Haushaltsauschuss beschließt 100-Millionen-Förderung für PTL-Kerosin

Aus der Bundesregierung gab es in den letzten Wochen Andeutungen, jetzt hat der Bundestag 100 Millionen Euro für die Förderung des PTL-Verfahrens bewilligt. Die Industrie-Initiative Aireg kann es kaum erwarten, ihre Anträge für Pilot-Anlagen einzureichen.

In der Raffinerie Heide soll unter anderem synthetisches Kerosin aus Windstrom produziert werden. © Raffinerie Heide

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat erstmals Mittel für die Förderung und Entwicklung von synthetischen Kraftstoffen im PTL-Verfahren (Power to Liquid) im Bundeshaushalt eingeplant. In der sogenannten Bereinigungssitzung zum Bundeshaushalt 2020. Die Förderung sieht zunächst jeweils 100 Millionen Euro für die Jahre 2020 und 2021 vor.

Im Power-to-Liquids-Verfahren (PtL) kommt zunächst Strom zum Einsatz, um in einer Elektrolyse Wasser zu spalten. Der dadurch gewonnene Wasserstoff wird dann mit CO2 zu flüssigen Kohlenwasserstoffen synthetisiert. Die anfallenden CO2Emissionen werden also zuvor der Umwelt entnommen, der Verbrennungsvorgang im Flugzeugtriebwerk also CO2-neutral.

Ziel der Förderung sei es, wichtige Anschubfinanzierungen für alternative und klimafreundliche Kraftstoffe anzustoßen, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters von mehreren Vertretern von SPD, Union und Bundesregierung. Dafür habe es vor der Bereinigungssitzung viel Rückhalt in den Fraktionen, aber auch noch Skepsis bei einigen Haushaltspolitikern gegeben.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte zuvor beim "Abend der Luftfahrt" in Berlin betont, sein Ministerium mache sich dafür stark, Gelder aus der erhöhten Luftverkehrsteuer für neue Technologien und Anreize für Innovationen einzusetzen. Das letzte Wort habe aber der Haushaltsausschuss. Zuvor hatte sich auch der Beauftragte der Bundesregierung für die Luftfahrt, Thomas Jarzombek (CDU), für die Förderung ausgesprochen.

Die Förderung macht ein Siebtel der Mehreinnahmen aus der Luftverkehrsteuer aus

Die Erhöhung der Luftverkehrsteuer dürfte nach derzeitiger Planung rund 750 Millionen Euro Mehreinnahmen pro Jahr beim Bund sorgen. Davon sollen etwa 500 Millionen Euro helfen, die geplante Mehrwertsteuerreduzierung bei der Bahn auszugleichen.

© BMU, Thomas Koehler Lesen Sie auch: Bundestag beschließt höhere Luftverkehrsteuer und weitere Klimagesetze

Mit den übrigen 250 Millionen Euro wollen Verkehrspolitiker nicht nur die Luftfahrt stärken, sondern auch Industriepolitik machen, um Investitionen zu fördern. Darauf dringen auch Vertreter von Fluggesellschaften und Industrie und weisen daraufhin, dass sich Bund, Länder, Gewerkschaften und Luftfahrt im Sommer auf der 1. Nationalen Luftfahrtkonferenz in Leipzig darauf verständigt haben, dass es eine Roadmap mit einem klar skizzierten Pfad für die Markteinführung strombasierter Kraftstoffe brauche. Die Branche scheut sich derzeit noch, die Ausgaben für den Bau von Produktionsanlagen klimafreundlicherer Brennstoffe wie das sogenannte Power-to-Liquid alleine zu stemmen, da diese deutlich teurer sind als das traditionelle Kerosin.

Freude löste die Nachricht aus dem Haushaltsausschuss bei der Aireg aus. Die Initiative mit Mitgliedern aus Industrie und Wissenschaft hat sich die schnellstmögliche Markteinführung synthetischer PtL-Kraftstoffe auf die Fahnen geschrieben. Mit den jährlich 100 Millionen Euro stünde ein ansehnlicher Betrag zur Verfügung, um mit zusätzlichen Mitteln der Industrie mindestens zwei größere PtL-Anlagen auf den Weg zu bringen, teilte der Verbund mit. Aireg-Mitglieder hätten fertige Projektanträge in der Schublade, die sie nach Festlegung des Antragsprozesses sofort zur Bewilligung einreichen würden. Man begrüße zudem auch die beabsichtigte zusätzliche Förderung des hybrid-elektrischen Fliegens, denn, sollte diese Technologie in der Luftfahrt zur Marktreife gebracht werden, würde nachhaltiges PtL-Kerosin als eine Option eine wichtige Rolle spielen.

© Fraport, Lesen Sie auch: Experten fordern Quote und staatliche Anschubfinanzierung für PTL

Von: dk

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