war er CFO der Airline und der Flugschule Horizon Swiss Flight Academy. Bei beiden Firmen verantwortete er neben den Finanzen auch die Bereiche Kommerz und Kommunikation. Pogorevc studierte Betriebsökonomie an der Universität St. Gallen.

airliners.de: Der Lufthansa-Konzern hat angekündigt, seine Airlines aufgrund der Corona-Pandemie in eine Art "Winterschlaf" zu versetzen. In der Folge bleiben die A320 Ceo ("Current Engine Option") von Swiss und Austrian am Boden. Stattdessen sollen die Flüge mit kleineren, effizienteren Maschinen durchgeführt werden. Schlägt jetzt die Stunde von Helvetic?

Tobias Pogorevc: Die Krise ist für alle Fluggesellschaften extrem herausfordernd. Wir haben zum Glück bereits 2018 entschieden, auf ein umweltschonendes Flugzeug im Regionalsegment zu setzen. Diesen Prozess führen wir auch in der Krise weiter. Und ja, es ist schon in dieser Covid-Zeit so, dass die E190-E2 gefragt ist und auch weiter gefragt sein wird. Die E2 ist sicher genau das richtige Fluggerät im Moment, da die Passagierzahlen sehr tief sind.

Sie haben einen langfristigen Wet-Lease-Vertrag mit Swiss. Wie viele Maschinen heben derzeit für Swiss ab?

Wir fliegen im Moment regelmäßig für die Swiss - mit zwei bis maximal vier Flugzeugen. Nachgefragt ist dieses Modell jedoch nicht nur im Bereich Wet-Lease, sondern auch im Segment Spezial-Charter. Wir führen teilweise Flüge für Kleingruppen durch, weil diese nicht auf Linienflüge gehen wollen.

Hat Swiss aufgrund des weitgehenden A320-Groundings schon angefragt, ob Sie die Kapazität nicht erhöhen können?

Flugpläne ändern sich gerade von Woche zu Woche. Das liegt aber nicht an der Swiss oder den anderen Airlines. Es sind einfach die ungleichen Restriktionen innerhalb Europas, die für Komplexität sorgen. Was nützt es uns, wenn die Swiss fragt, ob wir täglich nach Italien fliegen können und Italien macht zu? Die Lage ist extrem volatil und dynamisch unabhängig vom Flugzeugtyp.

Die Embraer-E2-Serie gilt als äußerst effizient. Können Sie als betreibende Airline erläutern, wie effizient eine E190-E2 beispielsweise im Vergleich zu einem Nicht-Neo-A320 ist?

Wir haben viele Vergleichsdaten zur E1 oder auch zur Fokker 100, die wir in der Vergangenheit betrieben haben. Auf unseren Flügen hat sich gezeigt, dass die E190-E2 pro Sitzplatz weit über 20 Prozent weniger Treibstoff benötigt, als die E1. Gegenüber der Fokker sind es sogar über 30 Prozent. Zur A320-Ceo können wir nicht viel sagen, hier können wir uns nur auf Herstellerangaben und Drittvergleiche berufen, aber es ist interessant, dass eine E-190-E2 pro Trip operationelle Kosteneinsparungen von weit über 30 Prozent bietet.

Konkret heißt das: Ein A320-Ceo muss bei 180 Plätzen mit rund 70 Prozent ausgelastet sein, damit es sich lohnt, diesen einzusetzen. Das sind rund 125 Gäste. Betrachtet man die Prognosen für die kommenden ein bis zwei Jahre, wird das auf vielen Strecken gar nicht mehr erreichbar sein. In der Krise geht es vor allem um die Trip-Kosten. Da ist natürlich eine E190-E2 mit 110 oder auch die größere E195-E2 mit maximal 134 Sitzen viel attraktiver, was die Kostenstruktur angeht.

Von: Benjamin Recklies

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