Diskussionen um Eurowings-Langstreckenstrategie

Eurowings kommt auch ohne Gebührenrabatte nach Frankfurt. Gewerkschaften sorgen sich nun um Condor, während Vertriebsexperten wenig von der neuen Zubringer-Strategie im Lufthansa-Konzern halten.

Airbus A330 in den Farben der Eurowings. © AirTeamImages.com / Alun Morris Jones

Die Lufthansa Group schickt Ihren Billigflieger nach Frankfurt - um vor Ort ein touristisches Langstreckenprogramm aufzusetzen. Auch in München sollen die Langstrecken der Eurowings mit Lufthansa-Flügen vernetzt werden, weswegen auch der Vertrieb zur Mutter wechselt.

Vertriebsexperten halten wenig von dieser neuen Zubringer-Strategie. "In der touristischen Langstrecke darf man nicht feedern", sagt Aviation-Management-Professor Christoph Brützel. Punkt-zu-Punkt-Airline sein zu wollen bedeute, keine Umsteigeverbindungen anzubieten.

"Dabei geht es nicht nur um das geringe Pro Rate sondern vor allem um das Anschussrisiko", warnt Brützel im Hinblick auf die EU-Entschädigungsregelungen. Das könne für Lufthansa noch unnötig teuer werden. Denn Günstigpreis-Passagiere würden auch problemlos anders anreisen, "etwa mit Rail & Fly".

Derweil sorgt die Art uns Weise, wie Lufthansa ihre Eurowings-Langstrecken-Flugzeuge von einem Standort zum nächsten transferiert bei den Flughäfen für Grollen. In Köln gestartet, verschob Eurowings sämtliche Langstrecken erst im Oktober nach Düsseldorf, nur um die aktuell elf Flugzeuge bereits ab kommendem Winter wieder neu zu verteilen - nach Frankfurt, München und einem kleinen Rest in Düsseldorf.

In der Folge hatte der Düsseldorfer Oberbürgermeister zuletzt als Antwort auf die Lufthansa-Marktmacht die Idee von einem "Flughafen Rheinland" als Kooperation von Köln und Düsseldorf ins Spiel gebracht.

Gewerkschaft fürchtet um Condor

Die Stationierung von zunächst vier Eurowings-Langstreckenjets am Lufthansa-Drehkreuz Frankfurt hatte auch Kritik der Flugbegleitergewerkschaft Ufo ausgelöst. Die Entscheidung richte sich eindeutig gegen den Ferienflieger Condor, der sich nun der ungebremsten Marktmacht der Lufthansa gegenüber sehe.

Da die Eurowings-Maschinen mit Crews der Sun Express betrieben würden, würden die Beschäftigten der Lufthansa nicht profitieren und die Kunden getäuscht, hatte Ufo-Tarifvorstand Nicoley Baublies gesagt. Der Condor-Mutterkonzern hatte bekanntgegeben, deine Flugtöchter zum Verkauf anzubieten. Der Lufthansa-Konzern gilt als ein Interessent.

Lufthansa will im Leisure-Markt wachsen

Lufthansa verteidigte hingegen das Eurowings-Interkontinental-Angebot ab Frankfurt und München. Hier könnten die Zulieferflüge der Lufthansa optimal genutzt werden, sagte Lufthansa-Vertriebschefin Heike Birlenbach zu airliners.de. Eurowings werde auch nicht zu Lasten der Kernmarke Lufthansa wachsen. Es handele sich um ein zusätzliches Angebot, mit dem die Lufthansa Group vom Wachstum im preissensiblen Leisure-Segment profitieren wolle.

© dpa, Marcel Kusch Lesen Sie auch: Lufthansa schickt Eurowings auf die Vollcharter-Langstrecke

Condor selbst zeigt sich demonstrativ gelassen. Es herrsche bereits seit Jahren ein starker Wettbewerb auf dem Ferienflugmarkt, sagte ein Sprecher zu airliners.de: "Wir konzentrieren uns in diesem Jahr auf das, was wir am besten können: Unsere Gäste pünktlich und sicher in den Urlaub zu fliegen", heißt es - wohl im Hinblick auf die anfänglichen Performance-Probleme auf der Eurowings-Langstrecke.

Eurowings kann nicht auf Gebührenrabatte bauen

Bei ihrem erstmaligen Start vom Frankfurter Flughafen kann die Lufthansa-Tochter Eurowings auch nicht auf Gebührenrabatte bauen. Bei neuen Langstrecken würden Preisnachlässe nur gewährt, wenn ein neues, seit drei vollen Flugplanperioden nicht bedientes Ziel angeflogen wird, erläuterte Fraport-Chef Stefan Schulte auf der ITB die geltende Gebührenordnung.

Der Lufthansa-Konzern hatte sich in der Vergangenheit heftig über Rabatte in Frankfurt beschwert, die unter anderem Ryanair gewährt worden waren. Zuletzt hatte Lufthansa ein Eurowings-Engagement in Frankfurt aufgrund der Gebührenpolitik von Fraport zunächst noch ausgeschlossen.

Die von Eurowings bislang für den Herbst angekündigten Ziele Mauritius, Barbados und Windhoek werden aber bereits von anderen Gesellschaften wie der Condor, der Air Namibia und im Fall von Mauritius sogar von der Lufthansa selbst bedient.

Auf der Kurz-und Mittelstrecke orientieren sich die finanziellen Anreize derweil nicht an den Zielen, sondern sind abhängig vom jeweiligen Passagierwachstum des Anbieters. Daher konnte Ryanair als neuer Homecarrier von der Gebührenordnung stark profitieren.

Von: dh mit dpa

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